An die Chemnitzer City geglaubt

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Innenstadt-Investor Dieter Füsslein spricht im Interview auch über die Galerie Roter Turm: "Entweder Sachsenbau übernimmt, oder es geht alles wieder von vorne los".

Ein Essay zu 30 Jahren Innenstadt-Entwicklung von Jens Kassner ist am 23. September in der "Freien Presse" erschienen. Die streitbaren Thesen des Textes haben Dieter Füsslein, der als Sachsenbau-Chef an der Entwicklung beteiligt war, zu einer Reaktion veranlasst. Kassner hat mit Füsslein über seine Sicht auf die damaligen Probleme gesprochen.

Warum war in Chemnitz nach 1990 der Prozess der Innenstadt-Umgestaltung so problematisch? Warum dauerte es fast ein Jahrzehnt, bis etwas passierte?

Das hatte mehrere Gründe. Ein ganz wichtiger war, dass wir eine unterdurchschnittliche Kaufkraft hatten und auf der anderen Seite einen überdurchschnittlichen Besatz an Einzelhandelsflächen inklusive der Deformierung der Siedlungsstruktur durch die Handelsansiedlungen von Chemnitz-Center bis Sachsenallee.

Zweitens hielten die damaligen Städteplaner an einer Blockrandbebauung fest. Die Schuhmeile sollte stehen bleiben, zwischen Schuhmeile und Stadthalle drei Blöcke. Das ging nicht auf.

Drittens hatte man über Jahre in ECE große Hoffnungen gesetzt, die Immobilienentwickler, die jetzt die Sachsenallee managen. Dann auf Holzmann. Ein klares Ziel - wir stabilisieren die Innenstadt, und das hat höchste Priorität - gab es in der Stadtplanung damals nicht. Wechselnde Baudezernenten kamen mit immer neuen Ideen. Das hat das alles verzögert.

Sehen Sie es als einen Fehler an, dass man erst einmal einen Prozess der Planung angeschoben hat stt gleich Investoren zum Zuge kommen zu lassen?

Nein, mit Sicherheit ist es notwendig, dass man bei dem damaligen Zustand der Innenstadt über das richtige Planungskonzept streitet. Worauf ich sehr stolz bin, ist, dass der jetzige Rahmenplan, also Kaufhof, Galerie mit dem Wall und so weiter ein Sachsenbau-Konzept ist. Wenn wir die Schuhmeile hätten stehen lassen, mit der Trennung zur Klosterstraße, da wäre Chemnitz immer Karl-Marx-Stadt geblieben.

Als sich praktisch alle anderen Investoren zurückgezogen hatten, riskierten Sie den Bau der Galerie Roter Turm in einer schwierigen Situation. Was war Ihr Antrieb? Sie hätten doch auch ruhiger leben können.

Absolut. Als ich aus der Arbeitsgemeinschaft mit Holzmann und Amec ausgetreten bin, habe ich meinen Firmensitz nach Dresden verlegt und mich damals um das Cosel-Palais beworben - der Leitbau zur Wiedererrichtung des Neumarktes in Dresden. Mit dem Cosel-Palais kam die Diskussion über die Wiederaufbauphase des Neumarktes, wie wir ihn heute kennen, in Gang. Ich gehörte zu den Initiatoren des historischen Wiederaufbaus. Ich hatte damals in Dresden alle Hände voll zu tun. Da rief mich abends so gegen 18 Uhr Peter Seifert an, der damalige OB, ob ich mal ins Rathaus kommen könne. Ich habe mich auf den Weg gemacht, war so 19.30 Uhr bei ihm, da hat er mir eröffnet, dass Holzmann zurückgetreten sei, und dass es jetzt im Grunde genommen nur zwei Varianten gibt. Die Sachsenbau übernimmt, oder es geht alles wieder von vorne los. Mit neuer Ausschreibung, neuer Planung und so weiter. In dieser Situation habe ich mich bereit erklärt, einzuspringen. Übrigens mit der Verpflichtung, eine Fünf-Millionen-Bürgschaft zu hinterlegen, um einen Anhandgabevertrag zu erhalten. Übrigens eine Bürgschaft auf erste Anforderung, das ist inzwischen gesetzlich sogar verboten, die Stadt Chemnitz hat es damals verlangt und diese Bürgschaft auch erhalten. Es war die Absicht, zunächst den Kaufhof zu bauen, danach die Galerie, weil das logistisch besser gewesen wäre. Dann gab es eine Einladung in Köln zum Vorstand des Kaufhofes. Er begrüßte mich mit der Frage: Was wollen Sie zuerst hören, die gute oder sie schlechte Nachricht? Da habe ich gesagt, das überlasse ich Ihnen. Er hat gesagt: Die gute Nachricht ist, wir übernehmen das Helmut-Jahn-Konzept, die schlechte Nachricht ist: Wir bauen genau dann, wenn Sie 70 Prozent vermietet haben in der Galerie. Dann musste ich innerhalb von drei Monaten von der Baugenehmigung des Kaufhofes zusätzlich die Baugenehmigung für die Galerie einreichen und alles darauf setzen. Über die Vermietung der Galerie kann ich ein Buch schreiben:50 Läden vermieten wollen in Chemnitz in einer Situation, wo der Einzelhandel überdimensioniert ist. Damals bin ich täglich unterwegs gewesen, um mit den wichtigsten Mietern zu sprechen. Wir haben damals ein virtuelles Stadtmodell entwickelt. Mit diesen Stadtmodellen war ich bei der Douglas-Gruppe, C&A, H&M, Sport-Scheck in den Vorständen, habe das vorgestellt und sie versucht zu gewinnen. Zum Beispiel mit C&A hatte ich einen Vorvertrag, dann haben sie ein Angebot bekommen von der ECE in der Sachsenallee einzumieten, sind sie in die Sachsenallee gegangen und haben bei der Galerie Roter Turm gesagt: Brauchen wir nicht mehr. Wir haben jetzt zwei Standorte - Röhrsdorf und Sachsenallee. Das ist alles so irrsinnig schwierig gewesen, diese Vermietung voranzubringen.

Sie hatten in den 1990er Jahren enge Kontakte zum damaligen Oberbürgermeister Peter Seifert. Nun hat aber Seifert die Entwicklung der großen Einkaufszentren, die Sie kritisieren, vorangetrieben.

Wenn Sie Dr. Seifert als Retter der City hinstellen, muss man das relativieren. Ich sag mal ein Beispiel, oder eine Episode. Ich saß mit einem namhaften Banker, Vorstand einer großen deutschen Bank, zusammen. Dieser Bankvorstand hat zu mir gesagt: Dr. Füsslein, Sie hängen Illusionen hinterher. Sie sind ein Fantast. Sie sind der Einzige in Chemnitz, der an die City glaubt. Meine Antwort war: Stimmt nicht, ich kenne mindestens noch einen Zweiten. Wer soll denn das sein? Das ist Peter Seifert, der OB. Da hat er mir geantwortet: Der gehört nicht dazu. Herr Dr. Seifert hat heute genehmigt, dass Röhrsdorf von 60.000 auf 97.000 Quadratmeter erweitert werden kann. Mitten in der Bauphase der Galerie Roter Turm wurde Röhrsdorf die Erweiterung um fast 30.000 Quadratmeter gegeben. Ich habe dann auf dem Rückweg mit Peter Seifert telefoniert. Er hat mich beruhigt, hat gesagt: Ja, da wird ein Möbelhaus gebaut, das sind doch keine City-Sortimente. Ich sagte. Das sind keine City-Sortimente, das stabilisiert die Frequenz in Röhrsdorf und nimmt uns die Frequenz in der Innenstadt weg. Das ist die Konsequenz, so hat man das eben von außen betrachtet.

Bei der Galerie Roter Turm ist aus meiner Sicht das Hauptproblem, dass es eine Shopping Mall ist mitten in der Innenstadt, welche der Stadt ihre Rückseiten zukehrt. Man sieht die Rückseiten, die kaschiert wurden. Guckt man sich aber die Entwicklung der Planungen an, dann gab es ursprünglich eine kleinteiligere Lösung, wo noch kleine Straßen durchgehen. Warum hat man das immer weiter zum Superkomplex zusammengefügt?

Die ursprüngliche Planung der Galerie sieht eine großzügige Öffnung zum Roten Turm vor gegenüber dem heutigen Zustand. Wenn Sie zum Nikolaitor reingehen, konnten Sie durchschauen zum Roten Turm und treten dort raus. Das hat sich aus Sicht der Betreiber, der späteren Eigentümer dann nicht so realisiert, man hat daraus zusätzliche Handelsfläche gemacht, was ich eigentlich bedauere. Ich bedauere auch, dass man nach außen, also die Schaufenster, die ganze Wirkung nach außen nicht besser darstellt als heute. Das kann man aber heute auch noch ändern. Es ist allerdings so. Wenn Sie mal die Shopping Mall in Röhrsdorf, die niemand kritisiert, oder sie Sachsenallee, die niemand kritisiert, etwas entgegen stellen wollen, handelsmäßig, wo Sie Vermieter brauchen, die machen Umsätze, und über diese Umsätze wird das Investment finanziert, dann können Sie nicht eine Klosterstraße mit vielen kleinen Geschäften dem allein gegenüberstellen, sondern man braucht eben auch 30.000 Quadratmeter Handelsfläche, was immer noch wenig ist gegen den 100.000, die wir in Röhrsdorf haben, den knapp 80.000, die wir im Neefepark haben.

Ich habe mich damals sehr mit Stadtgalerien beschäftigt. Ein Beispiel ist die Galeria Emanuele in Mailand. Ich habe mehrere Stadtgalerien besucht, die ich praktisch zum Vorbild genommen habe. Zuvor hatte ich das Buch "Die Axt an die City" von Walter Brune gelesen. Das war ja damals ein Aufschrei bei den Entwicklern von Einkaufszentren am Rande der Städte. Über diese Veröffentlichung bin ich auf Walter Brune zugegangen und habe gesagt: Können Sie mich unterstützen? Weil ich die Handelserfahrung nicht mitgebracht habe. Die musste ich mir mühselig anlernen. Wenn Sie was vermieten wollen, kommen Sie mit den Gesichtspunkten der Mieter in Kontakt und lernen kennen, wie die ticken.

Die Galerie Roter Turm sollte eigentlich dort, wo der flache Teil ist, die Bibliothek enthalten. Der Anhandgabevertrag mit der Stadt Chemnitz berechtigte die Sachsenbau in die Galerie die Bibliothek einzubeziehen, die Stadtbibliothek. Darauf habe ich dann verzichtet, damit das Tietz-Gebäude auch entwickelt werden kann. Was heißt verzichtet? Ich wurde vor die Tatsache gestellt, dass es eben so nicht geht, dass man das dafür braucht und dass ich darauf keinen Anspruch habe. Das war eine neue Situation, die es bei mir im Rahmen der Liquidität gegeben hat. Im Interesse der Gesamtentwicklung habe ich verzichtet. Als wir 70 Prozent Galerie-Vermietung hatten, hat Kaufhof gesagt: Okay, jetzt investieren wir auch. Das war auch noch die letzte Minute für den Kaufhof, weil er parallel dazu in Leipzig das Kaufhof-Projekt verwirklicht hat, und dass beide Projekte parallel aus Sicht der Kaufhof AG nur Sinn machten. Ein Jahr später, zwei Jahre später wäre es mit Kaufhof in Chemnitz nichts geworden. Aber stellen Sie sich mal Chemnitz ohne ein Kaufhaus vor.

Sie haben sowohl Helmut Jahn als auch Hans Kollhoff zu einer Zusammenarbeit gewinnen können, zwei Architekten mit direkt gegensätzlichen architektonischen Standpunkten. Welche Architektur halten Sie persönlich für die Chemnitzer Innenstadt für angemessen?

Ich habe beide Architekten kennengelernt, und beide - den Traditionalisten und den Modernisten - schätzen gelernt. Und ich hatte bis zum Tod mit Helmut Jahn und habe bis heute mit Kollhoff freundschaftliche Beziehungen. Ich schätze eigentlich beide.

Auf die Galerie bezogen: Stellen Sie sich mal vor, die Galerie Roter Turm wäre wie alle anderen dieser Stadt, was Sie übrigens nicht kritisieren, mit 24 cm Styropor verdämmt worden. Die Terrakottafassade kostet 15 Prozent mehr Investment als eine Styroporfassade, wo Sie ranklopfen und denken, Sie haben einen Vogelbauer vor sich. Die Fassade hat bis zu 1000 verschiedene Formen. Es gibt heute nur noch eine Ziegelei im Bayrischen, die Terrakottasteine brennt. Ich halte das alleine für einen großen Gewinn. Es ist mir damals gar nicht leicht gefallen, auf die Kollhoff-Fassade inklusive Terrakotta umzusteigen. Aber ich bin noch heute stolz, dass wir da kein Styropor genommen haben. Wie ich am Moritzhof kein Styropor habe, sondern eine Kunststeinfassade oder am Kaufhof eben Glas statt Styropor. Im Grunde genommen Sondermüll. Eine zwölf Zentimeter dicke Betonwand und obendrauf noch 27, 37, 47 Zentimeter Styropor, was ist das für eine Architektur? Deswegen glaube ich, dass die Fassade aus Terrakotta, ein Gewinn ist.

Beide habe ich in Berlin kennengelernt. Helmut Jahn am Potsdamer Platz. Ich habe mir damals viele Baustellen - Stuttgart 21, Potsdamer Platz Berlin usw. - persönlich angesehen, um für Chemnitz Erfahrungen zu sammeln. Dort habe ich diese Spannung zwischen Kollhoff und Jahn kennengelernt. Dann habe ich versucht, beide Architekten nach Chemnitz zu holen. Beides war nicht ganz einfach. Jahn habe ich in den Zug gesteckt, gesagt: Wir fahren nach Sachsen, ich brauche Sie. Und in Chemnitz haben wir ihn rausgelassen. Und dann ist er aus der Bahn ausgestiegen: Chemnitz? Liegt das nicht in Tschechien? Dann bin ich mit ihm auf die Rathaustreppen und dann hat er angefangen zu skizzieren, und genau das, was er skizziert hat, so ähnlich ist es dann am Schluss auch geworden. Wunderbare Zusammenarbeit! Übrigens mit neuester Haustechnik. Beim Kaufhof kommt die Wärme unten rein, die wird nicht oben reingeblasen durch die Decke. Die kommt unten aus den Säulen, wird am Körper erwärmt und zieht oben automatisch ab. Radoczky, der damalige Haustechnikplaner, der beste, den wir in Deutschland hatten. Überall praktisch auch Neuerungen.

Was uns damals sehr drückte, war die Zeit. Es wurde gleichzeitig die Sachsenallee eröffnet. Es wurde parallel dazu das Vita-Center eröffnet. Ohne Rücksicht, dass man eine City hatte, dass man einen Investor hatte für die City, den man hätte unterstützen müssen, indem man den ganzen Einzelhandelsbesatz ein bisschen bremst. Dass man wenigstens vorübergehend der City Luft verschafft. Vorübergehend wenigstens mal sagt: Zwei, drei Jahre müssen wir jetzt mal ruhig halten. Jetzt müssen wir erst einmal die City aufbauen. Das hat alles nicht stattgefunden.

Aber architektonisch sehen Sie nicht den krassen Widerspruch? Für Sie ist beides gute Architektur?

Für mich ist beides gute Architektur. Für mich ist beides spannend. Für den Bauherren gibt es zwei Möglichkeiten. Die erste Variante sind Architektenwettbewerbe. Das ist heute Gang und Gäbe. Sie finden ja kaum noch private Bauherren. Wo ist denn ein privater Bauherr für große Projekte? Das sind ja meistens Companien, Banken, Immobiliengesellschaften usw. Dann gibt es die zweite Variante, dass der Bauherr, der selbst kein Architekt ist, sagt, ich wähle die besten Architekten, die ich finden kann in dieser Welt für Chemnitz aus. Nun kann man suchen. Und mein Bemühen war es, die besten Architekten, die ich finden kann, für Chemnitz zu gewinnen und zu begeistern. Und das ist mir mit Helmut Jahn, das ist mir mit Hans Kollhoff großartig gelungen. Jetzt kann man sagen, hättest auch andere nehmen können. Wenn Sie die ersten Pläne der Galerie Roter Turm sehen, die wurden von Chapman Taylor Brune gemacht, und was wars? Eine Kiste wie in Röhrsdorf, eine tote Bauecke, hier war eine Säule und dann war hier der Eingang. Und außen war Styropor. Und als ich das gesehen habe, habe ich gesagt, Schluss mit dieser Planung. Und dann habe ich diese Betonecke abgeschnitten, damit hier ein Tor ist. Und warum ist dieses Tor? Weil es in Richtung Stadttor zeigt. Und diese beiden Tore, Nikolaitor - Nikolai von Myra, Solidarität mit den Kindern, Nikolaustag. Oder das Johannistor - Johannis der Täufer, absolute Gerechtigkeit. Das sind doch Symbole, die hier aufgenommen worden sind. Die auch eine Botschaft vermitteln. Johannes der Täufer hat gesagt, wenn du zwei Hemden hast, dann gibst du eins dem Anderen. Und der Bischof hat, damit die ihre Mitgift hatten, Geschenke in Schuhe geschoben. Es gibt heute noch den Nikolaustag.

Ich habe Zweifel, dass Leute heute beim Shopping an so etwas denken, wenn sie durch Nikolai- oder Johannistor durchgehen.

Da haben Sie recht. Aber das Nikolaitor ist heute ein Fotomotiv. Viele, die mit ihrem Besuch hier in Chemnitz sind, lassen sich vor dem Nikolaitor fotografieren.

Ich will noch etwas geraderücken. Sie haben in dem Artikel geschrieben: Die Kommune über die GGG musste Füsslein retten, da er sich übernommen hatte. Das stimmt so nicht. Die Sachsenbau war jederzeit liquide, sonst hätte die GGG keine Bürgschaft übernehmen können. Die Stadt Chemnitz hätte mit den fünf Millionen das Loch wieder zufüllen können, wenn sie es denn gewollt hätte. Der Widerspruch, den es damals gab, bestand darin, dass das Bauen schneller voran ging als die Vermietung. Und die Banken wollen am liebsten ein komplett vermietetes Objekt haben, bis wir zementieren. Das war im Grunde genommen der Widerspruch. OB Seifert und ich waren der Meinung, wir müssen Tempo machen, sonst kriegen wir überhaupt keine Mieter. Und nur zu versprechen, wir bauen mal, macht mal den Mietvertrag, hat bei Holzmann nicht geklappt, hat bei allen Vorgängern nicht geklappt. Es wird also auch bei der Sachsenbau nicht klappen. Die Synchronisierung von Bauen und Vermietung war eigentlich das Hauptproblem. Die Konsequenz für die Sachsenbau wäre gewesen, wir hätten länger, langsamer gebaut. Das wäre überhaupt nicht aufgefallen. Wir hätten bloß den Wettbewerb mit Röhrsdorf, mit Sachsenallee, die zu der Zeit quasi öffneten, verloren. Wir wollten auch nicht aufgeben. Wenn wir langsam bauen, dann fällt vielleicht der Kaufhof wieder weg. Dann kommt P& C auch nicht zum Tragen. Dann kommt die Mittelstandsmeile nicht zum Tragen. Dann verschiebt sich alles und es wird nicht besser. Die wirtschaftliche Situation war ja damals nicht besser, sondern schwieriger geworden. Generell. Die Bauindustrie ist damals massiv den Berg runter gegangen. Ich habe parallel dazu für 80 Millionen in Dresden das Coselpalais und Palais am Georg-Treu-Platz, die Tiefgarage vom Albertinum, gebaut. In aller Ruhe. Und vermietet. Ich hätte die Innenstadt von Chemnitz nicht gebraucht, um die Sachsenbau weiter zu entwickeln. Die Stadt Chemnitz hatte ausreichend Garantien und wir hatten die Finanzierungszusage der Bank. Wenn sie sich nicht regressiver zum Einzelhandel verhalten hätte, wäre das wunderbar durchgegangen. So gab es gewisse Irritationen. Die Stadt Chemnitz hat dann in Ihrem Interesse gesagt, wir glauben an die Stadt Chemnitz, wenn die GGG einsteigt. Das war die Botschaft. Die GGG hatte zugesagt, für zwei Jahre zu bürgen, sie hat neun Monate gebürgt, dann konnte ich das ablösen. Die GGG hat drei Millionen Provision verlangt, die hat sie gekriegt.

Dieter Füsslein

Der Bauunternehmer wurde 1942 in Chemnitz geboren. In Regie seiner 1990 gegründeten Firma Sachsenbau entstanden stadtbildprägende Nachwendebauten wie das Stadtwerke-Haus an der Augustusburger Straße, der Moritzhof mit Sparkasse und Büroquadrant sowie die Galerie "Roter Turm" mit der Kollhoff-Fassade. Füsslein ist FDP-Fraktionsvorsitzender im Stadtrat und Vorsitzender der Sächsischen Hans-Carl-von-Carlowitz Gesellschaft. (fp)

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