PS-Bolide dreht für krebskranke Kinder weiter seine Runden

"Nascar hilft" startet in wenigen Wochen in die sechste Saison. Dass Jan Wätzig wieder mit seinen besonderen Co-Piloten über den Asphalt donnert, ist nicht selbstverständlich. Das Projekt stand kurz vor dem Aus.

Wolkenstein.

Jan Wätzig liebt schnelle Autos. Seine Leidenschaft für PS-Boliden wird nur von einer Sache übertroffen: strahlenden Kinderaugen. Der Wolkensteiner hat es geschafft, beides miteinander zu verbinden. Vor sieben Jahren gründeten er und sein Team das Projekt "Nascar hilft" mit dem Ziel, krebskranken Kindern und ihren Familien zu helfen. Sie sollen für einen Tag die schweren Schicksalsschläge hinter sich lassen - auf der Rennstrecke. Als Beifahrer des 39-Jährigen brettern die Jungen und Mädchen über den Asphalt auf dem Lausitzring. Doch dem Renntaxi, das seit 2012 einen festen Platz beim Elternverein für krebskranke Kinder in Dresden genießt, drohte das Aus.

Im Sommer ereilte die Erzgebirger die Hiobsbotschaft: Die Dekra kauft die Rennstrecke in der Lausitz. "Wir wussten lange nicht, ob es für uns weitergeht", sagt Wätzig. Doch der zweifache Familienvater blieb ruhig - und schließlich auch hartnäckig. Bei einem ausführlichen Gespräch vergangenen Monat konnte er den neuen Betreiber davon überzeugen, dass das Hilfsprojekt weiterhin Termine erhält, an denen der Wolkensteiner für seine besonderen Beifahrer aufs Gaspedal treten darf. "Krebs macht nicht einfach Halt. Wir auch nicht", sagt Wätzig.

Noch wird der 520 PS starke BMW V8 Star nach einer langen Saison auf Herz und Nieren geprüft. Doch schon im März stehen die ersten Testfahrten an, damit der PS-Bolide optimal abgestimmt ist, um wieder einmal Kinderherzen höher schlagen zu lassen. Und auf die jungen Co-Piloten warten in diesem Jahr weitere Überraschungen. "Wir werden die Kinder in der sechsten Saison auch erstmals optisch zu richtigen Rennfahrern machen", verspricht Teammitglied Tina Roscher. Dank der Unterstützung von Sponsoren konnten die Erzgebirger Rennanzüge für die kleinen Passagiere anschaffen. Obendrein erhalten die Jungen und Mädchen neuerdings eine "Rennfahrer-Lizenz", eine Urkunde mit Foto als Erinnerung. "Sie soll unvergesslichen Moment festhalten", sagt Crewmitglied Thoralf Nestler. Obendrein basteln die Erzgebirger mit Hochtouren daran, dass sie in diesem Jahr auch erstmals einen Termin auf dem Sachsenring anbieten können. Problem: die Lautstärke des Wagens. Der Annaberger Tilo Koch, Experte für Auspuffanlagen, tüftelt bereits daran, das Auto leiser zu machen. "Wenn es klappt, können wir auch dort unsere Runden drehen", so Wätzig.

Im vergangenen Jahren waren es 39 krebskranke Kinder, denen "Nas-car hilft" ein Abenteuer weit weg vom Krankenhaus ermöglichen konnte. Wätzig erinnert sich an alle, hält zu vielen auch nach dem gemeinsamen Erlebnis Kontakt. So auch zu dem 13-jährigen Julian. "Er hat einen Gehirntumor. Anderthalb Jahre Palliativtherapie liegen hinter ihm. Er wurde von den Ärzten schon längst abgeschrieben. Sein Traum war es immer, einmal in einem Rennwagen mitzufahren. Wir konnten ihn glücklich machen. Es ist ein Phänomen, wie das viele Adrenalin sogar Symptome eine Zeit lang ausschaltet", erklärt Wätzig. Für sein Engagement - und das seines Teams - wurde der Wolkensteiner nun geehrt und zum Botschafter des Dresdner Elternvereins ernannt. Die Urkunde hat natürlich einen Ehrenplatz in seiner Garage gefunden.

Ein anderes Stück Papier sorgt hingegen für weiche Knie bei Wätzigs Frau. Der Wolkensteiner hat - entgegen des Versprechens - seit Januar seine Rennlizenz wieder. Zwei echte Rennen stehen 2018 an. Doch selbst die nur für den guten Zweck: "Wir wollen die österreichische Kinderkrebshilfe unterstützen."

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