Menü
 
Kontrolliert, ob alles richtig sitzt: Mitarbeiter Mario Arzt an dem neuen Filtermodul, das im Herbst in Hannover präsentiert wird.

Foto: Wolfgang Schmidt

Lehmann schrumpft die Filtertechnik

Der Maschinenbauer aus dem Vogtland macht mit innovativer Technik die Vliesrollen bei Fräs- oder Schleifanlagen überflüssig. Das neueste Modul passt auf eine Europalette.

Von Jan-Dirk Franke
erschienen am 30.07.2013

Jocketa. Als die Jocketaer Firma vor eineinhalb Jahren auf einer Branchenmesse ihre neu entwickelte Filteranlagen-Baureihe vorstellte, war ihr die Aufmerksamkeit der Fachwelt sicher. Denn etwas Vergleichbares gab es im Werkzeugmaschinenbau bisher nicht. Der sogenannte Unterdrucksaugfilter (USF) ist gegenüber herkömmlichen Anlagen, die zum Filtern von Partikeln in der Metallbearbeitung zum Einsatz kommen, nicht nur umwelt-, sondern auch wartungsfreundlicher. Längst sind erste Module verkauft und laufen zuverlässig. "Nach eineinhalb Jahren stellen sich Vertriebserfolge ein", sagt Firmenchef Titus Lehmann. "Wir arbeiten daran, in die Serienfertigung zu kommen." In der Zwischenzeit haben die Vogtländer aber nicht die Hände in den Schoß gelegt, sondern das Produkt weiterentwickelt. Das Ergebnis heißt USF µ und ist ein Kompaktfilter, dessen Stellfläche auf das Maß einer Europalette geschrumpft ist. Lehmann wird das Modul im September auf der Metallbearbeitungsmesse Emo in Hannover vorstellen.

Er erhofft sich von der Neuentwicklung einen weiteren Kundenzuwachs, vor allem wegen der kompakten Maße. Das System passe nun in jede Ecke, sagt der Geschäftsführer. Vorteile sieht Lehmann zudem bei der Energieeffizienz: Weil sich die Technik bedarfsgerecht steuern lässt, geht er von einer Einsparung von bis zu 25 Prozent aus.

Bei den Unterdrucksaugfiltern geht es um einen Prozess, der bei allen spanabhebenden Verfahren in der Industrie zum Einsatz kommt: Die Späne oder Feinpartikel müssen aus dem Prozess herausgefiltert werden. Üblicherweise geschieht das mit Bandfiltern. Bei diesen wird der Kühlschmierstoff, mit dem die Partikel zugleich vom Werkzeugtisch entfernt werden, auf ein Vlies verteilt. Auf dem lagern sich die Späne ab und werden dann samt Trägermaterial als Sondermüll entsorgt. Der USF aus Jocketa indes kommt ohne das Trägermaterial aus; hier sorgt eine dauerhafte, rückspülbare Filterkerze für die Reinigung. Gereinigt wird die Kerze vollautomatisch durch Überdruck. Die Schmutzpartikel werden von ihr gelöst, abtransportiert und getrocknet.

Die Technik - Lehmann hat auf das gesamte Verfahren ein Patent angemeldet - ist anspruchsvoller und damit auch teurer als konventionelle Filtersysteme. Ihre Stärke haben die Anlagen bei Fertigungsprozessen, bei denen sehr feine Partikel vom Maschinentisch gebracht werden müssen und damit sonst viel Filtermaterial benötigt wird. Schleifen, Hohnen oder Läppen, nennt Lehmann als Beispiele. Auch das Fräsen von Guss, wo ein "hässlicher Schlamm" entstehe, gehöre dazu.

Lehmann setzt auf den Bereich Filtertechnik und will ihn ausbauen. Zum Sortiment gehören dabei jedoch nicht die neuen USF, sondern auch Standardanlagen, die mit Vlies arbeiten. Darauf sind die Vogtländer nach wie vor angewiesen. Doch Wachstum verspricht sich Lehmann künftig eher von der innovativen Filtertechnik. 100 bis 200 USF sollen pro Jahr einmal gefertigt werden, hat er sich als Zielmarke gesetzt. Das Interesse an der Technik, die zwar in der Anschaffung teurer, aber umweltfreundlicher ist, scheint da zu sein: "Wir merken, dass das Kundenklientel wächst, das sich darüber Gedanken macht", meint Titus Lehmann.

Derzeit trägt die gesamte Filtertechnik 40 Prozent zum Umsatz bei, der im vorigen Jahr bei 3,5 Millionen Euro lag. Ziel sei es, den Anteil auf rund 60 Prozent zu steigern. Verkauft werden die Filter weltweit, die Exportquote schätzt Lehmann auf etwa 60 Prozent. Zum Produktportfolio gehören außerdem die Sparten Fördertechnik, Sondermaschinen und Blechbearbeitung, letzteres als Lohnfertigung. Auf der Referenzliste stehen Autobauer wie VW und GM sowie Maschinenbauer wie Union oder Unitech.

Nachdem das laufende Jahr infolge des langen Winters vor allem in der Blechbearbeitung schleppend angelaufen war, seien die Auftragsbücher seit Mai wieder voll, erklärt Lehmann. "Wir erwarten im zweiten Halbjahr einen deutlichen Zuwachs", blickt der Firmenchef voraus. Insgesamt knapp eine Million Euro werden derzeit investiert. Einen Büroneubau hat die Firma bereits seit kurzem bezogen, angeschafft wurde zudem eine neue, vollautomatische Glasfaser-Laseranlage zur Blechbearbeitung.

Gruppe in Familienhand

Die Lehmann-UMT GmbH existiert seit 1998. Der heute 36-jährige Titus Lehmann begann damals mit der Herstellung von Edelstahlgrills und leichter Blechbearbeitung. Heute beschäftigt UMT rund 40 Mitarbeiter. Die Firma arbeitet eng mit der Lehmann Maschinenbau GmbH zusammen, die von Vater Thilo Lehmann geführt wird. Das betrifft sowohl die Produkte als auch die räumliche Nähe. Trotzdem sind beide Betriebe klar getrennt.

Der Betrieb des Vaters ist mit rund 120 Beschäftigten das größere Unternehmen. Die Firma war 1945 als Reparatur- und Handwerksbetrieb gegründet worden. Schwerpunkt sind Sondermaschinen, Biogastechnik sowie hydraulische Ausrüstungen. Die Firma sorgte unter anderem dafür, dass beim Bau der Dresdner Frauenkirche wetterunabhängig gebaut werden konnte: Das Wetterschutzdach wurde mit Spezialtechnik der Lehmann Maschinenbau angehoben. (jdf)

 
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
Lesen Sie auch:
 
Kommentare
0
(Anmeldung erforderlich)

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
|||||
mmmmm