Anhand von Archivbildern, Tonaufnahmen und Lied-Zitaten beleuchtet die Doku Swifts außergewöhnliche Karriere.
Anhand von Archivbildern, Tonaufnahmen und Lied-Zitaten beleuchtet die Doku Swifts außergewöhnliche Karriere. Bild: -/ZDF/Netflix/dpa
Panorama
"Becoming Taylor Swift": Doku zeigt Aufstieg und Rückschläge

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Wie wurde Taylor Swift zum Popstar? Eine zweiteilige Doku zeigt ihre prägenden Jahre, Erfolge und Konflikte. "Becoming Taylor Swift" ist kurzweilig, hat aber auch eine auffällige Leerstelle.

Berlin.

Vom Country-Mädchen zum erfolgreichsten Popstar der Gegenwart: Taylor Swift ist vor den Augen der Welt erwachsen geworden. Seit dem Ende ihrer großen "Eras Tour" sind mittlerweile eineinhalb Jahre vergangen. Die zweiteilige Dokumentation "Becoming Taylor Swift" zeichnet den Weg der US-Sängerin hin zu diesem Welterfolg nun noch einmal nach. 

Regisseur Guy King beginnt dazu bei Swifts Anfängen in der Country-Szene von Nashville und lässt frühe Weggefährten, Journalisten sowie Fans zu Wort kommen. Die beiden Filme wurden für den britischen Sender Channel 4 produziert, ab heute sind sie im ZDF-Streamingportal zu finden. Im linearen Fernsehen wird die erste Folge am 12. Juni (0.45 Uhr, ZDF) ausgestrahlt.

Mit Beharrlichkeit zum Plattenvertrag

Anhand von Archivbildern, Tonaufnahmen und Lied-Zitaten beleuchtet die Doku Swifts außergewöhnliche Karriere. King geht dabei weitgehend chronologisch vor: Er zeigt, wie Swift schon als Kind erste Songs schreibt, wie sie sich mit viel Beharrlichkeit, Schreibtalent und der Unterstützung wohlwollender Eltern einen Plattenvertrag erarbeitet. Wie sie ihren Sound von Album zu Album immer weiterentwickelt, schließlich das Country-Genre ganz hinter sich lässt und sich als Popstar neu erfindet. 

Dass sie bewusst ein junges, weibliches Publikum anspricht und statt auf viel Haut auf große Gefühle setzt, unterscheidet sie den Experten zufolge in den 2000er und 2010er Jahren von anderen. "Sie bedient eine bis dahin unterrepräsentierte Zielgruppe", sagt die Journalistin Zing Tsjeng: "Junge Frauen und Mädchen, die jemanden suchen, der ihre Gefühle widerspiegelt - mit Songs, die sich anfühlen, als wären sie über ihr Leben geschrieben worden."

Rückzug und Comeback

Spannende Einblicke in diese frühen Jahre von Swifts Karriere liefern unter anderem ihr früherer Manager Rick Barker und die Journalistin Vanessa Grigoriadis, die Swift 2009 lange interviewte. Auszüge aus den Tonaufnahmen zeigen, wie viele Gedanken sich die damals 19-Jährige bereits um ihre Musik machte. Begleitend dazu erzählen langjährige "Swifties", wie sie mit den Liedern aufgewachsen sind und welche Parallelen sie zwischen ihrem und Swifts Leben ziehen. 

Der erste Teil endet mit einer Folge von Ereignissen, die Swift selbst in Liedern und Interviews oft als prägend bezeichnet hat: Ihre öffentliche Fehde mit dem Rapper Kanye West und dessen damaliger Frau Kim Kardashian im Jahr 2016 und ihren darauffolgenden Rückzug aus der Öffentlichkeit. Nach einem Jahr abseits des Scheinwerferlichts meldet sich die Sängerin 2017 mit dem Album "Reputation" zurück.

Die zweiteilige Dokumentation zeichnet die rund 20-jährige Karriere der Sängerin nach. (Archivbild)
Die zweiteilige Dokumentation zeichnet die rund 20-jährige Karriere der Sängerin nach. (Archivbild) Bild: Jordan Strauss/Invision/AP/dpa

Kein neues Interview mit Swift

"Becoming Taylor Swift" ist kein Musikfilm, und so werden weitere Alben in der zweiten Folge nur noch angerissen. Stattdessen geht es um ihre Versuche, eine politische Stimme zu finden, und den Kampf um die Rechte an ihren ersten sechs Alben. Als die Doku beim Start der "Eras Tour" und damit im Jahr 2023 ankommt, greift sie auf den Skandal mit Kanye West zurück: Es gebe für eine Frau keinen besseren Konter als kommerziellen Erfolg, sagt die Journalistin Tsjeng.

An diesem Punkt wird eine große Schwäche der Doku deutlich: Sie legt die Deutungshoheit über Swifts Beweggründe und Gefühle überwiegend in die Hände von Dritten. Die Musikerin kommt nur in Archivmaterial zu Wort - und dieses ist in weiten Teilen bekannt, etwa aus der Netflix-Doku "Miss Americana" (2020).

Kurzweiliger Überblick

Dass Swift diesmal nicht selbst spricht, fällt umso stärker auf, weil die 36-Jährige Interviews im vergangenen Jahr nicht gerade gescheut hat. Sie sprach zwei Stunden lang im Podcast ihres Partners Travis Kelce, gab zahlreiche Interviews rund um ihr neues Album "The Life of a Showgirl" und trat in Late-Night-Shows auf. Ende 2025 erschien bei Disney+ eine sechsteilige Dokureihe über die "Eras Tour". Und zuletzt veröffentlichte die "New York Times" ein langes Video-Interview über ihr Songwriting.

Wer diese Stoffe kennt, dürfte in "Becoming Taylor Swift" wenig Neues entdecken. Wer aber ohne viel Hintergrundwissen einsteigt, dem bietet Kings Doku einen kurzweiligen Überblick über Swifts Leben. (dpa)

© Copyright dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH
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