Beschluss: Bahnstrecke nach Marienberg wird wiederbelebt

Es ist ein klares Bekenntnis. Die Mitglieder des Verkehrsverbundes Mittelsachsen stehen geschlossen dahinter, dass die Bergstadt wieder ans Netz angeschlossen wird. Doch es gibt noch viele Fragen.

Marienberg/Pockau.

Auf den Gleisen zwischen Marienberg und Pockau will der Verkehrsverbund Mittelsachsen (VMS) künftig wieder einen regelmäßigen Bahnverkehr anbieten. Bei der Verbandsversammlung am Freitagvormittag sprachen sich die Mitglieder einstimmig für die Reaktivierung der Zugstrecke aus. Bei der Diskussion ging es nicht um einen Zeitplan. Infrastruktur-Bereichsleiter Mathias Korda nannte vielmehr vergleichbare Projekte, Gründe für das Vorhaben und die voraussichtlichen Kosten.

Neben 1,5 Millionen Euro für den künftigen Betrieb der Strecke stellen zunächst einmal die Investitionen eine große Herausforderung dar. Zehn Millionen Euro sind laut Korda nötig, um das Projekt auf die Beine zu stellen. Unter anderem sollen neue Haltepunkte entstehen. Wie diese Summe zu stemmen ist, müsse erst noch geklärt werden. Die Deutsche Bahn als Streckenbetreiber sei ebenso gefordert wie Kommunen und der VMS selbst.

Doch Korda zeigte sich zuversichtlich, dass Gespräche zu einer Lösung führen werden. Schließlich liege allen Beteiligten viel daran, regelmäßige Zugverbindungen zwischen Marienberg und Pockau zu gewährleisten. Nachfragen aus der Bevölkerung zu diesem Angebot hält der Infrastruktur-Bereichsleiter für legitim. Schließlich sei das Erschließungspotenzial vergleichbar mit dem anderer Nebenstrecken. Nicht zuletzt wegen der Nähe zu Tschechien sei auch ohne Knotenpunkt eine gewisse Nachfrage vorhanden.

"Wenn wir eine Lösung für die Finanzierung finden, sind wir natürlich bereit, die Leistung zum Fahrgast zu bringen", betonte Mathias Korda. Dabei sei die geplante Strecke im mittleren Erzgebirge kein Einzelfall. Auch zwischen Narsdorf und Rochlitz, Döbeln und Meißen sowie Holzhau und Moldava sollen Strecken reaktiviert werden. Im Vergleich zu diesen Projekten seien die Planungen zu Pockau-Marienberg aber schon weiter. Korda: "Es sieht ziemlich gut aus." Die Hoffnung, langfristige Verfügbarkeit ebenso zu gewährleisten wie den Stundentakt der Züge, sei groß. Auf einen möglichen Termin für die Inbetriebnahme wollte sich Mathias Korda dennoch nicht festlegen. "Solche Prognosen sind derzeit noch schwierig", meinte er.

Froh über die Entscheidung sind Marienbergs Oberbürgermeister André Heinrich und Pockau-Lengefelds Stadtchef Ingolf Wappler. "Es ist die nächste Etappe", sagte Heinrich. Wichtig sei gewesen, auch Landrat Frank Vogel dafür begeistern zu können, dass die seit mittlerweile sieben Jahren für den Personenverkehr stillgelegte Strecke wiederbelebt wird. Vogel habe auch als Vertreter des Landkreises und Mitglied des VMS die Beschlussvorlage überhaupt erst eingebracht.

"Ich war noch nie bei einer VMS-Versammlung. Es war sehr interessant. Ich bin froh, dass der zuständige Auftraggeber den Grundsatzbeschluss gefasst hat", ergänzte Wappler. Die spannende Frage sei, was als nächstes passieren muss. "Die Finanzierung muss geklärt und das Projekt im Nahverkehrsplan des Erzgebirgskreises verankert werden", betonte der Bürgermeister.

Er und sein Amtskollege Heinrich wollen weiter aktiv mitwirken, um die Rückkehr der Bahn nach Marienberg voranzutreiben. "Für mich ist es eine Verpflichtung. Als Mittelzentrum benötigen wir einen Bahnanschluss", sagte der Oberbürgermeister. Aber das sei noch ein weiter Weg.

55 Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 6
    3
    Zeitungss
    27.06.2020

    Fünf Verkehrsverbünde in Sachsen sind vier zu viel. Herr Dulig (SPD) hat mit seinem Sachsenverbund die Segel gestrichen. Was die bisherigen Einrichtungen an Geld verschlingen, könnte man in Projekte für den ÖPNV umrechnen, denn mit den freiwerdenden Mitteln wäre so manche Strecke wieder zum Leben zu erwecken. Allerdings würden vier hochbezahlte Vorstände incl. Anhang, Landräte und Bürgermeister auf der Strecke bleiben, was keinesfalls geht und deshalb der sächsische Verkehrsminister klein beigeben musste. Diese Gedanken sollte so mancher Betrachter in seine Überlegungen einbeziehen, auch wenn dieses absolut nicht gewünscht ist.

  • 8
    1
    XRayNights
    26.06.2020

    Ein Weiterbau in die Tschechei ist leider nicht mehr möglich - die Schienen sind abgebaut, die Brücke an der Äußeren Annaberger Straße in Marienberg ist zugeschüttet und auf der Trasse wird ein Radweg geplant. Dafür fährt künftig der Bus aus Chomutov nach Marienberg inkl. Fahradanhänger und man kann direkt an der neuen Endhaltestelle am Edekamarkt umsteigen.

  • 7
    2
    fnor
    26.06.2020

    Die Streckengeschwindigkeit ist schon ok, solang es nicht zum Chemnitzer Modell umgebaut wird. Denn dann zuckelt eine Straßenbahn übers Gleis. Wichtiger ist, dass man den Zug erreicht. Busanbindungen an den Haltepunkten sind wichtig. So sind die Parkplätze am Schwarzwassertal jedes Wochenende übervoll. Hier gäbe es sicher viele Fahrgäste abzugreifen. Nur ist der Bahnhof eben vom Wandergebiet recht weit entfernt. Die Verlängerung nach Reitzenhain oder Tschechien würde der Strecke weiteren Zulauf bringen. Neben dem Bekenntnis zur Strecke, was bereits toll ist, muss jetzt nur noch die Umsetzung kommen.

  • 7
    2
    XRayNights
    26.06.2020

    In was will man zehn Millionen Euro an Investitionen stecken. Die Strecke ist dank der Bundeswehr in einem Top Zustand und die 3 neuen Haltepunkte in Pockau (Marienberger Strasse), Rittersberg und in Marienberg (Gymnasium/Polizei) können doch nicht 10 Millionen kosten.

  • 6
    0
    Drehmann
    26.06.2020

    Eine sehr gute Entscheidung! Jetzt muss aber auch die Streckengeschwindigkeit stark erhöht werden um eine akzeptable Reisezeit zu erzielen.