Im Alter von 82 Jahren stürmt Reinhard Mey derzeit nochmal die Charts. Auslöser ist eine Netflix-Doku. Doch mit dem verspäteten Ruhm ist er nicht alleine. Ein überblick.
Auf seine alten Tage erlebt Reinhard Mey („Über den Wolken“, „Gute Nacht, Freunde“) nochmals einen Karriereschub. Sein Song „In meinem Garten“ aus dem Jahr 1970 ist quasi über Nacht wieder in aller Munde – und weit hoch in die deutschen Charts geschossen.
Derzeit steht es dort auf Platz 15, eingerahmt von Jazeeks „Akon“ (Platz 16) und „Mann im Spiegel“ von Rapper Haftbefehl. Und Letzterem verdankt Mey auch sein Popularitätsrevival. Denn wie bereits in der „Freien Presse“ berichtet, ist Meys Song in einer Schlüsselszene der Haftbefehl-Doku „Babo – Die Haftbefehl-Doku“ zu hören.
Der 39 Jahre alte Rapper (bürgerlich: Aykut Anhan) sitzt depressiv im Backstagebereich, auf dem Handy läuft „In meinem Garten“. Und Haftbefehl singt mit. In Meys Song geht es um Fürsorge und Vergänglichkeit. Der Garten als Sinnbild fürs eigene Leben.
Nach der Doku wurde das Lied zum Hit, ist inzwischen der beliebteste Mey-Song auf Spotify. Erst danach folgt Meys bis dato wohl bekanntestes Stück „Über den Wolken“.
USA for Africa: „We are the World“
Dass ein Film einen Song oder Künstler Jahre später (wieder) populär macht, ist aber keineswegs auf Reinhard Mey beschränkt. In den zurückliegenden Jahren gab es mehrere Beispiele.
So wurde etwa der Welthit „We are the World“ (1985) durch die Netflix-Doku „The greatest night in pop“ aus dem Jahr 2024 einer ganz neuen Generation bekannt.
Der seinerzeit von Michael jackson und Lionel Richie geschriebene Song stieg erneut in die Billboard-Charts ein, löste einen nostalgischen Social-Media-Hype rund um die Künstler aus.
An dem Lied sangen einst u.a. Tina Turner, Billy Joel, Bruce Springsteen, Cindy Lauper und Stevie Wonder mit. Die Single verkaufte sich über 20 Millionen Mal.
Nickelback: „How you remind me“
Ebenfalls im Jahr 2024 erschien bei Netflix „Hate to Love: Nickelback“. Die kanadische Rockband schaffte ihren großen Durchbruch im Jahre 2001 mit dem Song „How you remind me“. Darin blickt ein Mann auf die zerbrochene Beziehung zu seiner Ex zurück.
Durch die Doku gelang „How you remind me“ ein Comeback in den Hard-Rock-Songcharts.
Kenny Rogers & Dolly Parton: „Islands in the Stream“
Im Jahr 1983 erschien das Duett „Islands in the Stream“ der Country-Legenden Kenny Rogers und Dolly Parton. Geschrieben und produziert von den Bee Gees. Nach Erscheinen kletterte der Song damals in den USA auf Platz eins der Billboard-Charts, in Deutschland auf Platz 25.
Der Song wurde auch in der Netflix-Miniserie „Beckham“ aus dem Jahr 2023 verwendet, in der es um den kometenhaften Aufstieg des Fußballprofis David Beckham geht.
In einer Szene tanzt David mit seiner Frau Victoria – dazu singen sie „Islands in the stream“. Auf TikTok löste das einen Trend von Nachahmern aus.
Natasha Bedingfield: „Unwritten“
Keine Doku, dafür eine Rom-Com aus dem Jahr 2023 verhalf einem weiteren älteren Song zu neuer Bekanntheit. Am Ende von „Wo die Lüge hinfällt“ (engl. „Anyone but you“) tanzen Sydney Sweeney und Glen Powell, dazu läuft „Unwritten“ von Natasha Bedingfield von 2004.
Auch hier ging der Song anschließend auf TikTok steil, die Streamingzahlen für Bedingfields Lied stiegen an.
Sophie Ellis-Bextor: „Murder on the Dancefloor“
Im Jahr 2001 lief „Murder on the Dancefloor“ von Sophie Ellis-Bextor überall rauf und runter. Dann folgte ein lange Jahre dauernder Dornröschenschlaf für den Tanzkracher. Bis Ende 2023.
Da startete der Thriller „Saltburn“ in den Kinos. Als der Film schließlich das Streamingportal Amazon Prime erreichte, entdeckten Social-Media-User das Lied erneut. Und so wurde es - über 20 Jahre nach release - auf TikTok ein Hit.
Kate Bush: „Running up that Hill“
Im August 1985 erschien die Single „Running up that Hill“ von Kate Bush als erste Auskopplung ihres Albums „Hounds of Love“. Sowohl in den USA als auch in Deutschland schaffte es der Song auf Platz 3 der Charts.
Im Jahr 2022 kletterte er dann erneut nach oben - bis auf Platz 23 (USA) bzw. 35 (Deutschland). Der Grund? Durch die Netflix-Serie „Stranger Things“ war ein junges Publikum auf das Lied aufmerksam.
Sixto Rodriguez: „Sugar Man“
Weniger um Romantik, dafür um die Suche zweier südafrikanischer Musik-Fans nach einem Künstler ging es in der Doku „Searching for Sugar Man“ aus dem Jahr 2012.
Sixto Rodriguez hatte Anfang der 1970er zwei Platten in den USA veröffentlicht, die in Südafrika populär wurden – darunter auch sein Song „Sugar Man“.
2013 gab es für die filmische Suche den Oscar als bester Dokumentarfilm. Der Song „Sugar Man“ kletterte in die Charts und verpasste der Karriere von Rodriguez eine späte Renaissance.
Buena Vista Social Club: „Chan Chan“
Einen globalen Hype löste schließlich Wim Wenders Dokumentarfilm „Buena Vista Social Club“ aus dem Jahr 1999 aus. Der über das gleichnamige Musikprojekt machte kubanische Musik weltweit (wieder) bekannt.
Die betagten Musiker (u.a. Ibrahim Ferrer, Company Segundo) gingen international auf Tour, das Album verkaufte sich wie geschnitten Brot. Unter anderem der Song „Chan Chan“ war 1999 überall zu hören. (phy)







