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Wie Igel mit dem milden Wetter zurechtkommen

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Deutlich weniger kranke oder abgemagerte Tiere als sonst werden diesen Herbst in die Zschopauer Tierschutzstation gebracht. Milde Tage helfen den Tieren aber nicht immer.

Zschopau.

Welche Auswirkungen das ungewöhnlich milde Herbstwetter auf die Natur hat, lässt sich unter anderem in der Tierschutzstation in Zschopau beobachten. Dort werden momentan lediglich zwei Igel aufgepäppelt. Zum Vergleich: Vergangenes Jahr um diese Zeit waren es 19. Wie lässt sich dieser deutliche Unterschied erklären?

"Die Tiere finden jetzt noch genügend Nahrung, zum Beispiel Würmer oder Insekten. Daher gibt es jetzt kaum abgemagerte oder kranke Igel, die zu uns gebracht werden", erläutert Christine Grzelka von der Tierschutzstation. "Wenn es früh zu einem Kälteeinbruch kommt, haben vor allem Jungtiere Schwierigkeiten, sich mit Nahrung zu versorgen. Das ist vor allem dann der Fall, wenn die Böden schon gefroren sind."

Die hohen Temperaturen kämen den Igeln im Herbst also eher zupass. "Wenn es nicht zu trocken ist. Denn auch dann sind die Böden zu hart", sagt Christine Grzelka. Wer dieser Tage dennoch einen abgemagerten Igel finde, solle sich bei der Tierschutzstation melden. "Wir hatten vergangenes Jahr ein Tier, das gerade einmal vier Gramm wog. Dann zählt natürlich jede Stunde." Zu fressen bekämen die Tiere dann nasses Katzenfutter oder getrocknete Mehlwürmer. Außerdem bräuchten sie viel Wasser. "Auf keinen Fall dürfen die Tiere Milch saufen. Wichtig ist auch, dass die Igel nicht im Kalten transportiert oder gehalten werden. Die Transportkiste sollte also nicht im Keller stehen", rät die Mitarbeiterin der Tierschutzstation. Längere Phasen mit hohen Temperaturen helfen den Tieren allerdings nicht immer. Vor allem im Winter kann das zum Problem werden. "Dann erwachen die Tiere aus ihrem Winterschlaf, irren umher und finden keine Nahrung. Oft verhungern sie dann." Bisher sei es jedoch selten vorgekommen, dass jemand im Winter einen Igel in die Tierschutzstation bringe. Im Erzgebirge sei es in der Regel kalt genug, sagt Christine Grzelka.

Der milde Herbst dürfe allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Igelpopulation hierzulande rückläufig sei, wie Bernd Seifert betont. "Ich habe dieses Jahr in meinem Garten nur einen einzigen Igel beobachtet. Sonst waren es immer mehr", schildert der Tierexperte vom Naturschutzbund, Kreisverband Mittleres Erzgebirge. Gründe hierfür sieht er in der sinkenden Insektenpopulation. "Der Bestand ist unter anderem wegen der chemischen Mittel, die in der Landwirtschaft eingesetzt werden, deutlich gesunken. Dadurch finden die Igel weniger zu fressen."

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