Panorama
Jubel in Laos: Goldsucher nach zehn Tagen aus Höhle geborgen

Freie Presse auf Google News folgen

Seit Tagen kämpften Retter in Laos gegen Wasser und klaustrophobische Tunnel. Jetzt die erlösende Nachricht: Der erste Goldsucher wurde aus der engen Höhle befreit. Was macht die Bergung so schwierig?

Vientiane.

Riesenfreude in Laos: Der erste von fünf in einer überfluteten Höhle in Laos eingeschlossenen Goldsucher ist geborgen worden. Zuvor sei so viel Wasser aus der Höhle abgepumpt worden, dass am Nachmittag (Ortszeit) eine sichere Rettung möglich geworden sei, teilte die laotische Rettungsorganisation Rescue Volunteer for People mit. 

Auf einem vom US-Sender CNN verbreiteten Video war am Abend zu sehen, wie der mit Schlamm bedeckte Mann langsam und von Helfern gestützt aus dem Berg stieg. Die anderen vier Männer sollen nun nach und nach aus ihrem klaustrophobischen Gefängnis befreit werden. 

Die Gruppe saß seit zehn Tagen Hunderte Meter vom Eingang entfernt fest, nachdem heftige Regenfälle die Goldmine der abgelegenen nördlichen Provinz Xaisomboun geflutet und einen Erdrutsch ausgelöst hatten. Kollegen, die sich retten konnten, hatten Alarm geschlagen.

Obwohl die Goldsucher schon am Mittwoch lebend in einer Kammer der Höhle entdeckt worden waren, dauerte es lange, bis die eigentliche Bergung starten konnte. Die Rettungsaktion galt wegen enger Tunnel, hoher Wasserstände und akuter Einsturzgefahr als extrem riskant. Gleichzeitig gibt es mittlerweile kaum noch Hoffnung, zwei weiterhin vermisste Männer lebend zu finden.

Ablauf intensiv geübt

Vor der Bergung hatten die Rettungsteams intensiv den Ablauf der Evakuierung geprobt. Nach Angaben der Einsatzkräfte wurde jedes Detail durchgespielt, um sowohl die Sicherheit der Männer als auch der Taucher in den extrem engen Tunneln der Höhle zu gewährleisten. Auf veröffentlichten Fotos und Videos war ein Retter zu sehen, der während der Übung auf einer speziell entwickelten Trage befestigt war, die eigens für die extrem schmalen Passagen konstruiert wurde. 

Die Retter mussten sich durch extrem enge Tunnel kämpfen.
Die Retter mussten sich durch extrem enge Tunnel kämpfen. Bild: Uncredited/Benz Norrased Palasing Seascout Diving/AP/dpa

Durch ununterbrochene Pumparbeiten seien die Wasserstände zuvor deutlich gesunken, hatte die laotische Rettungsorganisation weiter mitgeteilt. Darauf hatten die Teams gehofft. Erfahrene Höhlentaucher hatten zuletzt erklärt, dass die Goldsucher kaum durch die schmalen Tunnel hätten tauchen können, weil sie keinerlei Erfahrung hätten. 

Offenbar mussten sie nun aber doch zumindest zeitweise tauchen. Der malaysische Höhlentaucher Lee Kian Lie sagte der CNN, die Männer sollten jeweils das Bein eines voraus schwimmenden Tauchers festhalten, um sicher durch die überfluteten Tunnel geführt zu werden. "Es ist nicht einfach", kommentierte ein an der Rettung beteiligter thailändischer Taucher in sozialen Netzwerken. Weitere Details wurden zunächst nicht bekannt.

Angehörige warteten derweil vor der Höhle angespannt auf positive Nachrichten. "Ich bin so froh, dass sie gekommen sind, um uns zu helfen", zitierte der US-Sender CNN Samorn Ian, die Ehefrau eines der Männer. Sie habe seit dem Unglück nicht mehr schlafen können. "Aber zu wissen, dass mein Mann lebt, macht mich so glücklich."

Die eingeschlossenen Goldsucher gelten Experten zufolge als körperlich und mental sehr stabil.
Die eingeschlossenen Goldsucher gelten Experten zufolge als körperlich und mental sehr stabil. Bild: Uncredited/Benz Norrased Palasing Seascout Diving/AP/dpa

Keine Spur der zwei Vermissten

Für zwei weitere Vermisste gibt es hingegen kaum noch Chancen. Rettungskräfte hätten inzwischen rund 95 Prozent des Tunnelsystems durchsucht, bislang aber keine Spur der beiden entdeckt, sagte der finnische Höhlentaucher Mikko Paasi dem Sender ThaiPBS World. "Wir haben nicht mehr viele Orte übrig, an denen wir suchen können", erklärte er. Die Chancen seien "sehr gering".

Internationale Spezialisten wie der finnische Rettungstaucher Mikko Paasi beteiligen sich an der Rettungsmission.
Internationale Spezialisten wie der finnische Rettungstaucher Mikko Paasi beteiligen sich an der Rettungsmission. Bild: Uncredited/Metta Tham Rescue Kalasin/AP/dpa

Paasi gilt als einer der erfahrensten Höhlentaucher weltweit und unterstützt die Koordination der Mission in Laos. Bereits bei der spektakulären Rettung eines Jugendfußballteams aus der Tham-Luang-Höhle in Thailand im Jahr 2018 spielte er eine entscheidende Rolle. Auch diesmal gehörte er zu den Spezialisten an vorderster Front.

Es gebe in den bislang unzugänglichen Bereichen der Höhle keine trockenen Stellen, an denen Menschen eine Woche lang hätten überleben können, betonte Paasi mit Blick auf die zwei als verschollen geltenden Männer. Die Suche nach ihnen soll aber fortgesetzt werden.

"Wir tasten mit Armen und Beinen"

Die Rettung galt von Anfang an als hochriskant. Nach Angaben der Taucher herrscht in den engen Tunneln praktisch keine Sicht. "Unter Wasser tasten wir mit Armen und Beinen", sagte Paasi. Teilweise müssten Taucher sogar ausatmen, um sich durch die engen Passagen zwängen zu können. Zudem bestehe bei Regen jederzeit die Gefahr neuer Überflutungen oder Einstürze.

Die Einsatzkräfte hatten auch nach alternativen Zugängen und natürlichen Schächten im Berg gesucht, durch die eine Rettung möglich wäre. Jedoch offenbar erfolglos.

Die Retter hatten sich entschieden, wegen des gesunkenen Wasserstandes die Bergung zu wagen.
Die Retter hatten sich entschieden, wegen des gesunkenen Wasserstandes die Bergung zu wagen. Bild: -/Metta Tham Rescue Kalasin/AP/dpa

Derweil haben die Behörden mit schwerem Gerät eine Straße durch den Dschungel zur Höhle gebaut - denn die abgelegene Region ist extrem schwer zugänglich. Damit sollte unter anderem Krankenwagen die Anfahrt erleichtert werden. Zudem entstand ein Auffangbecken für das abgepumpte Wasser.

Eingeschlossene an enge Räume gewöhnt

Die fünf Überlebenden seien körperlich und mental erstaunlich stabil, hatte Paasi schon vor der Bergung erklärt. Als Bergarbeiter seien sie an enge unterirdische Räume gewöhnt und litten nicht unter Platzangst. Auch hätten sie Nahrung und Wasser dabeigehabt, weil sie ohnehin mehrere Tage in der Mine verbringen wollten. Jedoch sollen sie zuletzt extrem hungrig gewesen sein und betont haben, sie könnten nicht mehr lange durchhalten, wie Medien unter Berufung auf die Retter schrieben.

Auch weitere internationale Spezialisten waren zuletzt angefordert worden. Unter anderem erreichten Berichten zufolge mittlerweile der australische Tauchspezialist Josh Richards sowie weitere Experten unter anderem aus Japan und Frankreich die Unglücksstelle, um die Bergung zu unterstützen. (dpa)

© Copyright dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH
Das könnte Sie auch interessieren
28.05.2026
5 min.
Hochriskante Bergung der Goldsucher aus Höhle in Laos
Hochriskante Bergung der Goldsucher aus Höhle in Laos - Die Männer leben - aber die Bergung gestaltet sich schwierig.
In Laos warten fünf Goldsucher in einer klaustrophobischen Höhle auf ihre Bergung. Höhlentaucher sprechen von einer hochriskanten Mission. Jetzt reist ein Tauchspezialist aus Australien an.
Carola Frentzen, dpa
27.05.2026
4 min.
Fünf Goldsucher in Laos-Höhle gerettet – Suche geht weiter
Fünf Goldsucher in Laos-Höhle gerettet – Suche geht weiter - Die Suche in der gefluteten Höhle war extrem schwierig.
Tränen, Umarmungen, pure Erleichterung: Nach über einer Woche werden fünf Goldsucher lebend in einer gefluteten Höhle in Laos gefunden. Doch zwei Männer bleiben verschwunden.
Carola Frentzen, dpa
17:00 Uhr
2 min.
Nach langem Kampf: Kurorte auch im Vogtland erhalten zusätzliches Geld vom Freistaat
Nach langem Kampf: Kurorte auch im Vogtland erhalten zusätzliches Geld vom Freistaat - Der Rosengarten von Bad Elster wird in Regie der Kommune gepflegt. Für derlei Aufwendungen gibt es jetzt zusätzliches Geld vom Freistaat.
Der Freistaat stellt ab 2027/28 sieben Millionen Euro jährlich für die 14 staatlich anerkannten Kurorte in Sachsen bereit.
Tino Beyer
29.05.2026
2 min.
Tödlicher Badeunfall am Stausee Rabenstein: Großaufgebot an Einsatzkräften suchte zwei Stunden lang nach dem Opfer
Tödlicher Badeunfall am Stausee Rabenstein: Großaufgebot an Einsatzkräften suchte zwei Stunden lang nach dem Opfer - Bei einem Badeunfall am Stausee Rabenstein ist am Donnerstagabend ein Mann ertrunken.
Mit mehreren Booten, Drohnen und Spezialtauchern wurde am Donnerstagabend ein Mann gesucht, der 25 Meter vom Ufer entfernt untergegangen war. Er konnte nur noch tot geborgen werden. Mittlerweile steht seine Identität fest.
Benjamin Lummer
17:00 Uhr
2 min.
800 Jahre Kaufungen: Festwochenende ist gestartet
800 Jahre Kaufungen: Festwochenende ist gestartet - Die letzten Vorbereitungen: Klaus Liedtke, Ortsvorsteherin Annett Groh und Silke Linnemann.
Mit mehreren Veranstaltungen und einem großen Umzug am Sonntag feiert Kaufungen sein großes Jubiläum.
Jonas Patzwaldt
28.05.2026
3 min.
Das ist die meistgestellte Frage der Kunden der Oederaner Bäckerei Möbius
Das ist die meistgestellte Frage der Kunden der Oederaner Bäckerei Möbius - Mandy Kiesewalter und Markus Grimm zeigen Überraschungstüten, wie sie auch in der Filiale der Bäckerei Möbius an der Kesselgasse in Freiberg angeboten werden.
Wo landen die nicht verkauften Waren des Bäckereibetriebs? Darauf gibt es viele Antworten. Eine Variante ist jetzt entfallen. Dafür soll eine Idee in einem Freiberger Geschäft umgesetzt werden.
Jan Leißner
Mehr Artikel