Continental-Werk in Limbach-Oberfrohna droht Aus

Der Autozulieferer stellt die Fertigung von Dieselinjektoren 2028 ein. Werden bis dahin keine Ersatzprodukte gefunden, wird das Werk geschlossen. 860 Jobs fallen weg.

Limbach-Oberfrohna/Hannover.

Der Trend zu Elektroantrieben in der Autoindustrie fordert offenbar ein erstes großes Opfer in der Zulieferbranche in Sachsen: Continental will das Geschäft mit sogenannten Injektoren für die Einspritztechnik von Dieselmotoren 2028 auslaufen lassen. Gefertigt werden diese hydraulischen Komponenten am Standort Limbach-Oberfrohna. Wie der Konzern mit Sitz in Hannover am Mittwoch mitteilte, sind davon voraussichtlich 860 Arbeitsplätze in der Produktion betroffen. Für die weiteren gut 370 Jobs in dem Werk im Landkreis Zwickau sei "ein Übergang in funktionsnahe Aufgabenfelder vorgesehen", hieß es. Ersatzprodukte, mit denen der Standort weiter betrieben werden kann, gibt es bislang nicht. Nach jetzigem Stand laufe es daher auf eine Standortschließung hinaus, erklärte Continental-Pressesprecher Vincent Charles auf Anfrage der "Freien Presse". Noch sei allerdings nichts endgültig entschieden, so Charles. Er verwies auf Gespräche zwischen Geschäftsführung und Arbeitnehmervertretern, die nun aufgenommen würden und dessen Ergebnis man abwarten müsse.

Der Chemnitzer IG-Metall-Bevollmächtigte Mario John sagte, er sei verärgert und wütend. Man erwarte, dass der Continental-Vorstand dabei helfe, neue Produkte in Limbach-Oberfrohna zu platzieren. Es sei klar, dass etwas getan werden müsse. "Aber wir haben hier alle Kompetenzen - den Platz sowie gute Mitarbeiter und Ingenieure - um morgen weiterzumachen", meinte John. Er hätte "mehr Feingefühl" von der Konzernleitung erwartet. Der Gewerkschafter kündigte an, um jeden Arbeitsplatz zu kämpfen.

Der Oberbürgermeister der Stadt, Jesko Vogel (Freie Wähler), sagte, er hoffe für die Stadt, dass es dem Unternehmen bis 2028 gelinge, neue Geschäftsfelder an dem Standort zu erschließen. Er sei zugleich froh, dass das jetzige Werk bis dahin eine Perspektive habe und die Arbeitsplätze so lange erhalten blieben.

Das Werk gehört seit 2008 zu Continental. Der Konzern hatte das Geschäft einst von Siemens übernommen. Die Standortgeschichte reicht jedoch weiter zurück - sie beginnt mit der Gründung des Werks Bremshydraulik im Jahr 1950. Bis 2016 betrieb Continental auch ein Werk in Stollberg (Erzgebirgskreis). Die Fertigung wurde nach Limbach-Oberfrohna verlagert.

Das sächsische Werk ist einer von insgesamt vier Standorten weltweit, an denen der Konzern Arbeitsplätze und Produktion streichen will. Vorstand und Aufsichtsrat haben demnach am Mittwoch beschlossen, auch in Roding (Bayern), Babenhausen (Hessen), Pisa (Italien) und Newport News (USA) "notwendige Strukturanpassungen zu prüfen". Begründet wurde dies mit dem "beschleunigten Umstieg auf die Zukunftstechnologien der Elektromobilität".

Continental-Vorstandschef Elmar Degenhart sagte, betriebsbedingte Kündigungen sein das "allerletzte Mittel der Wahl". Man könne sie derzeit aber nicht ausschließen. Im Zuge des geplanten Strukturprogramms würden in den kommenden zehn Jahren weltweit voraussichtlich bis zu 20.000 Arbeitsplätze "von Veränderungen" betroffen sein, davon gut 7000 der über 62.000 Arbeitsplätze im Konzern in Deutschland, hieß es.

Bewertung des Artikels: Ø 3.5 Sterne bei 10 Bewertungen
31Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 10
    1
    872889
    27.09.2019

    @Einspruch: Ja, die armen Ossis trifft es nur... Vielleicht haben Sie überlesen, dass Werke im Westen viel früher geschlossen werden sollen. Die Automobilindustrie befindet sich weltweit in einem enormen Strukturwandel. Wer den jetzt verpennt, wird auf der Strecke bleiben. Bei Einspritzdüsen wird die Zukunft mit Sicherheit nicht liegen. Nicht nur aus ökologischen Gründen, sondern auch aus Gründen der schwindenden Ressourcen.

  • 7
    4
    Hinterfragt
    27.09.2019

    "...Der Autozulieferer stellt die Fertigung von Dieselinjektoren 2028 ein. Werden bis dahin keine Ersatzprodukte gefunden, wird das Werk geschlossen....
    @Mathias11; Das hat nichts mit Theater zu tun!

    Es steht nirgends, dass man das Werk nicht auch schon eher dicht machen könnte.
    Wenn die Injektoren keinen ausreichenden Absatz mehr finden, werden die sicherlich nicht auf Halde gefertigt.

  • 11
    4
    Mathias11
    27.09.2019

    Es wird ein Theater gemacht, weil das Werk 2028, also in neun Jahren geschlossen werden soll? Das sind 9 Jahre? Lasst nur mal die Kirche im Dorf. Bis dahin werden Injektoren weiter benötigt und darüber hinaus, weil sich die Elektomobilität nicht durchsetzen wird, sondern weiter auch Dieselautos weiter fahren. Zwickau wird den sinnlosen jetztigen Umbau wieder Rückabwickeln, da sich die jetzigige Idiotie mit den Akkus, Reichweite 330 km bei 30.000,00 € bei VW Anschaffungspreis, keine Ladestationen, keine Infrastruktur dafür unrealisierbar ist.

  • 12
    11
    Einspruch
    26.09.2019

    Das Werk wird schließen! Denn es liegt im Osten und es trifft nur Ossis!
    Ersatzprodukte? Danach sucht doch gar keiner. Man hat die Fördermittel einkassiert beim Bau, die Leiharbeiter mit staatlicher Hilfe finanziert. Den Konzern kostet das ein Ar.... runzeln. So einfach ist das.

  • 7
    8
    Maresch
    26.09.2019

    'Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei'.

  • 8
    7
    juerei
    26.09.2019

    @Interessierte

    Du siehst mich etwas irritiert über deine Worte.
    Was meinst du - sollte man das Volk vor der Demokratie schützen oder die Demokratie vor dem Volk?

  • 9
    18
    Interessierte
    26.09.2019

    Die Entlassungen von 1990 haben sich bis heute beibehalten , was unsere Eltern und wir erlebt haben , das machen die heute mit uns und unseren Kindern immer noch .....

  • 23
    12
    2PLUTO6
    26.09.2019

    Strukturwandel ist noch verharmlosend und milde ausgedrückt. Auf Sachsen kommt in den nächsten Jahren eine Katastrophe zu

  • 22
    5
    Tohuwabohu
    26.09.2019

    Mit der Elektrifizierung des VW-Standortes Zwickau meine ein Bekannter schon, dass Zwickau wohl das "Detroit" Deutschlands werden könnte. Zugegeben, dass größenmäßig dieser Vergleich hinkt, aber zukünftige Arbeitslose aus der Automobil- & Zulieferindustrie in die IT-Branche weiter zu bilden hinkt genauso.

  • 14
    15
    juerei
    26.09.2019

    @Pelz

    Da stellt sich doch die Frage, mit welcher Intention hat der Verfasser des Artikels die Schlagzeile derart scharf formuliert - offensichtlich mit Zustimmung des CvD.
    Jedenfalls ist die rechte Leserschaft für diese Steilvorlage einmal mehr dankbar!

  • 10
    13
    saxon1965
    26.09.2019

    @ Pelz u. a.: Und sie glauben immer noch Alles was in der Zeitung steht?
    Sorry Herr Franke, damit will ich ihr Bemühen um Wahrheit nicht in Abrede stellen. Ich zweifle nur am Wahrheitsgehalt der Aussage von Continental-Pressesprechern, Politikern und anderen Betrügern.

  • 25
    2
    Pelz
    26.09.2019

    Jan Dieter Franke kann sich über viel Aufmerksamkeit seines Artikels freuen. Hätte die Schlagzeile "Continental-Werk in Limbach-Oberfrohna droht in 9 Jahren das Aus" gelautet, wäre dies vermutlich nicht so....

  • 12
    19
    juerei
    26.09.2019

    @Blackadder

    Das interessiert den Mob nicht!

  • 13
    16
    juerei
    26.09.2019

    franzudo2013 meint: ... dabei gäbe es eine bürgerliche Mehrheit in Sachsen.

    franzudo, du kannst Kabarett - sehr gut, weiter so!

  • 18
    17
    Lexisdark
    26.09.2019

    Wer nicht rechtzeitig mit der Zeit geht, kommt unter die Räder. Es wurde in Deutschland in den letzten Jahren so viel verschlafen und schlampig geplant. Mit der Energiewende war es das gleiche, ist alles dank großzügiger Hilfe der Chinesen untergegangen, anstatt die Förderung des Ausbaus an bestimmte Regeln zu binden. Und Donald Trump macht das internationale Geschäft auch nicht leichter. Dann aber Elektrofahrzeugen, Fridays for future und anderen die Schuld zu geben, ist aber der falsche Weg.

  • 20
    5
    Tauchsieder
    26.09.2019

    Da wird es noch viele "Leuchttürme" entlang der Autobahnauffahrten an der A72 oder A4 demnächst treffen.

  • 20
    20
    Blackadder
    26.09.2019

    Hat irgendjemand auch den Artikel gelesen? Vielleicht (!) Schließt das Werk in 9 (!) Jahren, wenn man bis dahin kein Ersatzprodukt findet. Viel Lärm um nichts, liebe FP!

  • 20
    12
    Mike1969
    26.09.2019

    Nun bin ich mal gespannt ob sich hier jemand aus Dresden darum bemüht, dass was positives passiert. Diese Landesregierung hat schon UNION beenden geholfen und nun? Kommt da einer aus dem auf der anderen Seite der Erde liegenden Dresden angerollt? Die SPD interessiert sich doch einen Scheiß für Ihre Wählerschaft - der Arbeiterklasse! Zu mindestens nicht für die Menschen aus Südwestsachsen!

  • 31
    4
    frater1966
    25.09.2019

    Das Werk ist von Anfang an nur auf Zeit konzipiert gewesen. Als das Werk gebaut wurde, war bereits absehbar, das das Produkt, das es herstellen sollte, nur vergleichsweise wenige Jahre benötigt wird. Deshalb wurde doch auch eine Beteiligungsstruktur gewählt, die eine Liquidierung vergleichsweise leicht macht. Das müssen auch Gewerkschaftler gewusst haben, die sich heute wütend geben.

  • 17
    17
    Franziskamarcus
    25.09.2019

    Tja,es geht rapide Bergab.
    Conti:-7000
    Michelinwerk Hallstadt schliesst 2021
    Daimler will schnell 4,2Mrd.einsparen uvm.
    Die Wirtschaft driftet ab.
    https://www.welt.de/wirtschaft/article200862936/Deutsche-Wirtschaft-Oekonomen-schreiben-das-Jahr-2020-schon-ab.html

    https://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/konjunktur-in-deutschland-buerger-stellen-sich-auf-schlechte-zeiten-ein-a-1288232.html

    O-Ton von Vorstandsvorsitzenden Degenhart: »In Deutschland gelten die höchsten Unternehmenssteuern aller OECD-Länder. Hinzu kommen sehr hohe Sozialkosten und die zweithöchsten Energiekosten weltweit.«“

    Komisch Herr Konzernchef Degenhard, ihre Wahlempfehlung von ihnen und ihren Kollegen für die AfD bei den letzen Wahlen muss ich überlesen haben?
    Stattdessen surft ihr Unternehmen auf der grüne Welle mit, wie ich im aktuellen -Interview mit ihrer Quoten – Vorstands – Blondine Ariane Reinhard erkennen kann:

    „Insbesondere die Themen Unternehmenskultur, Frauenanteil, Vielfalt, diverse Teams liegen mir persönlich am Herzen. Da ich tolle Vorstandskollegen habe, die offen für meine Vorschläge sind, kann ich auch neue Dinge ausprobieren.“

    weiter:

    „Bei den Geflüchteten, die bei uns eine Ausbildung machen, ist die Abbrecherquote übrigens genau so niedrig wie bei denen ohne Fluchthintergrund. Da gibt es tolle Erfolgsstorys, viele sind mittlerweile verheiratet, haben Kinder, sind in Sportvereinen. Aktuell machen 21 Geflohene bei uns eine Einstiegsqualifizierung für eine Ausbildung, 33 eine Ausbildung, drei haben bereits eine abgeschlossen.“

    https://www.neuepresse.de/Nachrichten/Wirtschaft/Hannover-Interview-mit-Conti-Vorstandsfrau-Ariane-Reinhart

    Alles ganz toll bei Continantal, deswegen schmeißt sie als Personalchefin auch gleich mal 7000 Leute heraus, vielleicht waren die ja nicht divers genug?

    ja, mit solchen Leuten im Vorstand sollte man sich über hohe Energiekosten oder hohe Lohnnebenkosten nicht beschweren, Herr Degenhard! Der Schwachsinn den Frau Reinhard da verkündet, muss schliesslich von irgendwem finanziert werden, oder?
    Eine grün-bunte-klimafreundliche Gesellschaft sollte uns schon etwas Wert sein, oder?

  • 35
    16
    Vanbrought
    25.09.2019

    Klimahysterie fordert ihre ersten Opfer XD you made my day. Ist jetz echt jmd überrascht das ein Betrieb welcher zum großteil DIESELinjektoren herstellt mittelfristig sehen muss wo er bleibt? Mal ehrlich, jeder Angestellte dort sollte schon längst über Alternativen bzw. Weiterbildung nachgedacht haben. Auch wenn es einige nicht wahr haben wollen, die Erde dreht sich weiter... ich denke es wird auch langfristig arbeit geben wo man den Kopf ausschalten kann und Teil X in Maschine Y einlegt jedoch (ACHTUNG!) sehr wahrscheinlich nicht für Teile von Benzin oder Dieselmotoren. Es bleibt nur zu hoffen das Conti in dieser Branche, welche auch immer, Fuß fassen kann.

  • 18
    19
    Lesemuffel
    25.09.2019

    Die Kinder der Continental - Beschäftigten könnten doch den bekannten Spruch (UN-Klimakonferenz) "How dare you?" an die Bosse in Hannover am Freitag einmal richten?

  • 24
    23
    Lesemuffel
    25.09.2019

    Vielleicht wäre es notwendiger ein Antideindustrialisierungskabinett einzurichten, als sich von Greta vorhertreiben zu lassen? Die roten Daumen kann ich mir nur von denen denken, die nun froh sind, dass künftig mehrere Hundert PKW nicht mehr mit CO2 belasten werden. Rote Daumen, Stolz auf FF-Wirkung.?

  • 30
    26
    Einspruch
    25.09.2019

    Tja, FFF und Klimawandel treffen zuerst die neuen BL. Aber wir werden dann alle wieder in Umschulungen gestopft und sitzen gemeinsam mit Neuankömmlingen in Klasen, wo man das Löten von Windradschaltkreisen lernt. Oder wir blasen dann die
    Windräder an, ähnlich wie unsere Pyramiden.

  • 31
    25
    Malleo
    25.09.2019

    Wo sind bitte die FFF Kommentare?
    Vielleicht trifft es auch einige Eltern derer, die glauben, die Welt retten zu können?
    Es bleibt bei diesem Thema die Erkenntnis, dass Mehrheit (das Berliner Büttenkabinett) nicht über Wahrheit entscheidet, sondern bestenfalls über Geltung!

  • 39
    11
    ArndtBremen
    25.09.2019

    Mir tun die Arbeiterinnen und Arbeiter leid, die ihre Arbeitsplätze unverschuldet verlieren. Ich war vor wenigen Wochen selbst betroffen und habe den Neustart geschafft. Viel Glück den Leuten in LO. Rote Daumen sind bei dem Thema völlig überflüssig.

  • 37
    13
    Freigeist14
    25.09.2019

    Diese Hiobsbotschaft kommt natürlich ungelegen ,wenn zeitgleich der Ostbeauftragte der Regierung seinen Jubelkatalog zum Stand der Deutschen Einheit in der Bütt zum Besten gibt .

  • 40
    40
    franzudo2013
    25.09.2019

    Ein großes Dankeschön an die Grünen. Und mit denen will Herr Kretschmer regieren ? Das ist von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Dabei gäbe es eine bürgerliche Mehrheit in Sachsen.

  • 44
    30
    Tauchsieder
    25.09.2019

    Hier mal in Limbach/Oberfrohna, dort mal bei Powertrain in Stollberg und das ist erst der Anfang. Die Klimahysterie fordert ihre ersten Opfer.

  • 25
    19
    Lesemuffel
    25.09.2019

    Die Digitalisierung und E-Mobilität schafft Arbeitsplätze! Nur in L. O. nicht?

  • 34
    18
    saxon1965
    25.09.2019

    Es beginnt...!



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