Gymnasium Burgstädt: Geheimnisse aus 30 Jahren Schulzeit

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Im Jahr 1992 ist das Gymnasium in Burgstädt eröffnet worden. Zwei junge Frauen und eine Ex- Ministerin erzählen, was das Besondere an ihm ist. Dabei spielt auch ein Kuss eine Rolle.

Burgstädt.

Juliane Tomczak lässt das Burgstädter Gymnasium nicht mehr los: Vor knapp 30 Jahren hat sie dort ihren Mann kennengelernt, vor 25 Jahren ihr Abitur gemacht und seit mehr als 15 Jahren arbeitet sie dort als Ethik- und Deutschlehrerin. Außerdem lernt ihre älteste Tochter Lene in der 8. Klasse.

Lehrerin erinnert sich an einen verhängnisvollen Kuss auf dem Schulgang

"Ich kann mich noch genau erinnern, wie ich meinen Mann auf dem Schulgang geküsst habe", erzählt die 43-Jährige. Damals mussten sie, ihr Freund sowie dessen Eltern vor der Schulleitung antreten. Denn sie war 14, er ein Jahr älter. Juliane Tomczak muss heute lachen. "Wie sich die Zeiten geändert haben..." Dabei denkt sie gern an ihre Schulzeit zurück - nicht nur wegen des Jungen, mit dem sie seither durch dick und dünn geht. "Ich erinnere mich gern an meine Lehrerinnen und Lehrer. Bei Frau Kurth hatte ich beispielsweise Biologieunterricht", sagt die Wittgensdorferin.

Aufgewachsen ist Juliane Tomczak im Fritz-Heckert-Gebiet in Karl-Marx-Stadt, später zog sie mit ihren Eltern nach Wittgensdorf. Mit der siebenten Klasse wechselte sie 1991 aufgrund ihrer guten Noten in eine Leistungsklasse, dem Vorläufer des Gymnasiums. "Eigentlich wollte ich Kunst studieren, hatte mich schon für ein Modedesignstudium angemeldet", sagt sie. Aber eine ungewisse Zukunft in dieser Branche habe sie davon abgeschreckt, sie wählte die Lehrerlaufbahn, auch weil es an Ethiklehrern damals mangelte.

Nach Philosophie- und Germanistikstudium auf Lehramt an der TU Chemnitz wurde sie 2006 Referendarin am Burgstädter Gymnasium. Sie lernte an der Schule einige sehr gute Freundinnen kennen. Unter anderem Kunst- und Englischlehrerin Franka Mehringer, die 2015 der Liebe wegen von Dresden nach Chemnitz gezogen war. "Am Gymnasium Burgstädt traf ich auf engagierte Kolleginnen und Kollegen sowie tolle Schüler", so Mehringer.

Kolleginnen und Freundinnen - das Gymnasium ziehen alle an einem Strang

Die beiden Frauen bauten vor mehr als drei Jahren gemeinsam das künstlerische Profil auf. Sie erzählen begeistert von ihrem Fach, welches jahrgangsübergreifend von der 8. bis zur 10. Klasse stattfindet. "Den Lehrplan haben wir selbst erarbeitet", sagt Franka Mehringer. So sei sie erst diese Woche mit den 26 Teilnehmenden zu Naturstudien in den Wettinhain gegangen. Auch Animationsfilme, eine Mutmacher-Aktion in der Coronazeit und Comics seien entstanden. Eine Vernissage soll es am 10. November geben. Etwa 40 Schülerarbeiten, die im Kunstunterricht und im künstlerischen Profil angefertigt wurden, werden ausgestellt. Zusätzlich tragen Teilnehmende eigene Gedichte vor oder treten musikalisch in Aktion.

"Sicher hat sich im Vergleich zu meiner damaligen Schulzeit vieles verändert. Das Gebäude wurde beispielsweise modernisiert und natürlich hat auch die Digitalisierung Einzug gehalten", fügt Tomczak hinzu. Als sie nach dem Studium an ihre alte Schule zurückkam, habe sie anfangs ein komisches Gefühl gehabt, ehemaligen Lehrern nun als Kollegin gegenüberzustehen, aber das Kollegium habe sie sehr gut aufgenommen. Besonders dankbar sei sie heute ihren damaligen beiden Mentorinnen, die inzwischen in den Ruhestand gegangen sind. "Den Heranwachsenden neben den schulischen Sachinhalten für ihre Zukunft etwas mit auf den Weg zu geben, Werte zu vermitteln, ihnen unterstützend zur Seite zu stehen - das ist mir wichtig", sagt Tomczak.

Mehrere Generationen zusammen an einer Schule - ein Festkonzert zum Jubiläum

Mit ihrem Mann hat sie zwei Kinder - neben Lene noch Lotta, die dieses Jahr in die Grundschule gekommen ist. "Sie freut sich schon jetzt aufs Gymnasium", sagt die Mutter. Ob Lene auch eine Lehrerlaufbahn wie die Mutter und Oma einschlagen werde, sei allerdings ungewiss. Zurzeit träume sie noch von einer Zukunft als Tierärztin.

Mit einem Festkonzert ist am Donnerstag an die Gründung des Gymnasiums vor 30 Jahren erinnert worden. Mit der Wende 1989 veränderte sich auch die Bildungslandschaft. Ab 1990 wurde die EOS verändert: Es gab drei Übergangsklassen in den Klassenstufen 9 und 10. 1991 wurde der Verein zur Bildung und ständigen Förderung eines Gymnasiums in der Stadt Burgstädt gegründet. Dieser Verein forderte, dass die Übergangsklassen zum Gymnasium ausgebaut wurden. Die ersten Abiturzeugnisse wurden 1994 überreicht. Mittlerweile haben mehr als 1700 Schüler das Abitur abgelegt. Zurzeit werden 780 Schüler von 70 Lehrern unterrichtet.

Eine Ex-Kultusministerium übermittelt herzliche Grüße aus der Ferne

Gern erinnert sich auch die erste Schulleiterin Brunhild Kurth an diese Zeit: "Eine kleine Gruppe von engagierten Bürgerinnen und Bürgern hat 1990 die Chance des gesellschaftlichen Umbruchs erkannt und die Initiative ergriffen, auch gegen Widerstände ein Gymnasium in der Stadt Burgstädt zu gründen." Der guten Arbeit der Lehrerinnen und Lehrer sei es zu verdanken gewesen, dass die Schule schnell einen guten Ruf in der Region erlangte. "Heute sehe ich die Existenz des Gymnasiums Burgstädt als Glück für die Entwicklung der Stadt", fügt sie hinzu und wünscht der gesamten Schulgemeinschaft alles Gute für die nächsten 30 Jahre.

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