Handwerker der AfD

Zur Wahl Tino Chrupallas

Es war spannend, am Ende hat der Sachse Tino Chrupalla das Rennen gemacht. Das war keineswegs ausgemacht angesichts der Konkurrenz, gegen die sich der sächsische Bundestagsabgeordnete und Vize-Fraktionschef zu behaupten hatte. Er stand mit dem Einpeitscher Gottfriede Curio in der Stichwahl, der wegen seiner scharfen Reden ein gefeierter Star der Partei ist. 

Chrupalla setzt dagegen auf Bodenständigkeit. Der Malermeister aus Weißwasser will das freundliche Gesicht einer Partei sein, die im Osten oft mit radikalen Tönen von zugereisten Westdeutschen punktet. Chrupalla soll dies umkehren. Mit ihm als Ostdeutschem verbindet die AfD die Hoffnung, im Westen zu punkten, und zwar bei all jenen konservativen Wählern, die bei der Union keine Heimat mehr haben, die sich aber vom völkischen Sound eines Björn Höcke abgeschreckt fühlen. 

Ob diese Strategie aufgeht, ist fraglich. Chrupalla ist keineswegs so moderat, wie die Partei ihn gerne nach außen darstellt. Der 44-Jährige ist derjenige, der in der Vergangenheit "schwarze Listen" für unliebsame Medienvertreter forderte, was nicht gerade für Souveränität im Umgang mit der Presse spricht. Zudem rief Chrupalla nach dem Angriff auf den Bremer AfD-Politiker Frank Magnitz die Polizisten dazu auf, sich nicht durch Order "von oben" von ihrer Aufklärungsarbeit abhalten zu lassen. Es klang wie ein Aufruf zur Befehlsverweigerung, was keineswegs dem konservativen Ideal von Pflichterfüllung entspricht. Mit anderen Worten: Den Beweis, dass er tatsächlich als durch und durch seriös gelten kann, muss Chrupalla in seinem neuen Amt erst noch antreten.

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