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„Offenbarungseid und Schande“: Dieses neue Tagesschau-Angebot sorgt für Wirbel

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Ein neues Angebot der ARD soll die Nachrichten leichter verständlich machen, sorgt im Netz aber für Debatten: Die Rede ist von der Tagesschau in „Einfacher Sprache“.

Hamburg.

Die vereinfachte Form der deutschen Sprache verzichtet auf komplizierten Satzbau und Fremdwörter. Ziel: Menschen mit Inhalten erreichen, die zum Beispiel Probleme mit Lesen oder Sprachverständnis haben. Seit Mittwoch bietet auch das Nachrichtenflaggschiff der ARD, die Tagesschau, Inhalte in „Einfacher Sprache“ an.

Millionen lesen und schreiben auf Viertklässler-Niveau

„Etwa 17 Millionen Erwachsene in Deutschland haben Probleme damit, komplexe Texte zu verstehen“, ist auf der Homepage der Sendung zu lesen. Die Redaktion bezieht sich auf eine LEO-Studie von 2018, der zufolge diese Zahl an Personen im Alter von 18 bis 64 Jahren in der Bundesrepublik nur auf dem Niveau der vierten Klasse lesen und schreiben können – oder gar noch schlechter. „Diese Menschen lernen gerade erst Deutsch oder sie hatten nicht die Chance auf eine gute Bildung. Oder sie haben eine Hör-, Lese- oder Lernschwäche - oder eine Krankheit, wie etwa einen Schlaganfall.“

Vertrauenswürdige tagesaktuelle Nachrichten für alle seien laut ARD-Sendung nicht nur wichtig, um sich informieren zu können, sondern auch, um am gesellschaftlichen Diskurs teilzuhaben. „Doch die klassischen Nachrichten sind nicht immer für alle Menschen verständlich.“ Darum das neue – bundesweit erste tagesaktuelle - Fernsehnachrichtenangebot.

Bei der Premiere am Mittwoch begrüßte Moderatorin Susanne Holst die Zuschauer nicht mit dem gewohnten „Guten Abend, meine Damen und Herren“ – stattdessen hieß es: „Willkommen zur Tagesschau in ‚Einfacher Sprache‘.“

 

Sprache erinnert an „Sendung mit der Maus“

Der Satzbau fiel im Vergleich zur regulären Sendung spürbar simpel aus. So hieß es angesichts des neuen Wehrdienstmodells von Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) etwa: „In Deutschland heißt das Militär ‚Bundeswehr‘. Bei der Bundeswehr arbeiten Soldaten. Wenn es einen Angriff gibt, dann müssen die Soldaten kämpfen. Das ist Verteidigung. Der Minister für Verteidigung heißt Pistorius. Pistorius sagt: ‚Wenn es einen Angriff gibt, dann haben wir nicht genug Soldaten.‘“

Was so manchen Zuschauer an die beliebte „Sendung mit der Maus“ erinnern dürfte, sorgte im Netz für Debatten. Schnell waren alle Zweifel ausgeräumt, wer das Format begrüßt und wer es kategorisch ablehnt.

Ulrich Schneider: „So geht Inklusion“

Klarer Fan ist etwa Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes. „Ausgezeichnet! So geht Inklusion“, ließ er auf X (ehemals Twitter) wissen. Ein User empfand Spott über das Format als „selbstgerecht und billig“. Er verglich die „Einfache Sprache“ mit einem anderen Angebot, fragte: „Und warum regt sich eigentlich niemand über die Gebärdensprache auf, die seit Jahren - zu Recht! - zum Angebot der Tagesschau gehört?“

Derweil witzelte eine Nutzerin: „Ich verstehe das so, dass es jetzt eine Tagesschau im Format der Sendung mit der Maus extra für die Anhänger der AfD geben soll, damit die auch mal die Zusammenhänge verstehen…“ Aufgeschlossen für das neue Angebot zeigte sich Ex-Bild-Chef Julian Reichelt: „‘Einfache Sprache‘ kann sehr wichtig sein für Menschen, die dem politischen und gesellschaftlichen Geschehen sonst nicht folgen können.“ Seine Bedenken: „Das Problem sind die Inhalte, mit denen nun auch Menschen erreicht werden sollen, die das vielleicht intellektuell nicht hinterfragen können.“

Ablehnung für neues Format

Als „Offenbarungseid und Schande für unser Bildungssystem“ bezeichnete derweil ein anderer User das Format. Ein weiterer ätzte: „Gute Nachrichten: Das sprachliche Niveau der Tagesschau wurde endlich der inhaltlichen Qualität angepasst.“

Wiederum ein anderer witzelte mit Blick auf den Rundfunkbeitrag: „Liebe Tagesschau, ich zahle GEZ. Ich will nicht GEZ zahlen. GEZ ist teuer. Für viel Geld bekommt man nichts. Das muss man ändern. Wann Testbild für immer? Alle glücklich.“

Zu sehen ist die „einfache“ Version Tagesschau jeweils ab 18 Uhr auf der Homepage der Sendung sowie in der App, auf YouTube und um 19 Uhr auf dem Digitalsender Tagesschau24. (phy)

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