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Wenn Lesen und Schreiben schwerfallen: Wilkau-Haßlauer Schule hat 30 Jahre Erfahrung

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Etwa sieben Prozent der Deutschen leiden unter Legasthenie. In der Comeniusschule wird dieser Schwäche nunmehr seit drei Jahrzehnten als Vorreiter in Sachsen in speziellen Klassen entgegengewirkt.

Wilkau-Haßlau.

Der Raum sieht aus wie ein normales Klassenzimmer. Dabei sind es die Feinheiten, die hier den Unterricht ausmachen. An der Comeniusschule in Wilkau-Haßlau wird Lesen und Schreiben schon mal mit Gesellschaftsspielen geübt.

Vor 30 Jahren wurde hier die erste Klasse für Schüler mit einer Lese- und Rechtschreibschwäche (LRS) in Sachsen eingerichtet. Dem Jubiläum wurde mit einer kleinen Feierstunde gedacht. Eingeladen war auch Eva-Maria Watzek, die von Anfang an dabei war, die LRS-Klassen aufgebaut und viele Jahre weiterentwickelt hat. Sie konnte schon immer gut mit Schülern umgehen, die Probleme beim Lesen und Schreiben haben. Irgendwann kam die Frage: "Kannst Du das machen?". Für die Grundschullehrerin wurde es nicht nur ein Job, sondern Berufung und Leidenschaft. Bedarf gab es genug.

Die LRS-Schüler wurden 1991 aus den Sprachheilschulen herausgenommen und auf die regulären Grundschulen verteilt, wo sie dann mit auf ihre Bedürfnisse abgestimmten Lehrplänen unterrichtet werden. Für die Lehrerin war jedoch nicht nur der schulische Aspekt wichtig. Gerade das Menschliche hat für sie einen hohen Stellenwert. "Man muss sich im Zusammenhang mit LRS einmal vergegenwärtigen, was für eine große Tragik sich dahinter verbirgt, welche Probleme das in den Familien hervorruft", sagt sie. Viele der Betroffenen seien hochintelligent. Umso weniger werde verstanden, dass es bei ihnen am Lesen und Schreiben hapert. "Hier ist noch immer Aufklärungsarbeit zu leisten", sagt sie. Dazu allerdings bedürfe es auch der Unterstützung der Eltern.

Kinder können allerdings nicht einfach für eine LRS-Klasse angemeldet werden. "Dazu ist eine wissenschaftliche Diagnostik quasi als Auswahlverfahren erforderlich", sagt der heutige Schulleiter Andreas Körnich. "Nur die schwersten Fälle kommen in die LRS-Klassen", ergänzt Eva-Maria Watzek. Sie wurde für ihre Arbeit mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt. Auch im Ruhestand ist sie noch immer gefragt und hält unter anderem Vorträge. Frühzeitig hatte die Pädagogin erkannt, dass es nicht ausreicht, die Kinder nur in der Grundschule zu betreuen. Sie wollte auch die Lehrer an Oberschulen und Gymnasien sensibilisieren. Das ist ihr gelungen - Es gibt jetzt eine Verwaltungsvorschrift, die das festlegt.

Heute werden in vier Klassen etwa 50 LRS-Schüler unterrichtet. Neben vier speziell ausgebildeten Lehrerinnen stehen weitere Lehrkräfte sowie eine Mitarbeiterin im Freiwilligen Sozialen Jahr zur Verfügung. Das LRS-Klassen irgendwann nicht mehr gebraucht werden glaubt er nicht,. "Eher wird der Bedarf noch zunehmen", sagt Schulleiter Körnich.

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