Panorama
Sommer-Blockbuster: Was passiert da mit dem Kino?

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Blockbuster wie Christopher Nolans "Die Odyssee" oder Steven Spielbergs "Disclosure Day" brechen Rekorde – noch bevor sie überhaupt zu sehen sind. Doch der Hype ist kein Zufall.

Paris.

Noch hat niemand Christopher Nolans "Die Odyssee" gesehen. Und auch der neue Spider-Man erscheint erst in einigen Wochen in den Kinos. Trotzdem haben diese Filme bereits Millionen Zuschauer – ebenso wie Steven Spielbergs "Disclosure Day – Der Tag der Wahrheit", der Anfang Juni angelaufen ist und dessen Trailer im Vorfeld millionenfach angeklickt wurde.

Für Nolans Verfilmung von Homers Epos, die in diesem Juli in die Kinos kommt, kauften Fans ihre Tickets ein Jahr im Voraus – viele, ohne auch nur eine einzige Szene gesehen zu haben. Als die begehrten IMAX-70mm-Vorführungen, ein besonders aufwendiges Kinoformat mit enormer Bildfläche und außergewöhnlicher Schärfe, in den Verkauf gingen, waren ganze Vorstellungen innerhalb weniger Stunden ausverkauft.

Vorab-Hype

Spielbergs "Disclosure Day – Der Tag der Wahrheit" zeigt die Anziehungskraft eines Regisseurs, der das moderne Blockbuster-Kino einst mit erschaffen hat. Der finale Trailer wurde laut Branchenblättern binnen weniger Tage millionenfach angeklickt. Und beim neuen "Spider-Man: Brand New Day" von Destin Daniel Cretton erreichte die Begeisterung noch einmal eine andere Dimension: Die ersten Bilder wurden nach Angaben von "Variety" innerhalb weniger Tage mehr als eine Milliarde Mal auf digitalen Plattformen angesehen. 

Zu den Blockbuster-Favoriten gehört auch das für August angekündigte Endzeitdrama "Das Ende der Sterne" von Ridley Scott. Noch fehlt der Social-Media-Hype - was nicht zwingend gegen ihn als Sommer-Blockbuster spricht. 

Nicht jeder Blockbuster wird als Blockbuster geboren

Auch "Titanic" oder "Top Gun: Maverick" galten vor ihrem Start nicht als sichere Phänomene. Erst begeisterte Zuschauer, Mundpropaganda und immer neue Besucher verwandelten sie in die Filme ihrer Generation. 

Die Gemeinsamkeit der Filme ist nicht nur ihr Budget, ihre renommierten Regisseure, ihre Stars oder ihre Spezialeffekte. Sie sollen Menschen ins Kino locken – in einer Zeit, in der Filme jederzeit zu Hause verfügbar sind. 

Vom "Weißen Hai" zur Blockbuster-Ära

Dabei schien die Zukunft des Kinos längst entschieden. Seit Jahrzehnten wird sein Ende vorhergesagt: erst durch das Fernsehen, dann durch die Videokassette, später durch DVDs und schließlich durch die Streamingplattformen. Warum das Haus verlassen, wenn Filme jederzeit verfügbar sind?

Doch genau diese Frage wurde schon einmal gestellt. Als Mitte der 1970er Jahre die Fernsehgeräte die amerikanischen Wohnzimmer eroberten, galt das Kino vielen als Auslaufmodell. Die Antwort Hollywoods kam im Sommer 1975 in Gestalt eines riesigen weißen Hais.

Mit Spielbergs "Der weiße Hai" beginnt gemeinhin der moderne Sommer-Blockbuster. Der Film, der 2025 sein 50. Leinwandjubiläum feierte, markierte eine Zäsur, weil er zeigte, wie ein Kinostart zu einem massenhaft geteilten Sommerereignis werden kann: simultaner Start in Hunderten Kinos, massive Werbekampagnen und ein Publikum, das denselben Film zur gleichen Zeit erlebt.

Das Phänomen "Barbenheimer"

Dass dieses Modell wieder funktioniert, zeigte sich bereits im Sommer 2023. Als "Barbie" von Greta Gerwig und "Oppenheimer" von Christopher Nolan zeitgleich in die Kinos kamen, entwickelte sich daraus eines der ungewöhnlichsten Kulturphänomene der vergangenen Jahre. 

Aus zwei völlig unterschiedlichen Filmen entstand ein gemeinsames Ereignis. Menschen verkleideten sich für Kinobesuche, planten Doppelvorstellungen und diskutierten wochenlang in sozialen Netzwerken über "Barbenheimer". 

Kino als Ort der Gemeinsamkeit

Der Sommer-Blockbuster verkauft ein Erlebnis. Die Gewissheit, etwas auf der größtmöglichen Leinwand zu sehen. Das Gefühl, gemeinsam mit Hunderten Fremden zu lachen, zu erschrecken oder zu staunen. 

Die Generation, die mit Streaming, Smartphones und sozialen Medien aufgewachsen ist, verbringt einen großen Teil ihres Alltags in digitalen Räumen. Umso attraktiver werden Orte, an denen sich Gemeinschaft physisch erfahren lässt. Konzerte boomen, Festivals verzeichnen Rekordzahlen, Sportstadien sind ausverkauft. 

Der Sommer als Verstärker? 

Auch ein anderer Faktor könnte eine Rolle spielen: der Sommer selbst. Schon in den Vereinigten Staaten der Nachkriegszeit galten klimatisierte Kinos als Zufluchtsorte vor der Hitze. Während die Sommer in vielen Teilen der Welt immer heißer werden, bleibt der Kinosaal ein dunkler, kühler Raum. Das allein erklärt den Erfolg von Nolan, Spielberg oder Spider-Man nicht. Kein Motor des Erfolgs, aber ein leiser Verstärker. (dpa)

© Copyright dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH
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