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Foto: Rolf Vennenbernd/dpa

Bund will Millionen in neue 24-Stunden-Kitas investieren

Eltern sollen ihre Kinder auch außerhalb der regulären Kita-Öffnungszeiten in Obhut geben können. Sachsen lehnt den Vorstoß aus Berlin ab.

Von Alessandro Peduto
erschienen am 04.07.2015

Berlin/Dresden. In Kitas sollen Betreuungsangebote für die Abend- und Nachtstunden massiv ausgebaut werden. Das sehen Pläne von Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) vor. Ein entsprechendes Förderprogramm im Umfang von bis zu 100 Millionen Euro für 2016 bis 2018 will das Ministerium nach eigenen Angaben in Kürze auf den Weg bringen. Das Geld stammt aus zusätzlichen Investitionsmitteln des Bundes.

Teil des Vorhabens sind sogenannte 24-Stunden-Kitas. "Für Menschen, die im Schichtdienst arbeiten - im Krankenhaus oder in der Pflege, als Polizisten oder im Einzelhandel - , ist es wichtig, dass es auch in sogenannten Randzeiten eine Möglichkeit gibt, die Kinder gut betreut zu wissen", sagte Schwesig der "Freien Presse".

Den Plänen zufolge geht es nicht um eine längere Betreuung der Kinder, sondern um Angebote zu anderen Zeiten. Hiervon sollen vor allem Alleinerziehende und Eltern im Schichtdienst profitieren, denen reguläre Kita-Öffnungszeiten nur begrenzt weiterhelfen. Das neue Angebot solle diesen Eltern die Aufnahme oder eine Fortsetzung ihres Berufs erleichtern.

Schwesig betonte allerdings, Ziel sei es nicht, dass sich Familien komplett nach der Arbeitswelt richten. Vielmehr müsse es umgekehrt sein. "Die Wirtschaft muss sich auch endlich den Bedürfnissen der Familien anpassen." Ab kommenden Herbst sollen Kita-Träger ihren Förderbedarf beim Bund anmelden können.

Mit Unterstützung aus Sachsen kann die Bundesfamilienministerin bei der Umsetzung ihrer Pläne allerdings nicht rechnen. "Ein Förderprogramm für eine solche Betreuungsform wurde und wird von uns aus pädagogischen Gründen abgelehnt", teilte das CDU-geführte Kultusministerium in Dresden mit. Kindertagesbetreuung sei ein "teilstationäres Angebot und sollte es auch bleiben". Zudem habe es bis auf wenige Einzelfälle keine entsprechende Bedarfsnachfrage bei den zuständigen Landesbehörden gegeben. Der Kommunale Arbeitgeberverband Sachsen bestätigte dies auf Anfrage.

Der Linke-Obmann im Familienausschuss des Bundestags, Jörn Wunderlich, äußerte indes grundsätzlich Zustimmung für die Pläne. Eine 24-Stunden-Kita sei geeignet, den Interessen von Familien und Wirtschaft zu entsprechen, "sie sollte jedoch nicht zur Regelbetreuung werden". Zweifelhaft sei zudem, ob die Millionen, die Schwesig für ihr "Vorzeigeprojekt" eingeplant habe, gut angelegt seien, solange es selbst bei regulären Kita--Öffnungszeiten noch Betreuungslücken gebe.

Kinderbetreuung rund um die Uhr

In Deutschland gibt es bislang nur wenige Kitas, die auch außerhalb der üblichen Betreuungszeiten durchgängig geöffnet haben. Während zu DDR-Zeiten selbst Wochenkrippen verbreitet waren, gibt es heute bundesweit nur wenige Einrichtungen, die Kinder bis spätabends oder auch über Nacht betreuen.

Einzelne 24-Stunden-Kitas gibt es derzeit etwa in Berlin, Hamburg, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. Die Organisation einer solchen Betreuung ist jedoch für viele Einrichtungen schwierig, da mehr Personal nötig ist. Zudem muss es ausreichende Nachfrage geben, damit sich das Zusatzangebot trägt.

 
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Kommentare
1
(Anmeldung erforderlich)
  • 05.07.2015
    12:59 Uhr

    crashy9708: Nun, bereits vor der "Wende" wussten wir schon, dass das Ost-Fernsehen wesentlich mehr an Bildung geboten hatte als wir uns im West-Fernsehen im Empfangsbereich reinziehen konnten.

    Haben unsere Politiker vielleicht auch gerade mal wieder alte "Feind-Sender"-Beiträge aus dem Osten angesehen?

    "Wie füttert man einen Esel" (Mit Manfred Krug!) hat wohl jetzt für diese "Inspiration" gesorgt?

    Einfacher gesagt:
    DAS ALLES GAB ES SCHON EINMAL AUF (OST-)DEUTSCHEM BODEN!

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