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Foto: Tilo Steiner

Energiewende belastet Ostdeutschland am stärksten

Die Kosten für den Ausbau der Stromnetze tragen zurzeit vor allem die Kunden im Osten und Norden der Republik. Sachsens Ministerpräsident Tillich fordert jetzt eine gerechtere Verteilung der Lasten.

Von Jürgen Becker
erschienen am 18.09.2015

Chemnitz/Leipzig. In Düsseldorf zahlt jeder Stromkunde 4,75 Cent je Kilowattstunde dafür, dass das Stromnetz bereitgestellt und unterhalten wird. Im Osten und Norden der Republik müssen Haushalte dagegen sieben bis zehn Cent je Kilowattstunde entrichten. Da dieses Netzentgelt Teil des Strompreises ist, variiert auch dieser stark.

Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) hat deshalb gestern beim "Ostdeutschen Energieforum" in Leipzig eine faire Verteilung der Lasten verlangt. Die süddeutschen Stromkunden müssten an den Netzausbaukosten im Osten und Norden beteiligt werden, sagte er. Auch Patrick Graichen, Direktor der Berliner Denkfabrik "Agora Energiewende", warnt davor, dass das Stadt-Land- und Ost-West-Gefälle durch den weiteren Ökostromausbau noch größer werden könnte. Die Netzentgelte sollten deshalb vereinheitlicht werden. Schließlich sei die Energiewende ein bundesweites Projekt, sagt er.

Ursache für die Differenz bei den Netzentgelten sind zum einen hohe Investitionen in die Netzmodernisierung, die im Osten zudem von weniger Stromkunden als im Süden und Westen getragen werden müssten, erklärt Fabian Hinz vom Lehrstuhl für Energiewirtschaft an der TU Dresden. Zum anderen würden Windparks und Solaranlagen vor allem in diesen dünner besiedelten Gebieten mit vergleichsweise langen Transportwegen errichtet. Deshalb müsse dort das Verteilnetz am stärksten ausgebaut werden, um den Ökostrom aufzunehmen. Das sorge für höhere Netzentgelte im Osten und Norden, die die Konzerne an die Kunden vor Ort weitergeben.

"Bundeseinheitliche Netzentgelte sind keine Lösung und werden auch keine Mehrheit im Bund finden", sagt dagegen EnviaM-Chef Tim Hartmann. Er schlägt stattdessen eine Beteiligung der Anlagenbetreiber an den Netzausbaukosten vor. Wenn Windräder und Solaranlagen bei Einspeisespitzen abgeschaltet werden müssten, könnten zudem erhebliche Netzausbaukosten eingespart werden. Das entlaste die Stromkunden am besten.

 
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Kommentare
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Kommentieren (für Digital- und Printabonnenten)
  • 22.09.2015
    14:13 Uhr

    1304589: Kommnetar/berndischulzi: ....# Das müssen üble Kampagnen sein.# schon schlimm 'ne!
    sie haben dem kapitalsozialsmus in diesem system nicht verstanden, man nennt dies in diesem fall nicht seit 25j subvensionskosten sondern umlageverfahren - zu bezahlen durch den letztverbraucher = so wie sie, ich, du, er, es, ... diesen Windwahn.de mit zu bezahlen hat.
    D rettet die welt wegen 1,7% windstrom und 0,02%? CO2 einsparung ... wir sollen mal bei den 60% prozesswärem anfangen ... aber ist egal ... weil tillig ist das/die land(schaft) auch egal ... noch 100 tage bleiben für 10H

    0 0
     
  • 19.09.2015
    10:11 Uhr

    Tauchsieder: Bei solchen Fragen wenden sie sich vertrauensvoll an ihren Arzt oder Apotheker oder an die "Grünen"! Die haben bestimmt eine Antwort parat. Es gibt ja für jedes Wehwehchen ein Mittelchen. Man sollte doch nicht so kleinkariert denken, man muss das Große und Ganze sehen.

    0 3
     
  • 19.09.2015
    09:06 Uhr

    berndischulzi: Das ist völlig unmöglich. Im Osten ist die gesamte Lebenshaltung bedeutend billiger als im Westen. Das liegt daran, weil im Osten das Lohnniveau so hoch ist, jawohl. Das müssen üble Kampagnen sein.

    1 2
     
  • 18.09.2015
    17:12 Uhr

    PWander: Wenn Windräder bei Einspeisespitzen abgeschaltet werden müssen ist das KEINE ENTLASTUNG der Stromkunden, denn der Betreiber bekommt den nicht erzeugten Strom trotzdem bezahlt!!!

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