Kultur
Mit Fischer verlässt zweiter großer Verlag Frankfurt

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Die S. Fischer Verlage verlegen ihren Hauptsitz in die Hauptstadt. Für die Buchmessen-Stadt ist das ein schwerer Schlag.

Frankfurt/Main.

Die Buchmessen-Stadt Frankfurt verliert den zweiten großen Verlag: Nach Suhrkamp verlegen auch die S. Fischer Verlage ihren Hauptsitz nach Berlin. Die Stadt des Geldes büßt als Stadt des Geistes weiter an Bedeutung ein. Branchenkenner sehen die Entscheidung auch im Zusammenhang mit den Umbrüchen im Verlagswesen. 

Der Umzug ist laut Verlag für Sommer 2027 geplant. "Ziel der Maßnahme ist es, die wirtschaftliche und verlegerische Zukunftsfähigkeit des Verlags zu stärken", teilte der Verlag mit. Das Programm der Fischer-Verlage umfasst deutschsprachige und internationale Literatur, Sachbuch und Unterhaltung. Es ist einer der traditionsreichsten und renommiertesten deutschen Buchverlage. 

Künftig sollen die verlegerischen und marktnahen Bereiche des Verlags in Berlin gebündelt werden. Dazu gehören neben der Geschäftsführung das Marketing, der Vertrieb sowie die Presse- und Veranstaltungsabteilungen. Frankfurt soll als Standort aber erhalten bleiben: Neben dem Lektorat sollen die kaufmännischen Bereiche am Main bleiben. Allen Mitarbeitern sollen Angebote für einen Wechsel nach Berlin gemacht werden. 

Von Berlin nach Frankfurt und zurück

Samuel Fischer hatte den Verlag 1886 gegründet – in Berlin. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Sitz nach Frankfurt verlegt. "Die Rückkehr nach Berlin ist für uns deshalb Anknüpfungspunkt und Aufbruch zugleich", sagte Christina Dohmann, CEO der S. Fischer Verlage. "Unsere Entscheidung für Berlin ist keine Entscheidung gegen Frankfurt", versicherte Dohmann. "Berlin wird künftig unser Hauptsitz sein, Frankfurt bleibt ein wichtiger Anker." Der Verlag verdanke dieser Stadt sehr viel. 

Die S. Fischer Verlage sind auf der Frankfurter Buchmesse stark präsent. (Archivbild)
Die S. Fischer Verlage sind auf der Frankfurter Buchmesse stark präsent. (Archivbild) Bild: Arne Dedert/dpa

Die S. Fischer Verlage gehören schon seit den 1960er Jahren zur Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck – ebenso wie Rowohlt, Kiepenheuer & Witsch und Droemer Knaur. Unter dem Dach von Fischer sind neben dem Flaggschiff S. Fischer der Krüger- und der Scherz-Verlag mit unterhaltenden Büchern, Tor mit Fantasy und Science Fiction, FJB für junge Autoren sowie ein Taschenbuch- und ein Theater-Verlag.

Alte und neue Nobelpreisträger

Viele große Namen der klassischen Moderne sind im Programm vertreten, etwa Thomas Mann oder Franz Kafka. Von den zeitgenössischen Autoren ist zum Beispiel der ungarische Literaturnobelpreisträger László Krasznahorkai bei Fischer unter Vertrag. Als er 2025 von der größten denkbaren Ehrung des Literaturbetriebs erfuhr, war er gerade in Frankfurt – und versteckte sich vor der Öffentlichkeit in seinem Verlag. 

Mit der Geschichte der S. Fischer Verlage ist ein anderer großer Name der Verlagsgeschichte eng verbunden: Suhrkamp. Peter Suhrkamp fing bei Fischer an und gründete später seinen eigenen Verlag. Wie Fischer war auch der Suhrkamp Verlag lange in Frankfurt ansässig. 2010 zog er nach Berlin. Der Verlagssitz in der Lindenstraße im Westend wurde aufgegeben. Auch die legendäre Suhrkamp-Villa ist inzwischen verkauft. 

Wie geht es weiter?

Was aus dem großen Fischer-Gebäude in der Hedderichstraße in Sachsenhausen wird, bleibt abzuwarten. Auch wohin der Verlag in Berlin genau zieht, ist noch nicht entschieden. 

Für Frankfurt ist es nach dem Abgang des Suhrkamp-Verlags der nächste schwere Schlag.
Für Frankfurt ist es nach dem Abgang des Suhrkamp-Verlags der nächste schwere Schlag. Bild: Helmut Fricke/dpa

Fischer und Suhrkamp waren für das Deutschland der Nachkriegszeit prägend. Die Mainmetropole war nicht nur Stadt des Geldes, sondern auch Stadt des Geistes. Die Buchmesse verstärkte diese Rolle. Als Suhrkamp Frankfurt verließ, war das ein erster Schlag. Wenn nun auch Fischer geht, bleiben nur noch kleine Verlage in der Stadt des Buches zurück. 

Verleger: Kein Sparprogramm

"Bei dem Umzug handle es sich "ausdrücklich nicht um ein Sparprogramm und nicht um eine Maßnahme mit dem Ziel eines Personalabbaus", sagte der verlegerische Geschäftsführer, Oliver Vogel, der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

Fischer habe aktuell etwa 150 Mitarbeitende, 115 davon arbeiteten in Frankfurt. "Wir schätzen, dass 2028 vielleicht noch etwa vierzig Menschen dort arbeiten werden." 

Die Entscheidung habe nichts mit Frankfurt zu tun, sondern nur mit den neuen Herausforderungen für Verlage. "Die Veränderungen im Markt sind so gravierend, dass wir darauf reagieren müssen." Künstliche Intelligenz und weitere Zukunftstrends setzten alle Buchverlage sehr unter Druck. 

Buchmesse schweigt

Buchmessen-Direktor Juergen Boos äußerte sich nicht: Man kommentiere die unternehmerischen Entscheidungen der Kunden nicht, sagte sein Sprecher. Frankfurts Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) zeigte sich betroffen: "Für die Verlags- und Literaturstadt Frankfurt am Main ist der Weggang von S. Fischer keine gute Nachricht."

Der hessische Kunst- und Kulturminister Timon Gremmels (SPD) sprach von einem schmerzlichen Verlust für den Kultur- und Verlagsstandort Hessen. Der Verlag habe die literarische Landschaft des Bundeslandes über Generationen hinweg geprägt und sei ein wichtiger Teil der kulturellen Identität Frankfurts gewesen. (dpa)

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