Erhöht Totholz Brandgefahr in den Wäldern?

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Bei den Bränden in der Sächsischen Schweiz spielte wohl auch Totholz eine Rolle. Wie die Lage im Erzgebirge ist, erklären Experten.

Erzgebirge.

Sie sind inzwischen vollständig gelöscht - die Feuer in der Sächsischen Schweiz. Rund 150 Hektar Fläche waren auf sächsischer Seite betroffen; in der angrenzenden Böhmischen Schweiz rund 1060 Hektar. Im Zusammenhang mit dem Brand tauchte wiederholt das Thema Totholz auf. Holz am Boden erschwerte möglicherweise die Arbeit der Einsatzkräfte. Das zumindest sagte ein Brandbekämpfer des 2. Katastrophenschutz-Löschzugs aus dem Erzgebirgskreis der "Freien Presse". Man habe über jeden Baum klettern müssen. Auch ein Experte nannte Totholz in der Sächsischen Schweiz einen Brandbeschleuniger. Allerdings hätte sich das Feuer wohl auch so weiter ausgebreitet, sagte er.

In den Wäldern des Erzgebirges gibt es ebenfalls reichlich Totholz. Doch wenig Kiefer, wie Stephan Schusser, bisheriger Leiter des Forstbezirks Eibenstock betont. Man habe mehr Laubbäume im Unterholz; es seien beispielsweise viele Buchen gepflanzt worden. Das wirke sich positiv aus. Liegendes Totholz schütze den Boden zudem vor Verdunstung und kühle sogar, weil in den Ästen zunächst Feuchtigkeit gespeichert sei und abgegeben werde.

Der Staatsbetrieb Sachsenforst hat für den Erzgebirgskreis mit Blick auf das Totholz ebenso keine Bedenken. "Es bietet zahlreichen Tieren einen Lebensraum und es trägt zur notwendigen Humusbildung bei. Die darin enthaltenen Nährstoffe stehen der nächsten Waldgeneration zur Verfügung. Totholz wirft auch kleinräumig Schatten, in welchem wiederum kleine Bäume wachsen können", infomiert Referentin Carolin Werthschütz. Sowohl Schusser als aus Werthschütz betonen, dass Totholz kein Feuer auslöse. Wenn es sich entzünde, sei zumeist der Mensch irgendwie verantwortlich. So wie vermutlich Anfang August in Stützengrün. Dort war Totholz auf einem Waldstück in Brand geraten.

Beim Thema Totholz als Brandbeschleuniger bleiben die Behörden vage. Die Waldbrandausweitung und -eindämmung sei vor allem stark abhängig von der frühzeitigen Erkennung und von den materiellen und personellen Kapazitäten, die für die Bekämpfung zur Verfügung stehen. Auch Wege- und Geländeverhältnisse, das vorhandene Wegenetz und die Löschwasserverfügbarkeit spielen eine Rolle, heißt es bei Sachsenforst. Normalerweise gelten Laubbaum- und Mischbestände als weniger waldbrandgefährdet als reine Nadelbaumbestände. Trotzdem seien vor allem durch heiße und trockene Witterung selbst grün belaubte Wälder wie Buchenbestände vom Waldbrand betroffen gewesen. Im Erzgebirgskreis gab es nach Auskunft von Paul Schaarschmidt vom Kreisfeuerwehrverband vergangenes Jahr mehrere Feld- und Wiesenbrände. Die Feuerwehren haben die Ausbreitung jeweils durch schnelles Eingreifen verhindern können. An große Waldbrände in den letzten Jahren kann man sich nicht erinnern. Zum Thema Totholz und Feuer könne man keine Aussagen machen.

Neben Totholz spielte auch das Thema Moore mit Blick auf die Feuer in der Sächsischen Schweiz eine Rolle. Torf ist ein Brennstoff und darum kann es auch in Mooren unterirdisch brennen oder schwelen. Laut Carolin Werthschütz müsse beobachtet werden, wie sich die Trockenheit auf die Moore auswirkt - auch mit Blick auf die Brandgefahr. Sie verweist auf Revitalisierungsprojekte wie "Mooresax", bei denen Wasser gestaut, also Moore wieder vernässt werden. "Hoffen wir, dass die Trockenheit sich nicht in dem Umfang in den nächsten Jahren fortsetzt", so Werthschütz. Doch davon ist laut Prognosen zum Beispiel vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung für den Erzgebirgskreis nicht auszugehen.

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