Statement Oberbürgermeister und Geschäftsführer Mittelsächsisches Theater

Oberbürgermeister Sven Krüger

In der neuen Dialog-Veranstaltung soll es auch um die Frage gehen, was aus dem großen politischen Willen vom November 1989 zur tiefgreifenden Veränderung geworden ist. Nach der Verlegung der jüngsten Dialog-Veranstaltung vom 28. März: Wie sehen Sie die neuerliche Veranstaltung im November?

Am 12. April 2019 wurde das Mittelsächsische Theater durch den Oberbürgermeister nur darauf hingewiesen, dass wahlempfehlende Veranstaltungen besser nicht vor Wahlen in der öffentlichen Einrichtung stattfinden sollten.
Weder in diesem Schreiben vom 12. April 2019 noch im Nachhinein hat es ein - wie auch immer geartetes - Verbot seitens des Oberbürgermeisters gegeben. Er beschränkte sich nur auf den Hinweis auf die gesetzlichen und vertraglichen Gegebenheiten. Insofern gibt es keine Einwände gegen diese Veranstaltung. Im Übrigen sei darauf hingewiesen, dass die Verlegung der Veranstaltung im Rahmen der Gesellschafterversammlung am 28. März im Einvernehmen mit dem Geschäftsführer des Mittelsächsischen Theaters erfolgte. Dazu erhalten Sie einen Auszug aus dem Protokoll:

"Aus gegebenem Anlass weist Herr Krüger darauf hin, dass die Veranstaltung am heutigen Abend "Dialog- Was ist zu tun? Wir haben die Wahl 2019." Um 19.30 Uhr im Theater eine politische Veranstaltung* ist. Das Theater ist keine politische Bühne und es wird gegen den Mietvertrag verstoßen. Der Mietvertrag ist bindend.
Gemäß Mietvertrag der Stadt Freiberg mit dem Theater von 1994 ist der Gesellschaftszweck das Betreiben des Theaters für kulturelle Veranstaltungen, siehe § 2 (1) des Mietvertrages. Politische Veranstaltungen sind im Theater ausgeschlossen, dafür würde das Tivoli oder der Brauhof zur Verfügung stehen ...
Herr Egerer unterstützt die Aussage und informiert, dass im Döbelner Theater ebenfalls keine politischen Veranstaltungen durchgeführt werden dürfen, dafür kann das Volkshaus genutzt werden.
Das Theater ist ein öffentliches Gebäude.

Der Geschäftsführer nimmt diese Aussagen zur Kenntnis und informiert, dass ein Sicherheitsdienst bestellt wurde. Die Botschaft ist bei ihm angekommen.

Die Anwesenden unterbreiten den Vorschlag:
Die Veranstaltung beginnt eine viertel Stunde später und findet im Städtischen Festsaal statt. ...
Der Geschäftsführer bedankt sich bei den Gesellschaftern für diese Lösung und wird sie umsetzen."

* Gemeint waren hier durch OB Krüger wahlpolitische Veranstaltungen.


Das Stadttheater gehört zur Stadt Freiberg. Wie kann es wieder zu einem Miteinander von Stadt und Theater kommen?

Es gibt zu der Veranstaltung am 28. März unterschiedliche Auffassungen von Intendant und Oberbürgermeister. In einem Gespräch am 15. Mai zwischen OB Krüger, Intendant Schulze und Schauspieldirektorin Wöhlert wurden die unterschiedlichen Standpunkte ausgetauscht.

Folgende Absprachen werden getroffen:

- die Dialogreihe im Mittelsächs. Theater soll fortgeführt sowie der OB ins Podium eingeladen werden,
- gemeinsame Pressemitteilung (PM), gemeinsame Erklärung und gemeinsame
Diskussion (öffentlich),
- Mittelsächs. Theater wird um erste Zuarbeit, unter Einbezug des Geschäftsführers des Mittelsächsischen Theaters Dr. Ickrath, zur gemeinsamen PM gebeten,
- in der PM ist einzugehen auf:

1. Die Äußerungen des OB bezogen sich immer auf Veranstaltungen mit wahlempfehlenden Charakter, von der Untersagung politischer Veranstaltungen wurde zu keiner Zeit gesprochen.
2. Gegenseitige Sensibilitäten in Wahlzeiträumen sind zu respektieren.
3. Die Begriffe Kunst und Kultur sind einzubeziehen.

Leider erfolgte im Nachgang zur Besprechung keine Einigung über den Inhalt dieser geplanten Pressemitteilung. Auch mein Angebot zum Dialog wurde bis jetzt nicht vom Intendanten aufgegriffen. Mein Angebot steht jedoch nach wie vor.

Von der Facebookseite des Mittelsächsischen Theaters ist die "Erklärung der Vielen" auf Anweisung des Geschäftsführers Dr. Ickrath heruntergenommen worden, jetzt haben nur noch Theatermitarbeiter die Erklärung auf ihre Facebookseite gestellt. Ist es denkbar, dass die "Erklärung der Vielen" wieder auf der Facebookseite des Theaters erscheint?

Nach meinem Kenntnisstand ist diese Information so nicht richtig, denn Dr. Ickrath hat mir bestätigt, dass der Intendant die Erklärung unter seinem Namen auf der Homepage des Theaters veröffentlichen kann. Da es sich um innere Angelegenheiten des Theaters handelt, bitte ich Sie, sich dazu mit dem Geschäftsführer in Verbindung zu setzen.


 

Statement Dr. Hans Peter Ickrath, Geschäftsführer des Mittelsächsischen Theaters:

In der neuen Dialog-Veranstaltung soll es auch um die Frage gehen, was aus dem großen politischen Willen vom November 1989 zur tiefgreifenden Veränderung geworden ist. Nach der Verlegung der jüngsten Dialog-Veranstaltung vom 28. März: Wie sehen Sie die neuerliche Veranstaltung im November?

Die Programmgestaltung macht auch in unserem Theater der Intendant. Nicht nur unsere Besucher, auch ich bin schon gespannt darauf, was uns bei der von Ihnen gemeinten Veranstaltung erwartet.

In der Theaterfördervereinsveranstaltung kam Kritik, dass Sie damals hinter den Gesellschaftern und nicht hinter dem Theater standen. Wie stehen Sie dazu?

Zunächst einmal geht es darum, dass wir alle -Gesellschafter, Geschäftsführer und Intendant - hinter der Mittelsächsischen Theater und Philharmonie gGmbH stehen. Darin lassen wir uns auch von Dritten nicht auseinander dividieren, nur weil es zu einer Angelegenheit - das heißt Veranstaltung - eine unterschiedliche Beurteilung der Herangehensweise gegeben hat. Wir bereiten ca. 500 Veranstaltungen jedes Jahr vor (!), darunter auch schon vorher Dialogveranstaltungen mit politischen Inhalten(!). Im Übrigen stehe ich grundsätzlich hinter Intendant Schulze, wir arbeiten nach wie vor sehr gut zusammen, eine unterschiedliche Betrachtung einer Angelegenheit ändert daran noch längst nichts, auch in dieser Angelegenheit. Ich weiderhole diesbezüglich, was ich schon einmal dazu der Freien Presse am 6. Mai mitteilte (sehen Sie bitte die Mail an Herrn Janbowski), ich zitiere daraus: " … denn der Intendant sah die Veranstaltung mit den Theatersatzungen als konform an …"

Wie kann es wieder zu einem Miteinander von Stadt und Theater kommen ?

Es besteht ein Miteinander im Theater! Ein strittiges Thema muss jeder aushalten können, schließlich sind wir verpflichtet, uns gesellschaftlichen und politischen Themen zu stellen. Das unterscheidet ein Stadttheater von anderen kommunalen Betrieben, und zwar erheblich. Zudem spielt bei einem Theater viel mehr Öffentlichkeit und Presse mit rein und kommuniziert quasi mit. Da kann man nicht immer ein Gleichklang von Meinungen und Beurteilungen erwarten.

Von der Facebookseite des Mittelsächsischen Theaters ist die "Erklärung der Vielen" auf Ihre Anweisung heruntergenommen worden, jetzt haben nur noch Theatermitarbeiter die Erklärung auf ihre Facebookseite gestellt. Ist es denkbar, dass die "Erklärung der Vielen" wieder auf der Facebookseite des Theaters erscheint?


Die Erklärung ist Bestandteil der Homepage des Theaters (zu sehen unter Intendant etc.). Warum die Gesellschafter die Erklärung sowie ich auch als GF die Erklärung nicht auch unterschreiben hatten, habe ich bereits mehrmals der Presse erläutert. Auch das gehört zu einer "demokratischen Gepflogenheit" auch nicht unterschreiben zu wollen, was von Dritten auch akzeptiert werden sollte. Entscheidend ist doch, dass das sehr wohl für Herrn Schulze, und zwar als Intendant des Mittels. Theaters möglich gewesen war.

Wie sehen Sie prinzipiell die Freiheit der Kunst?

Kunst - das gilt nebenbei auch für die Wissenschaft - ist frei in ihrem Schaffensdrang. Diese Einstellung streitet n diesem Theater auch niemand einem Anderen im Haus ab (so lange nicht gegen Gesetze oder Bundes-Verfassung verstoßen wird, soweit es dieses Hinweises es noch bedarf).

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...