Helfen in Namibia

Blog von Ingrid Poike - 10.12.2010 - 18:15:35


9.10.2010 Im Wechselbad der Gefühle

 "Du stinkst, kannst Du Dich nicht waschen" sagt Valerie zu Rebecca. Rebecca hat uns an der Strasse zu ihrem Village erwartet und steigt für die letzten Meter in unser Auto ein. Die gesamte Umgebung hier macht einen sehr sauberen Eindruck auf mich. Wir werden von Rebeccas gesamter Familie erwartet: Vater, Mutter, Großmutter und 6 Kinder. Vier Kinder besuchen die Schule.
Rebecca hat in ihrem Zeugnis 40 von 42 möglichen Punkten erreicht. Sie wurde uns im März diesen Jahres für Conny aus Chemnitz von der Direktorin für besonders förderungsfähig genannt. Heute möchte ich mir einen Eindruck über ihre Famile verschaffen. Die Erwachsenen sind arbeitslos, sie bearbeiten ihr Feld. Die Großmutter, 1940 geboren, bekommt keine Rente. Der Vater verdingt sich, wenn er etwas findet, als Tagelöhner und erhält 15 NAD (1,67 €) pro Tag. Das ist das einzige Einkommen der 9 köpfigen Familie. Es stellt sich plötzlich heraus, daß Serafine die Zwillingsschwester von Rebecca ist. "Wieviel Punkte hast Du erreicht?" "Ich habe kein Zeugnis erhalten, wir konnten mein Schulgeld nicht vollständig bezahlen. 30 NAD (3,33 €) stehen noch aus."  "Rebecca, warum hast Du mir das nicht am 7.12. zur Zeugnisausgabe gesagt? ... Und wie sieht es bei Euch mit dem Wasser und dem Essen aus?... Zum Fluß laufen wir etwa10 km. Wir könnten auch in der Nähe unserer Schule Wasser holen, das sind nur 8 km, das müssen wir aber bezahlen. Zu Essen haben wir nur an manchen Tagen. Wir bauen Mahango an, sammeln Früchte aus dem Busch wie Monkey Orangen oder Nüsse aus denen eine Suppe gekocht werden kann. Einen Speicher haben wir nicht. Das Getreide reicht nicht so lange."

Weiter geht unsere Fahrt  zum Dorf "Meile 20" . Sarah, Schülerin des Maria Mwengere Gymnasiums wohnt hier. Das Dorf liegt an der Fernverkehrsstraße Richtung Grootfontein. Die Hütten oder besser gesagt Häuser sind relativ nah aber nicht zu dicht aneinandergereiht. Es ergibt sich ein nettes Dorfbild mit einem Dorfplatz, Die Hütten sind mit Holztüren verschlossen. An einem Haus entdecke ich eine prunkvoll geschnitzte Tür mit Büffel, Elefant und Nashorn. Darauf wäre mancher Eigenheimbesitzer aus unserer Region stolz. Riesige Bäume, zum großen Teil, Yellow wood (Gelbholz, sehr hartes schweres Holz) und Monkey Bäume spenden genügend Schatten, Ein wirklich idyllisches Dorf. Von den Wassertanks, gespeist durch Bohrlöcher, holen sich die Menschen ihr Wasser. Sarah beginnt im Januar die 12. Klasse. Ihre ältere Schwester wartet auf das Ergebnis ihres Abiturs. Bruder Phillip, 2005 geboren, hat die 1. Klasse abgeschlossen, aber kein Zeugnis erhalten, da noch 20 NAD zu zahlen sind. Ich kaufe dem arbeitslosen Vater 2 seiner geschnitzten Schalen ab und gebe ihm zusätzlich das fehlende Schulgeld für seinen Sohn. Hier bin ich mir relativ sicher, daß das Geld für die Schule aufbewahrt wird. In der Mayanaregion geben wir den Familien grundsätzlich kein Geld in die Hand. Wir bringen Naturalien oder bezahlen für die Kinder das Schulgeld.

"Good morning Ingrid" , werde ich 7:15 Uhr im Schreiben gestört. Nein, jetzt nicht, ich will noch allein sein, streikt es in mir. Schon Evelyn hat mir 6 Uhr eine SMS geschickt, sie möchte Stricken lernen. Sobald es hell wird, beginnen die Leute ihr Tagwerk. Denn früh ist es noch angenehm kühl. Wenig später erneut: "Good morning, Ingrid." Nun muß ich doch aus meinem Bungalow gehen und noch dazu im kurzen Schlafanzug! Hans möchte mir das Zeugnis seines Sohnes zeigen und dafür die Schulkleidung empfangen. Nach dem Schwimmen bringt Gerolda ihre zwei Nichten zu mir, sie probieren ihre neuen Schuluniformen an. "Das Zeugnis bekommen wir erst im Januar, wenn das Schulgeld bezahlt ist", sagt Gerolda traurig, "Ich werde es für meine Schwester bezahlen."
Ich sitze nachdenklich am Frühstückstisch, wo fängt man an, wo hört man auf?


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Bloggerin Ingrid Poike

Ingrid Poike aus Chemnitz engagiert sich seit vielen Jahren ehrenamtlich für ein Hilfsprojekt in Namibia. Sie unterstützt vor Ort verschiedende Projekte und die Grundschule am Okavango. Mehrmals im Jahr reist sie mit vielen Hilfsgütern im Gepäck auf eigene Faust nach Afrika, besucht die Familien vor Ort und kümmert sich um die Verteilung der Spenden. In ihrem Blog berichtet sie regelmäßig über ihre Arbeit in Namibia.

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