Künstlergruppe: "Soko Chemnitz" war ein Trick

Wer auf der Denunziations-Webseite des "Zentrums für politische Schönheit" nach seinem Namen suchte, hat sich womöglich selbst identifiziert.

Chemnitz. Das "Zentrum für politische Schönheit" hat die Aktion "Soko Chemnitz" nach eigener Aussage dafür genutzt, um Rechtsextreme auszutricksen und ihr Netzwerk auszuleuchten. Das gaben die Verantwortlichen am Mittwochnachmittag auf der Internetseite der Aktion bekannt. Die Steckbriefe, die bisher dort zu finden waren, sind verschwunden.

Man habe nach monatelanger Recherche zwar 1552 Teilnehmer der rechten Demonstrationen und Ausschreitungen in Chemnitz identifizieren können, aber eben nicht alle, schreibt die Künstlergruppe. Deswegen haben man eine Webseite "mit einem einzigen Ziel" gebaut. "Ihr liefert uns Euer gesamtes Netzwerk selbst aus und zwar ohne es zu merken. Das wichtigste Element dieser Seite: die Suchfunktion", so die Verantwortlichen in Richtung der "lieben Nazis".

Man habe die Seite so konstruiert, dass jedem Besucher nur 20 Profile angezeigt wurden. "Viele von Euch braunen Mobbern haben dann sofort die Suchfunktion genutzt und oftmals zuerst den eigenen Namen gesucht", heißt es in dem Beitrag auf der Internetseite. "Mehr als 62 Prozent der relevanten Besuchergruppe" hätte zudem die Datenbank von "Soko Chemnitz" nach Familienangehörigen durchforstet, "bevor im Schnitt nach 6,72 Freunden oder Bekannten gesucht wurde".

Das "Zentrum für politische Schönheit" bilanziert nun: "Die Suchanfrage förderte nicht nur jede Menge vollständiger Namen zutage, sondern auch Wahrscheinlichkeitswerte: wenn Du uns einen von 1.500 Namen gibst, die wir schon kennen (insbesondere, wenn er nicht ganz so prominent oder gar nicht bekannt ist), dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Du mehr von dem weißt, was wir wissen wollen". Die Internetseite mit ihren Datensätze habe die "einmalige Möglichkeit" geboten, das "Netzwerk Chemnitz" auszuleuchten. "Danke für das vorzeitige Weihnachtsgeschenk!"

Wie das "Zentrum für politische Schönheit" die womöglich gewonnenen Daten nun nutzen will, ist nicht bekannt. Dazu findet sich kein Hinweis in der veröffentlichten Stellungnahme. (kok)

Bewertung des Artikels: Ø 4.3 Sterne bei 10 Bewertungen
18Kommentare
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  • 6
    3
    thomboy
    08.12.2018

    Das ändert nichts daran das es eine Straftat ist und man kann nur hoffen das den ver...n endlich das Handwerk gelegt wird.

  • 5
    4
    Hinterfragt
    07.12.2018

    Da beißt die Maus keinen Faden ab, es war ganz einfach eine Phising-Webseite!

    Und dass das Ganze ein Trick war, geht schon mal nicht auf, denn dafür bräuchte man ja kein Offline-Denunzierungs-Büro in der Innenstadt, denn dort hätte sich sicherlich KEIN Teilnehmer selber "gesucht".

  • 9
    4
    Lesemuffel
    06.12.2018

    Da beisst die Maus keinen Faden ab. Es war eine rechtswidrige, zutiefst verabscheuungswidrige Aktion, die unserer Demokratie einen schlechten Dienst erwiesen hat. Wurde damit der privaten Ermittlung die Tore geöffnet? Oder wird die "Schönheit der Politik" so bestraft, dass es keine Nachahmer geben wird.

  • 26
    5
    saxon1965
    06.12.2018

    "Mehr als 62 Prozent der relevanten Besuchergruppe" hätte zudem die Datenbank von "Soko Chemnitz" nach Familienangehörigen durchforstet, "bevor im Schnitt nach 6,72 Freunden oder Bekannten gesucht wurde".
    UND WOHER WOLLEN DIESE LEUTE DAS WISSEN?
    Wie wollen diese Hobbyermittler überhaupt Nazis und Rechtsextreme von Menschen unterscheiden, die sonst noch bei diesen Demos mitgelaufen sind?
    Ich war zwar nie dabei, aber ich kenne Einige und die passen garantiert nicht in diese Schubladen. Man sollte verdammt auf passen, dass man durch solche Aktionen nicht zum Wasserträger des Systems "teile und herrsche" wird.
    Ich finde diese Aktion jedenfalls sehr daneben, wenn nicht strafbar!

  • 4
    4
    Hinterfragt
    06.12.2018

    @Einspruch; Sie liegen mit Ihrer Einschätzung genau auf dem richtigen Weg.

  • 15
    4
    Hinterfragt
    06.12.2018

    @DTRFC2005; "...die gesamten Daten sichten...."

    Es ändert nichts daran, dass diese Daten illegal zusammengerafft wurden und zum 2. sind die Daten so viel wert, wie das Schwarze unter den Nägeln.
    Wer will wissen, wer und ob derjenige selbst, den Namen gesucht hat?
    Nach meiner Suche tauche da viele "prominente" Mitglieder der Linksfraktion auf ...

  • 17
    5
    Einspruch
    05.12.2018

    @Blackadder: Nichts von beiden, es war meine Einschätzung. Aber alleine bei den Daten, die ich für die Arbeit brauche, muss ich umständlich um Erlaubnis fragen.

  • 10
    16
    Blackadder
    05.12.2018

    @Einspruch: Sind Sie Datenschutzbeauftragter oder Anwalt?

  • 10
    15
    Distelblüte
    05.12.2018

    @DTRFC2005: Sorry, kein roter Daumen von mir. Ich denke mal, die Polizei hat auch deswegen so schnell die Plakate aus dem Ladenlokal entfernt um zu verhindern, dass ein paar besorgten Jungs die Nerven durchgehen, dann die ersten Scheiben zu Bruch gehen und eine erkleckliche Menge empörter Bürger drum herumsteht und im stillen oder laut Beifall klatscht.
    Ob die gesammelten Daten von Behörden genutzt werden, bezweifle ich.
    Es wäre aber gut, wenn sich viele besorgte Bürger einigen ernsthaften Fragen ihrer Nachbarn, Kollegen, Chefs stellen müssten. Und nein, ehe hier wieder ein Sturm im Wasserglas entsteht, es geht nicht um Kriminalisierung. Jeder hat das Recht, sich seine eigene Meinung zu bilden.

  • 20
    16
    Einspruch
    05.12.2018

    Wenn Hobby Ermittler Daten erheben, verstößt das schon mal gegen die DSGVO. Die Ergebnisse dürften vielleicht manche in Erklärungsnot bringen, aber prüfbar und zugelassen ist das sicher nicht. Eigentlich müssten die Daten sofort beschlagnahmt werden, die Verwendung untersagt, eventuelle Opfer von Selbstjustiz anderer Linksradikalen den Aktivisten angerechnet werden, mit juristischen Konsequenzen. Ermitteln ist Aufgabe der dafür zuständigen Behörden, nicht die von Aktivisten, die ihre Ergebnisse wunschgemäß deuten und unkontrolliert verschleudern.
    Wenn ich morgen eine Arzneimittelstudie ohne Doktor verfasse, hat das denselben Qualitätsanspruch.

  • 18
    20
    Distelblüte
    05.12.2018

    Es sind recht viele dem "honeypot", zu deutsch dem Honigtopf auf den Leim gegangen, wenn man nach den aufgeregten Reaktionen hier und im Netz geht. Ich nehme an, dafür war die Aktion auch gedacht. Zum Glück war es nicht echt. Niemand möchte gern am Pranger stehen, sei es im echten Leben oder virtuell.
    In gewisser Weise ist vielen Menschen ein Spiegel vorgehalten worden. Wenn ihnen nicht gefällt, was sie darin sehen, dann liegt es nicht am Spiegel.

  • 13
    18
    DTRFC2005
    05.12.2018

    Das hat sich doch gelohnt. Da die Polizei so schnell eingriff bzw. sich überhaupt mit eingeschaltet hat, darf sie natürlich auch die gesamten Daten sichten. Wenn da mal nicht der ein oder andere der verschollenen mit Haftbefehl gesuchte Rechten ins Netz der Untersuchung rutscht.Ich bitte um ganz viel rote Daumen, das sagt nämlich sehr viel aus.

  • 16
    11
    osgar
    05.12.2018

    @Blackadder war nicht dabei.

  • 20
    13
    Hinterfragt
    05.12.2018

    @Blackadder, Ich ja, habe da mal so paar Suchen nach Mitgliedern den Fraktion "Die Linke" gemacht ...

  • 13
    29
    Blackadder
    05.12.2018

    Na,Oscar? Auch Namen gesucht?

  • 28
    12
    Hinterfragt
    05.12.2018

    P.S.

    War ein "Trick", genau gerade jetzt wo sich Anwälte damit beschäftigen.
    Es ist eher ein Trick, einen Trick daraus machen zu wollen, so wird ein Schuh draus...

  • 25
    16
    Hinterfragt
    05.12.2018

    "...die womöglich gewonnenen Daten nun nutzen will..."
    DSGVO, mehr schreibe ich nicht, dass kann sehr teuer werden und wird es hoffentlich auch!

  • 33
    15
    osgar
    05.12.2018

    Leider darf man ja hier nicht schreiben, was man von diesen Leuten hält.



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