CDU-Stimmen für AfD-Mann?

Freiberg.

Die Entscheidung war am Mittwochabend gerade im Kreistag gefallen, da machte sie via Twitter bereits die Runde. "AfD bekommt die doppelte Anzahl an Stimmen, als sie selber aufbringt", meldete Dirk Neubauer (SPD) aus dem Sitzungssaal; damit sei der linke Kandidat verhindert worden.

Konkret ging es um die Wahl des fünften mittelsächsischen Vertreters im Planungsverband Chemnitz. Jörg Hommel (Linkspartei) hatte in geheimer Abstimmung 33 Stimmen erhalten, Rolf Weigand (AfD) 54.


Er gehe davon aus, argumentierte Neubauer, "dass von SPD, Grünen und Linken keiner für die AfD gestimmt hat." Von den 22 neu gewählten AfD-Kreisräten waren am Mittwochabend 21 anwesend. Deshalb müsse, so die Logik des Bürgermeisters von Augustusburg, auch mindestens ein gutes Dutzend CDU-Kreisräte für Weigand gestimmt haben. "Das ist ein Knieschuss für den eigenen Ministerpräsidenten", kommentierte Neubauer.

Als Regierungschef von Sachsen betont Kretschmer seit seinem Amtsantritt im Dezember 2017, dass die Christdemokraten nicht mit den Alternativen koalieren werden. Im Wahlkampf hat er schon mehrmals die AfD wegen ihrer Methoden und Strategien kritisiert. Auch die große Mehrheit der CDU-Direktkandidaten zur Landtagswahl lehnt eine Zusammenarbeit mit der AfD ab.

Christin Melcher von den Bündnisgrünen warf den Christdemokraten am Donnerstag vor, mit ihren Stimmen im Kreistag mehr oder weniger versteckt den Schulterschluss mit der AfD zu suchen und "die Verfassungsfeinde" damit strukturell zu stärken. "Die Haltungslosigkeit der CDU in Mittelsachsen ist bemerkenswert und erschreckend zugleich", sagte die Sprecherin des Landesvorstands wörtlich.

"An derartigen Spekulationen beteilige ich mich nicht", lehnte Jörg Woidniok als Chef der Kreistagsfraktion aus CDU und Bauernverband einen Kommentar ab. Es sei eine geheime Abstimmung gewesen, so der Freiberger.

"Jeder ist frei in seiner Wahl, und ich bin kein Unbekannter", freute sich AfD-Politiker Weigand über seine Wahl. Wer zusätzlich für ihn gestimmt habe, wisse er nicht, so der Kleinvoigtsberger weiter, der auch im Landtag sitzt. "Ich kann ein politisches Lager sicherlich ausschließen" urteilte er mit Blick auf die Sitzreihen von Linken, SPD und Grünen. Wo es Schnittmengen mit anderen Fraktionen gebe, werde sich bei den Entscheidungen in den nächsten Kreistagssitzungen zeigen. Er finde es aber verwerflich, griff Weigand Neubauer an, "schon mitten in der Sitzung herumzuposten und damit die Zusammenarbeit zu vergiften."

Linken-Bewerber Jörg Hommel erklärte, er könne mit einer Wahlniederlage leben. "Aber dass die AfD im Kreistag von Mittelsachsen so viele Stimmen erhält, ist ein fatales Signal auch für die Landtagswahl am 1. September." Die Kreisräte der Freien Wähler, die er kenne, hätten ihn sicher unterstützt, so der Frankenberger weiter: "Aber in einigen Köpfen herrscht offenbar noch das alte Dogma, keinen Linken zu wählen - lieber einen AfD-Mann."jan/kok

Anwesend waren in der Kreistagssitzung am Mittwoch 27 CDU-, 21 AfD-, 16 Freie-Wähler-, 11 Linken-, 7 SPD-, 5 Grünen und 4 FDP-Kreisräte. Als Vorsitzender des Kreistages ist darüber hinaus Landrat Matthias Damm (CDU) stimmberechtigt.

Bewertung des Artikels: Ø 2.9 Sterne bei 7 Bewertungen
7Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 4
    1
    thombo01
    09.08.2019

    Distel: also meine Stimme hätte er auf jeden Fall bekommen. Nach dem Wikipedia Eintrag erst recht.

  • 5
    3
    Lesemuffel
    09.08.2019

    Der Grund für die Unterstützung des AfD-Mitgliedes ist völlig zu verstehen. Und von mancher Foristin hier im Forum gewählt zu werden, hätte er nie gewollt.

  • 4
    7
    Distelblüte
    09.08.2019

    Möglicherweise wurde er allein aus dem Grund gewählt, weil man keinen Linke-Politiker unterstützen wollte. Diese Variante erscheint mir am wahrscheinlichsten.
    Ich habe Rolf Weigand von der AfD gegoogelt. Meine Stimme hätte er nicht bekommen. Weitere Informationen findet man bei:
    https://de.m.wikipedia.org/wiki/Rolf_Weigand

  • 7
    5
    Hinterfragt
    09.08.2019

    Welch Geschrei.

    Das ist Demokratie, evtl. ist ja der Kandidat der AfD der bessere Fachmann für diesen Posten und wurde deshalb im INTERESSE DER BÜRGER gewählt.

  • 6
    6
    thombo01
    08.08.2019

    Da sollten bei den Landtagswahlen noch ein paar Stimmen mehr für die AfD drin sein.

  • 9
    3
    Lesemuffel
    08.08.2019

    Was in Görlitz billig war, darf doch in Freiberge - nur praktisch umgekehrt - recht sein.

  • 12
    3
    ths1
    08.08.2019

    "Das ist ein Knieschuss für den eigenen Ministerpräsidenten." Um bei dieser bildhaften Sprache zu bleiben: Das Knie dürfte Kretschmer nicht zum letzten Mal Schmerzen bereiten.



Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
Mehr erfahren Sie hier...