Hospizdienst in Oelsnitz: Fast alle wollen weiter mitarbeiten

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Sterben und Tod sind Tabuthemen. Viele Sterbende und ihre Familien sind froh, wenn sie neben der medizinischen Betreuung einen emotionalen Beistand haben. Geleistet wird das durch den ambulanten Hospizdienst in Oelsnitz. Journalistin Cristina Zehrfeld absolvierte den Ausbildungskurs zur ehrenamtlichen Hospizhelferin und berichtet, wie man zum Sterbebegleiter wird.

Oelsnitz.

Der letzte Kursabend der Ausbildung zur ehrenamtlichen Hospizhelferin ist geschafft. Die Teilnahmebestätigungen sind schon vorbereitet. Am kommenden Montag bekommen wir sie ausgehändigt. Damit darf ich künftig ehrenamtlich in der Sterbebegleitung arbeiten. "Mit den Kursteilnehmerinnen, die sich für eine ehrenamtliche Mitarbeit entscheiden, werden wir in den nächsten Tagen Einzelgespräche führen. Da werden noch einmal die Verhaltensregeln wie Schweigepflicht und Datenschutz besprochen, es wird eine Vereinbarung unterschrieben und der Dienstausweis ausgehändigt", erläutert Silke Hudek. Ob ich das tatsächlich mache, muss ich selbst entscheiden. Kann ich das? Will ich das? Und: Bin ich bereit, die nötige Zeit für ein solches Ehrenamt aufzubringen? Wenn ich mich gegen eine Mitarbeit entscheide, ist die Übergabe der Teilnahmeurkunde mein letzter Termin.

Zur ersten Frage: Ob ich tatsächlich in der Lage sein werde, Sterbende zu begleiten, das wird sich erst herausstellen, wenn ich es versuche. Der Kurs allerdings hat mir das nötige Rüstzeug gegeben. Ich habe erfahren, wie sich Menschen am Ende ihres Lebens verändern, welche körperlichen Anzeichen darauf hindeuten, dass der Sterbeprozess begonnen hat, welche Bedürfnisse ein Mensch in seinen letzten Tagen und Stunden hat. Sicher werden mir im Angesicht des nahenden Todes oder bei verzweifelten Angehörigen manchmal die Worte fehlen. Aber mir ist eben auch bewusst geworden, wie wichtig es ist, dass jemand einfach nur da ist, dass einer das aushält. Und die Beschäftigung mit den Themen Sterben und Tod ermöglicht es durchaus, Worte dort zu finden, wo nicht Schweigen, sondern Reden Gold ist.

Die Bedeutung der Hospizarbeit wurde uns zum Abschluss unseres Kurses noch einmal besonders vor Augen geführt, denn nicht in jedem Fall ist ehrenamtliche Hospizarbeit genug. Neben dem ambulanten Hospizdienst gibt es deshalb auch stationäre Hospize. Im Erzgebirgskreis betreut das Hospiz Erlabrunn im "Haus Menschenwürde" in Breitenbrunn Menschen in ihrer letzten Lebensphase. Um Einblick in eine solche Einrichtung zu bekommen, sind wir ins stationäre Hospiz nach Chemnitz gefahren. In dem 2005 eröffneten Haus Am Karbel gibt es 16 Plätze, alles Einzelzimmer mit Bad und Balkon. Im Gegensatz zum ambulanten Hospizdienst arbeiten hier ausschließlich examinierte Fachkräfte, von denen die meisten zudem über eine palliative Sonderausbildung verfügen. Richtig gut finde ich, dass diese professionelle Begleitung nicht vom Geldbeutel der Betroffenen abhängig ist: 95 Prozent der Kosten werden von der Krankenkasse getragen. Die restlichen fünf Prozent werden über Spenden als Eigenleistung des Hospiz- und Palliativdienstes Chemnitz erbracht. Allerdings werden wirklich nur Menschen mit begrenzter Lebenserwartung aufgenommen. Für rein pflegerische Arbeit ist das stationäre Hospiz nicht da.

Auch wenn ich die Tatsache, dass es solch eine Einrichtung gibt, sehr beruhigend finde, denke ich, dass viele Menschen ihre letzten Tage und Stunden lieber daheim verbringen wollen.

Ich selbst habe mich deshalb zu einer ehrenamtlichen Mitarbeit im Hospizdienst entschlossen, auch wenn ich noch nicht recht weiß, wie das zeitlich zu managen ist. "Für gewöhnlich entscheiden sich 50 bis 60 Prozent der Kursteilnehmer zu einer Mitarbeit", so Silke Hudek. Von unserer Gruppe wollen nach aktuellem Stand fast alle dabeibleiben. Dafür gibt es auch einen kleinen finanziellen Anreiz: Nach einem Jahr Mitarbeit werden die Kursgebühren in Höhe von 75 Euro erstattet.

Doch das allein ist sicher kein Grund, sich für ein solches Ehrenamt zu entscheiden. "Dass jemand schnell abspringt, ist selten. Wer sich einmal für die Mitarbeit entscheidet, bleibt mindestens zwei oder drei Jahre dabei, so die Erfahrung von Silke Hudek. Persönliche Umstände können trotzdem jederzeit dazu führen, dass dieses Ehrenamt einen psychisch überfordert. Unsere Koordinatorinnen können sich also nicht auf ihren Lorbeeren ausruhen. Silke Hudek freut sich: "Es gibt schon drei Interessenten für den nächsten Kurs."

Der nächste Ausbildungskurs zum ehrenamtlichen Hospizhelfer beginnt mit einem Info-Abend am 7. März 2022. Anmeldungen sind schon jetzt möglich unter der Telefonnummer 037298 310140.


Die Autorin

Cristina Zehrfeld (Foto) hat Betriebswirtschaft studiert. Sie hat mehrere Bücher publiziert und lebt als freiberufliche Journalistin, Fotografin und Autorin in Oelsnitz/Erzgebirge. Für die "Freie Presse" ist sie vor allem im Altlandkreis Stollberg unterwegs. Ihre Themenschwerpunkte liegen dabei hauptsächlich in den Bereichen Kunst und Kultur.

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