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Foto: Inga Kjer/dpa

Handwerk hinkt digital hinterher

Viele Firmen bezweifeln immer noch den Nutzen solcher Investitionen. Die Kammer befürchtet deshalb deutliche Wettbewerbsnachteile.

Von Ramona Nagel
erschienen am 19.05.2017

Chemnitz. Das Sanitätshaus Saxcare ist mit moderner Technik gut ausgestattet. Erst in diesem Jahr wurde für rund 25.000 Euro ein neuer Server mit zugehöriger Infrastruktur angeschafft. "Das ist notwendig, um unsere Kundendaten höchstmöglich zu schützen", sagte Robby Reschke, der Geschäftsführer des 45-Mann-Betriebes. Erst in diesem Jahr wurden die gesetzlichen Richtlinien verschärft. Eingehende Mails beispielsweise müssen nun prinzipiell archiviert werden. Reschke weiß, dass sich die Technik rasant verändert und deshalb in etwa fünf bis sieben Jahren weitere größere Investitionen nötig sind.

Diese immer wiederkehrenden Ausgaben sind für viele Handwerker aber offenbar eine Hemmschwelle. Nur rund ein Sechstel der Betriebe hat laut einer Befragung der Handwerkskammer Chemnitz unter 942 Betrieben in den vergangenen zwölf Monaten in die Digitalisierung investiert. Schwerpunkte waren die Betriebsorganisation sowie die Gewinnung neuer Kunden. 18 Prozent sehen demnach die Digitalisierung als Chance, rund sechs Prozent als Risiko, knapp ein Drittel weder als Chance noch als Risiko, reichlich 18 Prozent hatten keine Meinung und knapp 30 Prozent haben sich dazu nicht geäußert.

Digitalisierung umfasst unter anderem Homepage und Soziale Medien für die Kundengewinnung, das papierlose Büro und damit für jeden Mitarbeiter an jedem Ort Zugriff auf Daten, die elektronische Kontrolle des Warenbestandes einschließlich Einkauf oder etwa Geräte für die Kontrolle von Assistenzsystemen im Kfz-Bereich. Allerdings ist es mit Ausgaben für Technik und Software nicht getan - die Mitarbeiter müssen auch geschult werden.

"Die Bedeutung dieser Investitionen wird noch verkannt", sagte der Präsident der Handwerkskammer Chemnitz, Frank Wagner. Vor allem die im Handwerk üblichen vielen kleinen Firmen sehen noch große Hürden. Ihnen fehlt es an Geld, Zeit und Personal oder auch Mitarbeitern mit entsprechenden Fähigkeiten. Zudem wollen sich viele ältere Chefs nicht mehr mit neuen Systemen vertraut machen und hoffen darauf, dass nach erfolgreicher Unternehmensnachfolge ein Jüngerer diese Aufgabe meistert. Dabei geht jedoch wichtige Zeit verloren. Der Markt wird immer schneller, ohne Digitalisierung bleiben die Betriebe zurück", befürchtet Hauptgeschäftsführer Markus Winkelströter.

Mit ihrer Skepsis stehen die kleinen Handwerksfirmen nicht allein da. Auch viele sächsische Einzelhändler gehen die Digitalisierung nur zögerlich an. Nicht einmal die Hälfte dieser Firmen im Freistaat erleichtert sich mit moderner Technik den Alltag.

Laut Deutschem Handwerksinstitut ist die Digitalisierung insbesondere bei Kleinst- und Kleinunternehmen noch nicht angekommen. Ähnliches hat auch der Deutsche Industrie- und Handelskammertag festgestellt. Für kleine und mittelständische Firmen sei es schwierig, die eigenen Bedürfnisse sowie die Risiken und Chancen von Informationstechnik (IT) und IT-Sicherheit einzuschätzen.

Volle Auftragsbücher

Die Firmen der Handwerkskammer (HWK) Chemnitz sind sehr zufrieden mit ihrer Geschäftslage. Der sogenannte Geschäftsklimaindex erreichte mit 50,6 Punkten einen Höchstwert. Im Frühjahr 2016 hatte er noch bei 39,2 Punkten gelegen. Die insgesamt gute Konjunktur, die stabile Binnennachfrage, niedrige Zinsen und die vollen öffentlichen Kassen sorgen dabei für volle Auftragsbücher. Mehr als 60 Prozent der Firmen haben eine Auslastung von 80 Prozent und mehr. "Angesichts von Unsicherheiten wie Brexit, US-Präsidentschaft und Zinsniveau können wir aber nicht automatisch davon ausgehen, dass das so bleibt", sagte HWK-Präsident Frank Wagner. Konjunkturtreiber war der Baubereich. (na)

 
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