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Solarworld-Tochter will im Osterzgebirge Lithium fördern

Probebohrungen haben ergeben, dass unter Zinnwald eines der größten Vorkommen Europas lagert. Der Konzern ist auf der Suche nach Investoren für ein neues Bergwerk.

Von Gabriele Fleischer
erschienen am 03.07.2014

Freiberg. Zinnwald steht vor einem Neubeginn des Bergbaus. Der Technologiekonzern Solarworld ist im Osterzgebirge bei seinen Probebohrungen nach Lithium fündig geworden. Auswertungen der bis Ende 2013 durchgeführten insgesamt acht Bohrungen haben ergeben, dass unter Zinnwald auf deutscher und tschechischer Seite so viel Lithium im Roh-Erz enthalten ist, dass sich ein etwa 25-jähriger Abbau lohnen würde. Die Lithium-Lagerstätte gehört zu den größten Vorkommen Europas. In den 90er-Jahren war in der Region nach 600 Jahren der Bergbau eingestellt worden.

Bernhard Cramer, Chef des Oberbergamtes Freiberg, bestätigte der "Freien Presse", dass die Solarworld-Tochter Solicium einen Antrag zur Gewinnung der Bodenschätze gestellt hat. Ob und wann die Bewilligung erteilt werden könne, sei derzeit aber noch unklar. Unter anderem müsse noch ein Betriebsplan vorgelegt werden.

Armin Müller, der für Solarworld in Freiberg das Projekt betreut, geht von einem Abbauvolumen von 70.000 Tonnen aus. Das bis in eine Tiefe von 350 Metern und auf einer Fläche von etwa eineinhalb mal knapp einen Kilometer unter den vorhandenen alten Bergwerksgruben lagernde Roh-Erz enthält 20 Prozent Zinnwaldit, aus dem Lithiumcarbonat gewonnen wird. Das wiederum ist Ausgangsstoff für weitere Lithiumverbindungen. Der Rohstoff kommt in wiederaufladbaren Lithium-Ionen-Akkus zum Einsatz, die für Elektroautos, Laptops und Solarbatterien benötigt werden.

Einen einstelligen Millionenbetrag ließ sich der Konzern die Erkundung bisher kosten. Angesichts der Weltmarktpreise, die derzeit bei 6000 US-Dollar für eine Tonne Lithiumcarbonat liegen, rechnet Müller zwar nicht mit hohen Gewinnen, aber dennoch mit einem lukrativen Geschäft. Kämen Abbau und Aufbereitung zustande, könnten etwa 75Arbeitsplätze geschaffen werden, 50 davon unter Tage.

Ob es dazu kommt, das hängt von finanzkräftigen Investoren ab. Laut Müller gibt es einige Interessenten, die in den kommenden Wochen rechnen und die Wirtschaftlichkeit untersuchen wollen. Der Projektleiter spricht von einem mittleren zweistelligen Millionenbetrag, den das Projekt insgesamt kosten würde. Bis zum Jahresende soll eine Entscheidung fallen. Sollte ein Investor gefunden werden, bliebe Solarworld als Miteigentümer im Boot. Ziel sei es aber nicht, dass der Solarstromtechnologiekonzern künftig auch ins Batteriegeschäft einsteigt. Vielmehr soll das Bergwerk nach Schuldenschnitt und Restrukturierung ein zusätzliches wirtschaftliches Standbein für Solarworld werden. "Die technologischen Prozesse sind durchgerechnet, aber Abbau und Aufbereitung müssen sich am Weltmarkt und den Konkurrenzgebieten, die vor allem in Chile zu finden sind, orientieren", betont Müller.

 
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