Recycling-Firma Prezero Pyral hält sich nach Fusion bedeckt

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Aus Pyral ist nach Zustimmung der Kartellbehörde Prezero Pyral geworden. Über Zukunftspläne für die Standorte in Mittweida und Freiberg ist kaum Konkretes zu erfahren.

Freiberg/Mittweida.

Prezero Pyral GmbH, so darf das aus der Freiberger Pyral AG und der Prezero-Gruppe aus dem nordrhein-westfälischen Porta Westfalica entstandene Unternehmen nun auch offiziell heißen. Im März stimmte die Kartellbehörde dem im September 2020 beschlossenen Zusammenschluss der beiden Firmen zu. Das neue Gemeinschaftsunternehmen hat seinen Sitz in Freiberg und betreibt in Mittweida einen zweiten mittelsächsischen Standort.

"Wir haben in guten gemeinsamen Gesprächen festgestellt, dass Pyral als innovativer Marktführer über ein enormes Entwicklungspotenzial verfügt und sich unsere Unternehmen hervorragend ergänzen", sagt Prezero-Sprecher Boris Ziegler über die Beweggründe für den Zusammenschluss. "Dieses Potenzial wollen wir heben und in der gemeinsamen Unternehmung entwickeln." Zu den langfristigen Zielen der Prezero Pyral GmbH heißt es: "Gemeinsam wollen wir Wertstoffkreisläufe - aus Verpackungen werden wieder Verpackungen - schließen, Ressourcen schonen und einen wichtigen Beitrag zu einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft leisten."

Größere Veränderungen an den Standorten Freiberg und Mittweida hat es nach Angaben des Sprechers seit dem Zusammenschluss nicht gegeben, auch die Personalstärke sei im Wesentlichen gleich geblieben. Welche Entwicklungen strebt das Unternehmen langfristig an? Dazu äußert sich Boris Ziegler nur vage: "Grundsätzlich ist es unser gemeinsames Ziel, die Wertschöpfungskette weiterzuentwickeln und erfolgreich zu wachsen. Dazu gibt es in Sachsen erstklassige Voraussetzungen." Ob das bedeutet, dass im Freistaat weitere Standorte von Prezero Pyral geplant sind, will Ziegler jedoch nicht sagen. Das Unternehmen verfolge eine ambitionierte Wachstumsstrategie. "Wo genau wir allerdings die nächsten Schritte machen, kann ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht verraten", hält sich der Sprecher bedeckt.

In den vergangenen Jahren kam es an den Pyral-Standorten in Mittweida und Freiberg immer wieder zu größeren Bränden. Zuletzt hatte es im August 2019 auf dem Betriebsgelände im Mittweidaer Ortsteil Lauenhain einen Großbrand gegeben. Fast zwei volle Tage lang war die Feuerwehr mit den Löscharbeiten beschäftigt. Im Nachgang wurden an dem Standort Brandschutzmängel festgestellt, die zeitweise sogar eine vom Landratsamt angeordnete Betriebsstilllegung zur Folge hatten. Mehr als einen Monat lang durfte in Lauenhain nicht mehr produziert werden.

Auch in den Jahren zuvor hatte es an den beiden Standorten mehrfach gebrannt: Im Sommer 2015 waren Ballen aus Abfällen in der Betriebshalle in Lauenhain in Brand geraten. Nur Wochen zuvor hatten am Hauptsitz des Unternehmens an der Carl-Schiffner-Straße in Freiberg gleichfalls Abfälle gebrannt. Auch im Juli 2014 stand ein Abfallberg bei Pyral in Mittweida in Flammen, im Mai desselben Jahres gab es einen Schwelbrand in Freiberg, 2010 einen weiteren brennenden Abfallberg in der Kreisstadt. Schuld an den Bränden sind nach Ansicht von Prezero-Sprecher Boris Ziegler die Verbraucher. "Fast alle Recyclingunternehmen haben derzeit Probleme mit Stromspeichern, die von den Verbrauchern falsch entsorgt wurden", sagt er. "Lithium-Ionen-Akkus und Batterien aus den Elektronikgeräten des täglichen Bedarfs sind derzeit die häufigste Brandursache in den Recycling- und Sortieranlagen. Alle Beteiligten arbeiten daher derzeit auf ganz unterschiedlichen Ebenen daran, diese Problematik zu lösen." Ob das Unternehmen seit dem Zusammenschluss etwas unternommen hat, um derartigen Vorkommnissen vorzubeugen oder dies aktuell plant, ließ er unbeantwortet. In Mittweida gibt es noch ein weiteres Problem. Anwohner berichten seit Jahren von Geruchsbelästigungen, die sie im Zusammenhang mit Pyral vermuten. Auf mögliche Gegenmaßnahmen angesprochen, sagt Ziegler: "Dazu verfolgen wir derzeit unterschiedliche Ansätze, zu denen wir Sie zur gegebenen Zeit selbstverständlich sehr gerne informieren."

Zur Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens für das Recycling von Aluminiumabfällen hatte Prezero 60 Prozent der Geschäftsanteile an der Pyral AG erworben. Die übrigen 40 Prozent blieben im Familienbesitz der Gründer beziehungsweise bei der Reikan GmbH aus Dresden. An den mittelsächsischen Standorten verwerten rund 80 Mitarbeiter etwa 60.000 Tonnen metallhaltige Abfälle pro Jahr. Ein Teil des Materials wird in Mittweida zunächst mechanisch aufbereitet, bevor in Freiberg die eigentliche Verarbeitung erfolgt. In Pyrolyse- und Wirbelschichtanlagen entsteht aus Aluminiumfolien, Tonerkartuschen, Getränke- oder Aerosoldosen der Wertstoff Pyralu, ein zu 98 Prozent reines Aluminiumprodukt.

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