Das kuschelige Gold

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Hier steht, was wirklich wichtig ist. Heute geht es um das Event für alle Pfennigfuchser.

Sommerschlussverkauf! Welch betörendes Wort in den Ohren professioneller wie laienhafter Schnäppchenjäger. Schon Wochen vorher erfasst sie ein fiebriges Gefühl, weshalb sicherheitshalber regelmäßig Tests gemacht werden, um sich zu vergewissern, dass es nichts Schlimmeres ist als die Vorfreude auf jene zwei Wochen, in denen die Geschäfte die Warenpreise geradezu sturzbachartig fallen lassen und der Inflation ein richtig heftiger Hieb in die Magengrube versetzt wird. Irgendwann jedoch wurde dieses Event für alle Pfennigfuchser und Preisbewussten abgeschafft, zumindest offiziell. Da kam man auf die Idee, dass Rabattaktionen ruhig das ganze Jahr über möglich sein sollten, nicht nur zum Ausklang des Winters und des Sommers. Und obwohl sich viele Händler, ob groß oder klein, weiterhin solch einen Jahreszeitenabschluss genehmigen, so ist doch die gute alte Zeit (und nicht nur diese) irgendwie vorbei. Der Zauber ist verflogen, wenn keine Menschenmassen mehr dem bedauernswerten Menschen, der ausgeknobelt wurde, im Kaufhaus die Türen zu öffnen, über den Haufen rennen.

Und in diesem Jahr wird sich sowieso mancher fragen: Was soll ich mit dem Sommerschlussverkauf? Werden doch in den kommenden Monaten ganz andere Artikel benötigt als dünne T-Shirts, flattrige Kleider, Sonnenbrillen oder -hüte. Denn alle bereiten sich aufs Frieren vor. Und da braucht man dicke Pullover, Schals, Socken und Handschuhe. Die Omas der Nation kommen vermutlich jetzt schon nicht mit dem Stricken solcher Utensilien hinterher. Wer von ihnen besonders fix ist, versorgt nicht nur die eigene Verwandtschaft großzügig mit den nun so begehrten Wollprodukten, sondern macht gleich ein lukratives Geschäft daraus. Wer hätte geahnt, dass diese Klamotten, müde belächelt wenn sie unterm Weihnachtsbaum oder auf dem Geburtstagstisch liegen, ein derartiges Revival erleben würden? Jetzt, wo die große Kälte kommt.

Die Tatsache, dass es in Deutschlands Wohnstuben spätestens ab Oktober bibberig kalt wird, rufen uns besonders Politiker immer wieder ins Gedächtnis. Bei mehr als 30 Grad im Schatten ist das gerade keine leichte Aufgabe. Energie sparen, so lautet die Parole. Und am besten Erdgas so wenig wie möglich nutzen. Das heißt für viele: Heizung runterdrehen, sonst kann man sich den nächsten Urlaub nicht mehr leisten. Manch einer verfällt dann auf die clevere Idee, sich einen Kaminofen anzuschaffen. Bis vor wenigen Wochen standen die Dinger wie die Ladenhüter überall herum. Damit ist nun Schluss. Nirgends ist mehr solch ein Gerät aufzutreiben. Und Holz, um sie zu befeuern, ist ebenfalls rar geworden. So zieht die Energiekrise einen veritablen Rattenschwanz hinter sich her. Alles wird teurer. Und Wolle zieht im Preis ebenfalls exorbitant nach.

Deshalb ein Tipp an alle Großmütter: Deckt euch jetzt ein mit Schaf-, Kaninchen- oder Alpakahaaren! Damit Kinder, Enkel und Urenkel nicht frieren müssen, wenn der Winter hart wird. Wolle - das kuschelige Gold der Zukunft! Die Natur, vom Menschen seit Jahr und Tag geschunden, wird schon perfide genug sein, um uns ausgerechnet jetzt mal wieder einen echten Winter zu schicken, mit Schnee von November bis März und Minusgraden rund um die Uhr. Das, was man sich in ruhigeren Zeiten so sehr gewünscht hat, kann man aber gerade jetzt so ganz und gar nicht gebrauchen.

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