Aus dem Schrebergarten ins Oelsnitzer Bergbaumuseum: Wie die "Funkenkutsche" zurück ins heimische Revier kam

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Das Oelsnitzer Bergbaumuseum wird umgebaut, in der zweiten Hälfte 2023 soll es neu eröffnet werden. "Freie Presse" stellt in diesem Jahr jeden Monat ein Objekt vor, das stellvertretend für bisherige Sonderausstellungen steht. Aktuell ist es ein Beiwagen der früheren Überlandbahn, der per Kran und Sattelschlepper wieder "heim kam".

Oelsnitz.

Die Rückkehr einer der Beiwagen der "Funkenkutsche" ins Lugau-Oelsnitzer Steinkohlenrevier war einigermaßen spektakulär. Denn der Wagen stand nicht nur weit entfernt in einem Görlitzer Kleingarten, er ist auch mehrere Tonnen schwer. Letztlich kam der Beiwagen Nr. 33 der früheren Überlandbahn Hohenstein-Ernstthal - Oelsnitz im Zuge der 1000. Sendung "Mach Dich ran" des MDR ins Bergbaumuseum. Das Museumsteam bewältigte die Aufgabe gemeinsam mit Mitgliedern der Knappschaft des Lugau-Oelsnitzer Steinkohlenreviers sowie weiteren Unterstützenden: Innerhalb eines Tages wurden die Umbauten um den Waggon entfernt und sein Transport mittels Sattelschlepper zurück ins Erzgebirge bewerkstelligt, erklärt Museumsmitarbeiterin Lea Ringel. Das war 2014 - ein Jahr nach Eröffnung der Sonderausstellung "Mit der Funkenkutsche durchs Revier".

Der Anlass für die Sonderschau: 2013 jährte sich die erste Fahrt der Überlandbahn Hohenstein-Ernstthal - Oelsnitz zum 100. Mal. Für das Museumsteam Grund genug, die Überlandbahn als wichtiges Transportmittel für die Bergleute des Lugau-Oelsnitzer Reviers zum Thema einer Sonderausstellung zu machen. Die Ausstellung wurde im September 2013 eröffnet. Eigentlich war sie als temporäre Schau angedacht, aber aufgrund der großen Resonanz wurde sie schließlich Teil der Dauerausstellung.

Auf den Beiwagen mit der Nummer 33 stießen die Museumsmitarbeiter im Zuge der Recherchen für die Ausstellung, erklärt Lea Ringel. "Er war nach der Einstellung des Straßenbahnverkehrs im Jahr 1960 nach Görlitz gekommen und tat dort noch zwei Jahre als Wagen Nummer 42 der dortigen Straßenbahn seinen Dienst, bevor er ausgemustert wurde." Danach sei er zunächst als Aufenthaltsraum am Verkehrsgarten Görlitz verwendet worden, anschließend zur Gartenlaube umgenutzt. Lea Ringel: "Allerdings nutzte man nur noch den Wagenkasten, das Fahrwerk wurde entfernt. Zudem wurde der Wagen umgebaut, um den Vorschriften der Kleingartensparte zu entsprechen." 2006 schließlich hatte ein Görlitzer Straßenbahnfreund den Beiwagen erworben und begonnen, ihn in Stand zu setzen. Er wollte ihn zum Treffpunkt seiner Straßenbahnfreunde ausbauen. Mit diesem nahm das Museumsteam nun Kontakt auf und man wurde sich einig, den Beiwagen in die Sammlung des Museums aufzunehmen.

Damit war ein besonderes und einzigartiges Relikt der Überlandbahn zurückgekehrt, sagt Ringel. Gebaut wurde er im Jahr 1928 durch die Firma MAN in Nürnberg - gemeinsam mit den Beiwagen Nummer 34 und 35 sowie dem Triebwagen Nummer 10. "Eine Besonderheit dieser Neuanschaffung war die Wagenheizung mittels Kohleofen." Im Beiwagen Nummer 33 fanden insgesamt 54 Personen Platz - 24 davon sitzend und 30 stehend.

Die Überlandbahn spielte eine große Rolle im Lugau-Oelsnitzer Revier, brachte sie doch die Bergarbeiter zur Arbeit ins Revier beziehungsweise wieder heim. Auch für die in den Textilwerken von Hohenstein-Ernstthal tätigen Menschen war sie ein wichtiges Transportmittel. Erste Pläne dafür hatte es bereits Ende des 19. Jahrhunderts gegeben, sagt Lea Ringel. Diese Vorhaben seien aber zunächst gescheitert. Doch im Februar 1913 war es schließlich soweit: Die von der Sächsischen Überlandbahn-Gesellschaft betriebene Straßenbahnverbindung wurde eröffnet. Ringel: "Die Überlandbahn beförderte insgesamt 93 Millionen zahlende Gäste, bevor ihr Betrieb 1960 eingestellt wurde."

In den 47 Jahren ihres Bestehens gab es allerdings einige Veränderungen bei der Bahnlinie. So bediente sie beispielsweise anfangs 27 Haltestellen, später waren es nur noch 16. Die Fahrzeit schwankte laut Lea Ringel zwischen 35 und 50 Minuten. Auch die Ausstattung selbst änderte sich. Alte Wägen wurden ausgesondert und neue kamen hinzu - so beispielsweise auch jener, der nun als Objekt des Monats Oktober vorgestellt wird.

Wie ging es weiter, nachdem der Waggon "heimgekehrt" war? Zunächst verbrachte er einige Jahre auf einem provisorischen Platz unter einer Plane, bis er 2017 noch einmal am Kranhaken hing, weil er einen Unterstand erhielt und dorthin versetzt wurde. "Im vergangenen Jahr bekam er wieder ein Fahrgestell", erklärt Lea Ringel. Weitere Restaurierungs- und Instandsetzungsmaßnahmen werden in den kommenden Jahren folgen, bevor der Wagen mit der Nummer 33 im Museum bestaunt werden kann.

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