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Sinfonie der Befreiung

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Das Philipp-Rumsch- Ensemble begeistert im Weltecho mit hochkomplexer Musik, die viele Stile vereint und dem Jazz eine neue Farbe hinzufügt.

Da braut sich etwas zusammen. Unterlegt vom wie Herzschläge pochenden Schlagzeug, findet sich das mit zwölf Instrumenten üppig wie eine kleine Big-Band besetzte Philipp-Rumsch-Ensemble in einen sich wiederholenden Rhythmus, der Angst und Beklemmung erzeugt, dem man Auflösung und Befreiung in einem rauschenden Finale wünscht. Doch darauf müssen die die etwa 30 Zuhörerinnen und Zuhörer am Donnerstagabend im Weltecho eine spannende Zeit lang warten.

Drei coronabedingte Anläufe haben das Weltecho und der 1994 in Glauchau geborene Musiker gebraucht, um das Konzert zur neuen Platte des Philipp-Rumsch-Ensembles in der Reihe "All that Jazz" endlich stattfinden zu lassen. Die Freude darüber war Musikerinnen und Musikern wie Publikum anzusehen. Die mit dem griechischen "my" bezeichnete Platte "My: of anxiety x discernment", "über Angst und Einsicht", hat das Ensemble 2020 eingespielt, an den Kompositionen arbeitete Philipp Rumsch seit 2017. Obwohl die Musik weitgehend vor Corona entstand, scheint sie doch auch die Situation vieler Menschen während der Pandemie widerzuspiegeln: Die beängstigende Enge des Eingesperrtseins, der scheinbare oder tatsächliche Zwang zum Immer-Gleichen, aufgelockert durch kleine, kollektive improvisatorische Einschübe - die aus Minimal Music, Ambient-Soundflächen, teilweise poppigen Melodiepassagen und freiem Spiel hochkomplex verwobene Musik klingt wie eine Sinfonie der Befreiung aus dem selbst- oder fremdverordneten Lockdown, den alle möglichen Ängste verursachen können. Eingestreute elektronische Samples und Verfremdungen des Gesangs tun ein Übriges, um ein mitunter etwas überambitioniertes, kopflastiges Chaos zu erzeugen, das sich im zweiten Teil des Konzertes, der selbstbestimmten "Einsicht" oder auch Entscheidung gewidmet, musikalisch explodierend auflöst.

Dann werden auch die Worte verständlich, entstehen Vertrauen und Zuversicht. Das für die kleine Bühne im Weltecho fast zu große Ensemble verbindet konzentriert und nach einem subtilen Arrangement verschiedene musikalische Einflüsse zu einer neuen Einheit, die besonders durch die immer wieder einfließenden improvisatorischen Jazz-Elemente Tiefe und Spannung erhält. Das Publikum applaudierte begeistert. Das Philipp-Rumsch-Ensemble ist an diesem Samstag noch einmal beim Jazz-Open-Air im Schloss Hinterglauchau zu hören.

Das nächste Konzert in der Reihe "All that Jazz" im Weltecho findet am 12. August um 20.30 Uhr mit Urban Animal statt. Weitere Informationen: www.weltecho.eu