Historisches Schmuckstück glänzt wieder

Er ist fast 125 Jahre alt und einst ließ sich der sächsische König vor ihm ablichten: der Festsaal des Rodewischer Landeskrankenhauses. Jetzt wurde das gesamte Gebäude für 2,3 Millionen Euro saniert.

Rodewisch.

Klare Linien, die Farben: braun, grau und beige - man kann sagen: Der Raum steht im Mittelpunkt. Nach über einem Jahr Bauzeit erstrahlt der Festsaal des Sächsischen Krankenhauses in Rodewisch im puristisch-modernen Ambiente. 2,3 Millionen Euro haben der Freistaat und die Einrichtung je zur Hälfte in die Sanierung des gesamten Sozialtherapeutischen Zentrums - so heißt das Gebäude, in dem der Festsaal untergebracht ist - investiert. Am 18. Dezember soll es feierlich wieder eingeweiht werden.

Bei der Sanierung hatte der Denkmalschutz eine Menge mitzureden, denn das Haus gehört zu dem 15 Krankenhäuser umfassenden Anstalts-Ensemble, das von 1888 bis 1893 erbaut wurde. "Am 25. Juli 1893 fand die feierliche Einweihung und Eröffnung der ,Königlich Sächsischen Landes-Heil- und Pflegeanstalt für Geisteskranke zu Untergöltzsch' statt", ist den Archivunterlagen des Landeskrankenhauses zu entnehmen.

Ein Lageplan aus der Zeit offenbart, wie sogar vorherrschende Wetterlagen und Windrichtungen in die Planung der Anlage einflossen, die in einem zeitgenössischen Bericht als "schmuckes, freundliches Dörfchen" beschrieben wird. Die meisten der Gebäude wurden im Schweizer Stil errichtet, ausgestattet mit geräumigen hellen Veranden.

Eine geschlossene Holzveranda ziert auch den mondänen Eingang zum Festsaal, vor dem sich schon vor über hundert Jahren seine Majestät König Friedrich August ablichten ließ. Vom 2. Juli 1908 stammt das historische Foto im Krankenhausarchiv, auf dem neben dem letzten sächsischen Monarchen zwei Pflegerinnen in der damals üblichen Dienstkleidung - weiße Schürze, dunkles Kleid, weißes Häubchen - herausstechen.

Geschichte wurde in dem Festsaal auch im Mai 1963 mit den legendären Rodewischer Thesen geschrieben. Im Rahmen eines internationalen Symposiums dort formuliert, ging es im Kern um die Rehabilitation von psychisch akut oder chronisch Kranken, was damals einer Revolution glich. In Westdeutschland setzte sich diese Sicht auf den Patienten erst Jahre später durch.

Wie der Festsaal auf dem Untergöltzsch-Areal künftig genutzt wird, steht noch nicht hundertprozentig fest. Einen Probelauf gab es quasi schon diese Woche, als das Krankenhaus im Festsaal eine Mitarbeiterversammlung durchführte. Ob er auch externen Mietern wieder zur Verfügung steht, wird laut Krankenhaus-Sprecherin Maria Rank derzeit noch diskutiert. Vor der Sanierung war dies üblich und auch rege genutzt. Und Anfragen liegen offensichtlich auch jetzt schon wieder genügend vor. Die Frage sei, zu welchem Preis man vermiete und welches Risiko man angesichts der hohen Investition eingehe, erläutert Rank.

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