Füllt der Raps die Kassen der Bauern?

Schon gehört?
Sie können sich Ihre Nachrichten jetzt auch vorlesen lassen. Klicken Sie dazu einfach auf das Play-Symbol in einem beliebigen Artikel oder fügen Sie den Beitrag über das Plus-Symbol Ihrer persönlichen Wiedergabeliste hinzu und hören Sie ihn später an.
Artikel anhören:

Das kühle und feuchte Frühjahr hat viele Abläufe auf den Feldern der Region verzögert. Zudem seien Preisentwicklungen schwer vorherzusagen, erklären Landwirte.

Callenberg/Bernsdorf.

Wegen des kalte Frühjahrs blüht der Raps 2021 später als in den vergangenen Jahren, doch das bereite den Landwirten kaum Sorgen, wie eine Umfrage der "Freien Presse" ergeben hat. "Er ist gut gewachsen", sagt Georg Stiegler aus Callenberg, Geschäftsführer der Waldenburger Agrar GmbH. Die alte Bauernregel "Ist der Mai kühl und nass, füllt's den Bauern Scheun und Fass" könnte also in diesem Fall zutreffen.

Derzeit sieht es auch so aus, als würde der Raps die Kassen füllen, zumindest theoretisch. Die Weltmarktpreise sind auf über 500 Euro pro Tonne geklettert, nachdem sie in den vergangenen Jahren meist um die 370 Euro lagen. Anfang Mai gab es sogar unerklärlich steile Ausschläge nach oben bis über 650 Euro, danach wieder einen Rückgang. "Bei den Rapspreisen ist richtig Bewegung drin. Vermutlich liegt das auch daran, dass die Inflation an Fahrt gewinnt", mutmaßt Stiegler.

Da alles teurer werde, brauchten die Landwirte auch größere Einnahmen für ihre Produkte. Denn bei Dünger, Betriebsstoffen oder Ersatzteilen geht die Preisentwicklung teils steil nach oben.

Das Problem kennt auch Thomas Neubert, Vorstand bei der Agrargenossenschaft Lungwitztal in Bernsdorf. "Bei manchen Sachen sind die Lieferzeiten mittlerweile sehr lang, natürlich verbunden mit erheblichen Preissteigerungen", sagt er. Bei wichtigen Ersatzteilen könne das schnell problematisch werden. Prognosen für den derzeit teurer gehandelten Raps will Neubert noch nicht abgeben. Denn bis zur Ernte im Sommer könne noch viel passieren. Rund vier Tonnen Raps können die Landwirte in einem guten Jahr pro Hektar Fläche einfahren.

Wie stark die Landwirte von den hohen Preisen bei der Ölfrucht profitieren, ist für Peter Köhler, Geschäftsführer des Regionalbauernverbandes Westsachsen, ohnehin nur schwer einzuschätzen. Denn viele Bauern verkaufen einen Teil ihrer Ernte über Kontrakte sehr langfristig. Das bedeutet im Zweifelsfall, dass die Verträge für den jetzt so teuren Raps schon im vergangenen Spätsommer kurz nach der Aussaat ausgehandelt wurden.

Außerdem sei die weitere Entwicklung schwer vorherzusagen. "Die globalen Märkte und die verschiedenen Faktoren sind schwer zu durchschauen. Da geht es auch um Spekulation", sagt Köhler. Ernteprognosen auf anderen Kontinenten spielten ebenfalls eine Rolle.

Durch die geänderten Vorschriften bei der Düngung und die Einschränkungen beim Pflanzenschutz seien für die deutschen Landwirte beim Raps keine Rekordernten mehr möglich, gibt Köhler weiterhin zu bedenken.

Durch das kühle und zeitweise sehr nasse Frühjahr ist auch die Logistik der Landwirte gefordert. Mais und Kartoffeln konnten erst viel später in den Boden als üblich. Dadurch gibt es Überschneidungen mit anderen Aufgaben, wie zum Beispiel der ersten Grünfutterernte.

Die fiel laut Thomas Neubert bei der Agrargenossenschaft Lungwitztal eher durchschnittlich aus. "Momentan ist es stressig. Man muss abwägen, was man zuerst macht, denn die Kapazitäten sind nun einmal beschränkt", sagt Neubert. Deshalb seien beispielsweise noch nicht alle Maisfelder bestellt.

Dagegen kann Georg Stiegler von der Waldenburger Agrar GmbH, die ausschließlich Feldbau betreibt und keine Tiere hält, mittlerweile komplett bestellte Felder vermelden. "Wir hängen aber beim Pflanzenschutz etwas hinterher", sagt er. Die feuchte Witterung in der ersten Maihälfte hat die Felder zeitweise unbefahrbar gemacht.

Insgesamt sieht Stiegler das Unternehmen logistisch aber gut aufgestellt und auch den Herausforderungen durch das Wetter gewachsen. "Damit können wir als Landwirte schon umgehen. Schwierig wird es aber, wenn die Politik bewährte Arbeitsweisen einschränkt oder verbietet", so der protestfreudige Landwirte, der regelmäßig an Aktionen der Bauerninitiative "Land schafft Verbindung" beteiligt ist.

Ein Vorteil der Waldenburger Agrar GmbH in der derzeit von unklaren Preisentwicklungen gekennzeichneten Situation seien die eigenen Lagermöglichkeiten. Damit könne man besser entscheiden, wann verkauft oder lieber eingelagert wird. Vier Metallsilos mit einem Fassungsvermögen von jeweils 800 Tonnen hat der Landwirtschaftsbetrieb in Ebersbach gebaut. "Die Idee habe ich aus Kanada mitgebracht", erzählt Stiegler, der sogar über weitere Investitionen in diesem Bereich nachdenkt.

Das könnte Sie auch interessieren

00 Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.