Thomas Gottschalk und seine Frau Karina. Als sie merkte, dass mit ihrem Ehemann etwas nicht stimmte, schickte sie ihn zum Arzt.
Thomas Gottschalk und seine Frau Karina. Als sie merkte, dass mit ihrem Ehemann etwas nicht stimmte, schickte sie ihn zum Arzt. Bild: Felix Hörhager/dpa
Panorama
Thomas Gottschalk an Krebs erkrankt: Rettete ihm seine Frau das Leben?

Am Sonntagabend machte Thomas Gottschalk seine Erkrankung öffentlich. Nun sprach seine Ehefrau über den Moment, als sie merkte: Mit ihrem Mann stimmt etwas nicht. Ihr beherztes Handeln rettete ihm womöglich das Leben.

Chemnitz.

Nach zwei öffentlichen Auftritten hatten sich medial als auch im Netz viele Stimmen verwundert über Thomas Gottschalk gezeigt. Teils wurden auch Spott und Häme über den Show-Titan ausgekippt. Am Sonntag wurde dann öffentlich: Der 75-Jährige leidet an aggressivem Krebs, stand bei den diskutierten Auftritten unter starken Schmerzmitteln. Nun sprach seine Frau Karina über den Moment, als sie ihrem Mann womöglich das Leben rettete.

Anfang Juli bemerkte Karina Gottschalk, dass mit ihrem Mann etwas nicht stimmte, schildert sie gegenüber der Bild-Zeitung. Der Mann, der jahrzehntelang öffentlich laut und kess auftrat, stets eine schillernde Figur war, war daheim plötzlich leise: „Thomas wurde zusehends stiller und blasser und musste öfter zur Toilette. So kannte ich ihn nicht.“ Obendrein bemerkte sie, „dass er sich nicht mehr so doll bewegen wollte“.

Karina schickte Thomas zum Arzt

Zum Arzt wollte er jedoch nicht. Also nahm seine Frau das Szepter in die Hand, machte einen Termin für den 75-Jährigen im Klinikum Rechts der Isar in München aus. Genauer: bei Prof. Jürgen Erich Gschwend, dem Leiter der Urologie.

„Es wurden verschiedene Untersuchungen gemacht“, schildert Gottschalks Frau. „Prof. Gschwend sagte, Thomas müsse sofort operiert werden. Es sei eine seltene, aggressive Form von Krebs.“

Die Operation dauerte sieben Stunden, ein zweiter Eingriff folgte vier Tage später. Dem Showmaster wurde ein Teil der Harnleiter sowie der Blase und umliegendes Weichgewebe entfernt. Es folgten 33 Bestrahlungen.

Laut, schlagfertig, extravagante Anzüge: So kennen die Fans Thomas Gottschalk seit Jahrzehnten.
Laut, schlagfertig, extravagante Anzüge: So kennen die Fans Thomas Gottschalk seit Jahrzehnten. Bild: Philipp von Ditfurth/dpa

Seither nimmt Gottschalk Opiate gegen die Schmerzen. Gschwend gegenüber Bild: „Das Ziel der Behandlung ist ganz klar die Heilung!“ Jedoch: „Diese Krebsart ist sehr aggressiv.“

Karina Gottschalk ist froh, dass die Erkrankung ihres Mannes so früh erkannt wurde. „Wenn wir ein halbes Jahr gewartet hätten …“. Ihre Stimme bricht. „Mein Gott, ich weiß gar nicht, ob Thomas heute noch am Leben wäre.“

So aggressiv ist das epitheloide Angiosarkom

Gottschalk ist an einem epitheloiden Angiosarkom erkrankt. Dabei handelt es sich um einen sehr seltenen bösartigen und rasch wachsenden Tumor, der sich aus den Zellen entwickelt, die die Blutgefäße auskleiden. Angiosarkome können überall im Körper auftreten. Die epitheloide Variante gilt als besondere Form, sie tritt überwiegend bei Männern auf und betrifft vor allem die tiefen Weichteile.

Wenn der Tumor so wächst, dass er sich um Blutgefäße legt und diese verengt oder verschließt – was besonders bei epitheloiden Angiosarkomen vorkommt – kann es im fortgeschrittenen Stadium zu schweren und schwer behandelbaren Durchblutungsschmerzen (Ischämieschmerzen) kommen. Angiosarkome machen oft lange Zeit keine Beschwerden und werden daher vielfach erst spät erkannt - was mit ein Grund für die schlechte Prognose bei dieser Krebsart ist.

Die Überlebensprognose ist oft ungünstig. Rezidive (Wiederauftreten nach Phase der Besserung) und Metastasen sind eher die Regel als die Ausnahme. Liegt bereits eine Metastasierung vor, liegt die Zwei-Jahres-Überlebensrate nach Angaben der Deutschen Sarkom-Stiftung nur noch bei 13 Prozent.

Der Showmaster muss sich nun alle acht bis zwölf Wochen Untersuchungen unterziehen. „Dabei wird der Körper während einer PET-CT-Untersuchung auf neue Tumoraktivitäten untersucht“, erklärt Gschwend.

Die nächste Untersuchung steht in zwei Monaten an. „Da zittern wir hundertprozentig. Wie alle anderen Krebspatienten auch“, so seine Frau. „Aber wir hoffen und bleiben positiv.“ (phy/mit dpa)

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