... und dann kam Lutz Bachmann

Der Pegida-Gründer stattet dem AfD-Parteitag in Hoyerswerda einen Besuch ab. Die Wahl der neuen Parteispitze wird so zur Nebensache.

Hoyerswerda.

Jörg Urban ist nicht einmal drei Stunden frisch gewählter Vorsitzender der sächsischen AfD, als er merken muss, wie kurzlebig die Aufmerksamkeit im politischen Geschäft sein kann. Der Parteitag plätschert bis zu diesem Zeitpunkt vor sich hin. Beobachter haben Mühe, überhaupt so etwas wie eine Botschaft auszumachen, die die AfD knapp anderthalb Jahre vor der nächsten Landtagswahl aussenden will. Da gewinnt das Zusammentreffen im ostsächsischen Hoyerswerda auf einmal an Fahrt. Das liegt nicht an Urban, sondern an Lutz Bachmann. Der Pegida-Gründer taucht überraschend mit seinem Vize im Pegida-Organisationsteam, Siegfried Daebritz, auf der Gästetribüne des Parteitags auf. Macht Selfies, hält Hof. Das sind die Bilder, auf die ein großer Teil der AfD-Basis gewartet hat: Der Schulterschluss zwischen AfD und Pegida ist zum Greifen nah.

Bachmann spricht nicht mit der Presse. Dafür redet Urban, der ihn und Daebritz persönlich begrüßt. Der frischgewählte Landesvorstand werde sich dafür einsetzen, dass das Kooperationsverbot mit Pegida falle, sagt er: "Wir im Osten wissen, was Pegida ist, wer da auf der Straße ist und was für Leute das sind."

AfD und Pegida: Viel war vor diesem Parteitag darüber geschrieben worden, dass die Anti-Islam-Bewegung und die Partei gemeinsame Sache machen könnten. AfD-Spitzenleute hatten die Debatte befeuert, weil sie eine engere Zusammenarbeit nicht ausschlossen, sondern dafür warben. Urban hatte sich in diesem Sinne positioniert und auch Siegbert Droese, der bis Sonntag die Partei kommissarisch führte.

In Hoyerswerda bleibt das Ansinnen allerdings zunächst Theorie. Von der Bühne des "Seenland Bowling und Eventhouse" sind derartige Töne nicht zu hören. Stattdessen sonnt sich die AfD in ihrem Erfolg bei der vergangenen Bundestagswahl, als sie mit 27 Prozent in Sachsen stärkste Kraft wurde. "Wir haben die besten Voraussetzungen zum Durchstarten", sagt Urban. Sachsen könnte das erste von der AfD regierte Bundesland werden: "Das Herz der AfD schlägt in Sachsen."

Aber mit welcher Strategie die AfD 2019 erneut die meisten Stimmen im Freistaat gewinnen will, lässt Urban offen. Der 53-Jährige wirbt nur für eine geschlossene Partei. Soziale, Konservative und Liberale müssten in der Alternative für Deutschland zusammenarbeiten. Er selbst stehe für keine Strömung in der Partei, sagt er später. Dennoch gilt der Wasserbau-Ingenieur aus Dresden als Sympathisant des rechtsnationalen Flügels.

Welches Lager in der sächsischen Alternative für Deutschland mittlerweile den Ton angibt, ist auf dem Parteitag aber mit Händen zu greifen. Die Wahl von Jens Maier ins Landesschiedsgericht wird mit riesigem Applaus begrüßt. Der Bundestagsabgeordnete hat ein Faible für rechtspopulistische und provokante Äußerungen. Und als der sachsen-anhaltische Landeschef, André Poggenburg, bei seiner Stippvisite in Hoyerswerda Grüße vom thüringischen Landeschef und Rechtsaußen Björn Höcke ausrichtet, gibt es laute "Höcke, Höcke!"-Rufe im Publikum.

Offiziell wird über die Öffnung zu Pegida gleichwohl nicht abgestimmt. Auch einen Antrag, dass sich die Parteiführung auf Bundesebene für ein Aufweichen der Unvereinbarkeitsliste einsetzen soll, zieht der Bundestagsabgeordnete Detlev Spangenberg zurück. Er hatte unter anderem Überläufer aus der Identitären Bewegung in die AfD aufnehmen wollen. Die Personalien des Parteitags sind zu diesem Zeitpunkt fast schon Nebensache. Dabei hatte im Vorfeld keiner damit gerechnet, dass Siegbert Droese aus Leipzig auf eine Kandidatur um den Parteivorsitz verzichten würde. Er ist nun erster Stellvertreter Urbans. Die Wahl des Freitalers Jan Zwerg zum neuen Generalsekretär war dagegen ausgemachte Sache.

Am Ende bleibt vom Hoyerswerdaer Treffen der Bachmann-Besuch. Das dürfte vielen AfD-lern genügen.

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27Kommentare
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  • 2
    0
    Täglichleser
    06.03.2018

    Was meinst Du Interessierte? Kann ihren vorhergehenden Beitrg auch nicht verstehen.
    Es wäre interessant, wenn in den Beiträgen
    Klartext gesprochen wird. Wenn man weiss, welche
    Meinung zum Artikel vorliegt.

  • 1
    4
    Interessierte
    06.03.2018

    Da gewinnt das Zusammentreffen im ´ostsächsischen` Hoyerswerda auf einmal an Fahrt ...
    Wir im ´Osten` wissen, was Pegida ist, wer da auf der Straße ist und was für Leute das sind."
    ´Sachsen` könnte das erste von der AfD regierte Bundesland werden:
    "Das Herz der AfD schlägt in Sachsen."

    Vielleicht ist / wird die AfD auch die Partei der Atheisten ...

  • 3
    2
    aussaugerges
    09.02.2018

    Die Groko hat nur Tag und Nacht um Macht und Geld geschachert.

  • 3
    4
    Blackadder
    09.02.2018

    "BlackSheep: @tbaukhage, geht es bei Leuten die in der Öffentlichkeit stehen um Ihre Vergangenheit oder um die Aussagen die Sie treffen"

    Wenn mir ein vorbestrafter Koksdealer und Unterhaltsverweigerer erzählen will, dass alle Flüchtlinge kriminell sind, entbehrt das schon nicht einer gewissen Ironie.

  • 4
    1
    tbaukhage
    08.02.2018

    @1953: Bitte nochmal nachlesen, wer hier Biermann, Bohley, Popp und (ganz neu) Lengsfeld ins Spiel brachte. Tip: Ich war's nicht!

  • 4
    1
    tbaukhage
    08.02.2018

    Die Interessierte brachte namentlich den famosen Herrn Bachmann ins Spiel. Und dieser ist nunmal ein verurteilter Straftäter, Schläger, Dieb, Drogenhändler, Volksverhetzer und Unterhalthinterzieher...

  • 4
    2
    SimpleMan
    08.02.2018

    @BlackSheep " ...um Ihre Vergangenheit oder um die Aussagen die Sie treffen? " Ich würde mal sagen, Bachmann hat aus seiner Vergangenheit nichts gelernt. Aber gern können Sie mich mit einer Aussage von Bachmann konfrontieren, die sie gut finden.

  • 3
    3
    BlackSheep
    08.02.2018

    @tbaukhage, geht es bei Leuten die in der Öffentlichkeit stehen um Ihre Vergangenheit oder um die Aussagen die Sie treffen?

  • 4
    5
    1953866
    08.02.2018

    @tbaukhage, "Volksverhetzer", die Nummer von 2014/15 zieht schon lange nicht mehr. Davon abgesehen, wie viele Vorbestrafte, die politisch andere Ansichten vertreten, darf ich Ihnen präsentieren? Und weil Sie schon Biermann, Bohley und Popp ins Gespräch bringen, empfehle ich Vera Lengsfeld. Ich vermute aber, das wird Ihnen nicht so gefallen.

  • 5
    4
    tbaukhage
    08.02.2018

    @Interessierte: Nee, da verwechselst Du was. Biermann, Bohley und Popp waren keine verurteilten Straftäter, Schläger, Diebe, Drogenhändler, Volksverhetzer oder Unterhalthinterzieher...

  • 4
    6
    Interessierte
    08.02.2018

    Dieser Bachmann und Pegida - das ist doch nichts anderes als damals in der DDR der Jahn ? und die Opposition ( wie Biermann und Bohley und Popp und Co. ) , welche sich damals nur nicht auf der Straße , sondern heimlich in den Kirchen versammelt hat ...
    Und dann sind die mit dem Plakat auf die Straße :
    ^Pressefreiheit - die Kirche^

    Und heute versammeln sich die Atheisten und Christen schon wieder in der Kirche , das wäre ein passender Ort .?; ich glaube in Verbindung mit den Flüchtlingen und mit Freiberg war das ...

  • 2
    3
    Täglichleser
    07.02.2018

    "BlackSheep" die deutsche
    Regierung könnte durchaus ein Zeichen setzen und auf Rüstungsexporte
    verzichten und andere Staaten dazu auffordern das gleiche zu
    tun. Keine Waffen, kein Krieg. Wie soll es anders gehen. Nur mit Diplomatie. Mit fairen Handel.
    Mit Verzicht und Solidarität. Klingt einfach, naiv.
    Aber anders geht es nicht. Das sollte über unserem allgemeinen Handeln stehen. Unser System tickt aber anders. Profitstreben, Ellbogenmentalitä, Egoismen
    Immer-Sieger-Sein-Wollen, Konsumsucht, ein immer
    Mehr, Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit ohne Rücksicht auf die Natur steht dem im Wege.
    Es gibt immer mehr Verlierer. Dazu gehören halt vor allen afrikanische Staaten und auch asiatische.

  • 5
    4
    BlackSheep
    06.02.2018

    @Täglichleser, ich denke ihre Argumentation ist zu einfach. Zum Beispiel die Waffenexporte, jedes andere Land würde sich freuen wenn Deutschland keine Waffen exportiert und diese Lücke mit Freude füllen, anders gesagt es würde keinen Unterschied machen ob Deutschland Waffen exportiert oder nicht, Kriege würde es weiter geben. Ein Problem im Westen ist das man für jeden Konflikt die Amerikaner verantwortlich macht, die genung Dreck am Stecken haben, dabei aber ignoriert das viele andere Nationen ihre Interessen ebenso mit Kriegen oder Stellvertreterkonflikten verfolgen, diese Denkweise findet man gerade bei den Linken sehr oft. Ich denke schon das der Westen in Afrika viel Schaden angerichtet hat, aber die Kolonialzeit ist vorbei. Wenn man Afrika mit Asien vergleicht dann haben die bestimmt eine vergleichbare Kolonialgeschichte nur fällt auf das viele asiatische Staaten inzwischen trotzdem ein hohes Niveau erreicht haben, warum kaum ein afrikanischer Staat? Würde mich wirklich interessieren was Sie darüber denken.

  • 4
    6
    Täglichleser
    06.02.2018

    "BlackSheep" ich möchte Ihnen nicht von oben kommen. Meine Ausdrucksweise kommt von meiner
    Erschütterung, dass die AfD die stärkste Partei in
    Sachsen geworden ist.
    Aus humanen Gründen hat Merkel erstmal viele Flüchlinge nach Deutschland gelassen. Das war richtig. Vorwürfe gehen von mir an CDU, SPD, FDP und teilweise an die Grünen, weil sie kaum aktive Friedenspolitik betrieben haben. Jugoslawien, Syrien, Türkei. Die Linke hat stets Waffenexporte abgelehnt und gegen Kriegshandlungen gewandt. Kriege und was folgt: Flucht. Eine andere Fluchtursache ist die Armut in vielen Teilen der Welt. Da denke ich an den Spielfilm "Festung Europa. Gleichzeitig 1990 im DDR-Fernsehen und Westfernsehen gezeigt. Entwicklungshelfer in Afrika. Dürre. Ein Afrikaner zu einem Europäer: Ihr seid so reich, weil wir so arm sind.
    Deshalb kommen wir zu euch. An der Grenze zu Europa wurden sie dann mit Maschinengewehrsalven
    niedergemäht. Ist das auch Eure Antwort? Die etablierten Parteien haben diese Verarmung zugelassen als Diener der Konzerne. Das ist wahr.

  • 4
    1
    BlackSheep
    06.02.2018

    @Täglichleser, Freigeist14, wenn ihnen kein Argument mehr einfällt, wird man halt herablassend? Ich dachte immer so schwer ist das nicht, ich kritisiere lieber die, die den Schaden anrichten als die, die nocht nicht einmal in der Verantwortung waren. Sie beweisen bloss wieder das Kurt Tucholsky recht hatte, "Im übrigen gilt ja hier derjenige, der auf den Schmutz hinweist, für viel gefährlicher als der, der den Schmutz macht."

  • 5
    3
    Täglichleser
    06.02.2018

    Freigeist ich schimpfe doch nicht. Das Gesagte sind
    Tatsachen.
    Den zweiten Teil des Kommentars versteh ich nicht.
    Selbsternannte Robyn Hoods? Er meint vielleicht von der AfD-Seite geprägter Begriff "Gutmensch".
    Und das war ja kritisch gemeint. Die sind ja verantwortlich für Chaos auf der Welt, für Kriege und
    Fluchtlingsströme. So wird diskutiert. Traurig. Diese Umkehr. Diese Schlichtheit der Argumente. Und das soll die Alternative sein?

  • 3
    6
    Freigeist14
    05.02.2018

    Täglichleser@jetzt schimpfen Sie doch nicht immer auf die Empörten von AfD & Pegida. Blacksheep versucht doch auch,über die Wurzeln und ehemaligen Parteibiografien der selbsternannten Robin Hoods zu schweigen.

  • 8
    2
    Täglichleser
    05.02.2018

    Nationalismus und Rassismus kann keine Grundlage
    zwischen Ländern, Völkern und Religionen sein.
    Geschweige zum sozialen Ausgleich führen.
    Rassismus und Nationalismus führte und führt zu Hass und Krieg. Und man kann nicht erkennen, dass
    AfD und Pegida das begreifen wollen. Wer mit Galgentransparenten herumläuft und Nazivokabular hantiert. Sie sind eine Gefahr für unsere Demokratie,

  • 7
    8
    BlackSheep
    05.02.2018

    @Täglichleser, wie kann man notorisch über AfD und Pegida maulen und sieht dabei nicht was die jetzigen Verantwortlichen anrichten! Stark steigende Altersarmut, schlechte Bildung, die sich vergrössernde Schere zwischen Arm und Reich in Deutschland, jämerlicher Zustand der Armee und und und. Falls es Ihnen noch nicht aufgefallen ist, die Verantwortung dafür trägt die jetzige Regierung und Ihre Vasallen das müsste Ihnen mal dämmern! Empathie beherscht da auch keiner, wenn ich mein eigenes Volk in die Armut treibe. Sie reden vom "differenziert sehen", wo bleibt das bei Ihnen, wenn Sie über die schimpfen die keine Verantwortung für die jetzigen Zustände tragen und kein Wort über die, die diese Zustände verursacht haben?

  • 5
    5
    Tauchsieder
    05.02.2018

    Stimmt "Blackadder", 100 % Recht, da gibt es ja noch Dresden-Neustadt!

  • 7
    7
    Täglichleser
    05.02.2018

    Es müsste langsam dämmern, den Enttäuschten, Ängstlichen und
    Protestierenden, dass diese Mischung aus AfD und
    Pegida für Deutschland keine Lösung ist. Sie spalten.
    Toleranz, Empathie ein Fremdwort. Wollen wir Krieg oder friedliches Miteinander hier und in der Welt.
    Abkapseln geht nicht. Das Volk als Begriff oft verwandt von den Volksfreunden. Muss man sehr differenziert sehen. Reiche, Arme - Sieger, Verlierer.
    Es ist kein Frieden, wenn es den Nachbarn nicht gut geht. Also wie könnt ihr dem deutschen Volk helfen?

  • 5
    2
    Tauchsieder
    05.02.2018

    Ein Thriller, ein Block-Buster journalistischer Aufklärungsarbeit.
    Und, was jetzt ......?

  • 5
    5
    Täglichleser
    05.02.2018

    Volksfahrräder, Volksfahrräder, Volksfahrräder. Mehr
    kann man zu diesem Thema nicht sagen.

  • 7
    7
    Blackadder
    05.02.2018

    "Dresden ist die sicherste Stadt Deutschlands."

    Nein. Das ist seit Jahren München.

  • 9
    1
    osgar
    05.02.2018

    Ich empfehle dringend einen Kurs an der VHS.

  • 6
    14
    aussaugerges
    05.02.2018

    Ein großes Glück,denn das was Pegida vorausgesagt hat ist zu 1000%
    gekommen.
    Dresden ist die sicherste Stadt Deutschlands.
    In Plauen sind laut FP bestimmt noch nicht mehr wie 1 in Arbeit.
    Aber nur von 10 Uhr bis Mittag,in der Tafel.

  • 14
    13
    mathausmike
    04.02.2018

    Paßt doch gut zusammen:Pegida und AfD!Laßt die letzten Masken fallen!



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