Angriff auf jüdisches Lokal: Spur führt in die Nähe von Hamburg

Mehr als ein Jahr ist die Attacke aufs Chemnitzer Restaurant "Schalom" her. In dieser Woche schlugen die Ermittler zu - bei einem rechtsextremen Kader in Niedersachsen.

Chemnitz/Stade.

Über ein Jahr nach dem Angriff auf das jüdische Restaurant "Schalom" in Chemnitz hat die Polizei in Niedersachsen die Wohnung eines Tatverdächtigen durchsucht. Wie das sächsische Landeskriminalamt am Donnerstag mitteilte, steht der 28-jährige Beschuldigte im Verdacht, gemeinsam mit weiteren, noch unbekannten Tätern an dem Angriff beteiligt gewesen zu sein. Darauf deuteten DNA-Spuren hin, die damals am Tatort sichergestellt worden waren.

Die Tat, bei der der Betreiber des Restaurants, Uwe Dziuballa, durch einen Steinwurf an der Schulter verletzt worden war, hatte bundesweit für Aufsehen gesorgt. Sie geschah unmittelbar nach einer Kundgebung mit mehreren tausend Teilnehmern, zu der die in Teilen rechtsextreme Wählervereinigung Pro Chemnitz aufgerufen hatte und für die rechte Fußballhooligans über Internetplattformen bundesweit mobilisiert hatten. Anlass war das Tötungsdelikt an einem 35-jährigen Chemnitzer am Wochenende des Stadtfestes 2018. Die Generalstaatsanwaltschaft Dresden ermittelt zu dem Angriff aufs Restaurant wegen des Verdachts des Landfriedensbruchs und der gefährlichen Körperverletzung.

An der Wohnungsdurchsuchung am Mittwoch im Raum Stade nahe Hamburg seien Polizeibeamte der Sonderkommission Rechtsextremismus des Landeskriminalamtes Sachsens, der Polizeidirektion Chemnitz sowie der niedersächsischen Polizei beteiligt gewesen. Sie hätten den Beschuldigten zwar nicht angetroffen, allerdings seien neben Mobiltelefonen und einem Tablet-Computer auch Sturmhauben sichergestellt worden. Die Gegenstände werden nun näher untersucht, Ergebnisse ausgewertet.

Nach Informationen der "Freien Presse" soll es sich bei dem Beschuldigten um einen Kopf aus dem Kreis rechter Nachwuchskader handeln, der schon sowohl als Aktivist der "Jungen Nationaldemokraten" (Jugendorganisation der NPD) als auch der rechtsextremen Organisation Nationaler Widerstand Tostedt in Erscheinung getreten ist. Letztere Gruppe verstand sich als Teil der Bewegung sogenannter "Autonomer Nationalisten", die nicht nur ihren Namen betreffend ein Verwirrspiel betreibt. Auch bezüglich ihrer Kleidung und Flaggen ähneln Autonome Nationalisten bei Demonstration stark dem sogenannten schwarzen Block Linksautonomer. Ein Zeuge des Geschehens an der Gaststätte "Schalom" hatte der "Freien Presse" auch berichtet, dass die nach der Tat flüchtenden Täter in schwarze oder dunkle Kapuzenshirts gehüllt waren. Aus dem Umfeld des Stader Beschuldigten waren vor Jahren Aktivisten nach Sachsen umgezogen, von denen einige als Mitglieder des sogenannten Rechten Plenums auffällig wurden. Die Gruppe versuchte zeitweise, das Chemnitzer Wohnviertel Sonnenberg zum "Nazi-Kiez" auszurufen. Auch mit einem unaufgeklärten Sprengstoffanschlag auf die Kultureinrichtung "Lokomov" am Fuß des Sonnenbergs brachte man die Gruppe in Verbindung.

Im Zusammenhang mit den Demonstrationen am 26. und 27. August 2018 wurden laut Polizei bislang 78 Beschuldigte verschiedener Straftaten ermittelt. Gegen 19 habe die Generalstaatsanwaltschaft Dresden Anklage erhoben oder Strafbefehle beantragt. Sie seien zu Geldstrafen und in vier Fällen zu Freiheitsstrafen verurteilt worden.

5Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 6
    1
    701726
    13.12.2019

    Ja so ist es das böse rechte Chemnitz , die Medien haben sich überschlagen mit ihren Berichten, berichten diese jetzt auch über die Herkunft der wahren Täter.

  • 8
    1
    d0m1ng023
    13.12.2019

    Jetzt schließt sich endlich der Kreis und man muss das Problem als gesamtdeutsches betrachten und nicht ausschließlich auf Sachsen und Chemnitz beschränken.

  • 19
    11
    Lesemuffel
    12.12.2019

    Und da bestand doch lange Zeit kein Zweifel daran, dass so ein antisemitischer Schuft nur aus dem bösen Chemnitz kommen kann... für die Gruppe der linksgrünen User war das ja sofort ohne Beweise klar.

  • 24
    2
    ChWtr
    12.12.2019

    Rechts- oder Linksextremistische Taten sind unabhängig der Himmelsrichtungen zu verurteilen.

  • 22
    25
    Interessierte
    12.12.2019

    Es ist schon schlimm , wie viele Linke und Rechte aus den Chemnitzer Stadtteilen Stadel und Hamburgl und Münchl und Hanoverl und Stuttgartl kommen ….



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