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Pegida-Gründer Lutz Bachmann (l.) und der neue AfD-Landesvorsitzende Jörg Urban begegnen sich auf der Gästetribüne in Hoyerswerda.

Foto: dpaBild 1 / 2

... und dann kam Lutz Bachmann

Der Pegida-Gründer stattet dem AfD-Parteitag in Hoyerswerda einen Besuch ab. Die Wahl der neuen Parteispitze wird so zur Nebensache.

Von Kai Kollenberg
erschienen am 04.02.2018

Hoyerswerda. Jörg Urban ist nicht einmal drei Stunden frisch gewählter Vorsitzender der sächsischen AfD, als er merken muss, wie kurzlebig die Aufmerksamkeit im politischen Geschäft sein kann. Der Parteitag plätschert bis zu diesem Zeitpunkt vor sich hin. Beobachter haben Mühe, überhaupt so etwas wie eine Botschaft auszumachen, die die AfD knapp anderthalb Jahre vor der nächsten Landtagswahl aussenden will. Da gewinnt das Zusammentreffen im ostsächsischen Hoyerswerda auf einmal an Fahrt. Das liegt nicht an Urban, sondern an Lutz Bachmann. Der Pegida-Gründer taucht überraschend mit seinem Vize im Pegida-Organisationsteam, Siegfried Daebritz, auf der Gästetribüne des Parteitags auf. Macht Selfies, hält Hof. Das sind die Bilder, auf die ein großer Teil der AfD-Basis gewartet hat: Der Schulterschluss zwischen AfD und Pegida ist zum Greifen nah.

Bachmann spricht nicht mit der Presse. Dafür redet Urban, der ihn und Daebritz persönlich begrüßt. Der frischgewählte Landesvorstand werde sich dafür einsetzen, dass das Kooperationsverbot mit Pegida falle, sagt er: "Wir im Osten wissen, was Pegida ist, wer da auf der Straße ist und was für Leute das sind."

AfD und Pegida: Viel war vor diesem Parteitag darüber geschrieben worden, dass die Anti-Islam-Bewegung und die Partei gemeinsame Sache machen könnten. AfD-Spitzenleute hatten die Debatte befeuert, weil sie eine engere Zusammenarbeit nicht ausschlossen, sondern dafür warben. Urban hatte sich in diesem Sinne positioniert und auch Siegbert Droese, der bis Sonntag die Partei kommissarisch führte.

In Hoyerswerda bleibt das Ansinnen allerdings zunächst Theorie. Von der Bühne des "Seenland Bowling und Eventhouse" sind derartige Töne nicht zu hören. Stattdessen sonnt sich die AfD in ihrem Erfolg bei der vergangenen Bundestagswahl, als sie mit 27 Prozent in Sachsen stärkste Kraft wurde. "Wir haben die besten Voraussetzungen zum Durchstarten", sagt Urban. Sachsen könnte das erste von der AfD regierte Bundesland werden: "Das Herz der AfD schlägt in Sachsen."

Aber mit welcher Strategie die AfD 2019 erneut die meisten Stimmen im Freistaat gewinnen will, lässt Urban offen. Der 53-Jährige wirbt nur für eine geschlossene Partei. Soziale, Konservative und Liberale müssten in der Alternative für Deutschland zusammenarbeiten. Er selbst stehe für keine Strömung in der Partei, sagt er später. Dennoch gilt der Wasserbau-Ingenieur aus Dresden als Sympathisant des rechtsnationalen Flügels.

Welches Lager in der sächsischen Alternative für Deutschland mittlerweile den Ton angibt, ist auf dem Parteitag aber mit Händen zu greifen. Die Wahl von Jens Maier ins Landesschiedsgericht wird mit riesigem Applaus begrüßt. Der Bundestagsabgeordnete hat ein Faible für rechtspopulistische und provokante Äußerungen. Und als der sachsen-anhaltische Landeschef, André Poggenburg, bei seiner Stippvisite in Hoyerswerda Grüße vom thüringischen Landeschef und Rechtsaußen Björn Höcke ausrichtet, gibt es laute "Höcke, Höcke!"-Rufe im Publikum.

Offiziell wird über die Öffnung zu Pegida gleichwohl nicht abgestimmt. Auch einen Antrag, dass sich die Parteiführung auf Bundesebene für ein Aufweichen der Unvereinbarkeitsliste einsetzen soll, zieht der Bundestagsabgeordnete Detlev Spangenberg zurück. Er hatte unter anderem Überläufer aus der Identitären Bewegung in die AfD aufnehmen wollen. Die Personalien des Parteitags sind zu diesem Zeitpunkt fast schon Nebensache. Dabei hatte im Vorfeld keiner damit gerechnet, dass Siegbert Droese aus Leipzig auf eine Kandidatur um den Parteivorsitz verzichten würde. Er ist nun erster Stellvertreter Urbans. Die Wahl des Freitalers Jan Zwerg zum neuen Generalsekretär war dagegen ausgemachte Sache.

Am Ende bleibt vom Hoyerswerdaer Treffen der Bachmann-Besuch. Das dürfte vielen AfD-lern genügen.

 
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25
Kommentare
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  • 09.02.2018
    10:49 Uhr

    aussaugerges: Die Groko hat nur Tag und Nacht um Macht und Geld geschachert.

    0 2
     
  • 09.02.2018
    08:17 Uhr

    Blackadder: "BlackSheep: @tbaukhage, geht es bei Leuten die in der Öffentlichkeit stehen um Ihre Vergangenheit oder um die Aussagen die Sie treffen"

    Wenn mir ein vorbestrafter Koksdealer und Unterhaltsverweigerer erzählen will, dass alle Flüchtlinge kriminell sind, entbehrt das schon nicht einer gewissen Ironie.

    3 1
     
  • 08.02.2018
    21:55 Uhr

    tbaukhage: @1953: Bitte nochmal nachlesen, wer hier Biermann, Bohley, Popp und (ganz neu) Lengsfeld ins Spiel brachte. Tip: Ich war's nicht!

    1 3
     
  • 08.02.2018
    21:52 Uhr

    tbaukhage: Die Interessierte brachte namentlich den famosen Herrn Bachmann ins Spiel. Und dieser ist nunmal ein verurteilter Straftäter, Schläger, Dieb, Drogenhändler, Volksverhetzer und Unterhalthinterzieher...

    1 3
     
  • 08.02.2018
    21:11 Uhr

    SimpleMan: @BlackSheep " ...um Ihre Vergangenheit oder um die Aussagen die Sie treffen? " Ich würde mal sagen, Bachmann hat aus seiner Vergangenheit nichts gelernt. Aber gern können Sie mich mit einer Aussage von Bachmann konfrontieren, die sie gut finden.

    2 3
     

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