Wer den Bundeskanzler schon immer mal etwas fragen wollte, hatte am Montagabend dazu im Ersten die Gelegenheit. Was unter anderem gefragt wurde und wie die Reaktionen im Netz ausfielen.
Ob Stadtbild-Aussage, Rente, AfD oder Nahostkonflikt: Am Montagabend stellte sich Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) dem Publikum in der ARD-Show „Die Arena“, moderiert von Louis Klamroth („Hart aber fair“) und Jessy Wellmer („Tagesthemen“).
Gleich zu Beginn fragte ihn ein Weinbauer: „Sie haben vor ungefähr zwei Jahren Olaf Scholz einen Klempner der Macht genannt und damit auch seine Regierungsfähigkeit infrage gestellt. Mit welchem Handwerker würden Sie sich vergleichen?“ Merz lächelnd: „Maurer.“ Eine Anspielung auf die Brandmauer zur AfD? Aber auch: „Notarzt, wenn man auf das Land schaut und die Herausforderungen, vor denen wir stehen.“
Merz zur Stadtbild-Aussage
Apropos Medizin: Eine Medizinstudentin aus NRW mit Migrationshintergrund sprach Merz auf seine vor rund zwei Monaten getätigte Stadtbild-Aussage an.
Bezugnehmend auf das deutsche Gesundheitssystem, welches auf Migration angewiesen ist, wollte sie wissen: „Was glauben Sie, haben solche Aussagen für einen Einfluss auf den Zusammenhalt in der Gesellschaft?“
Der Kanzler erklärt: „Jeder, der guten Willens war, wusste, was ich meinte.“ Räumt dann ein: „Ich hätte vielleicht früher sagen sollen, was ich konkret damit meine.“ Er verweist auf die Zustände in Schwimmbädern, an Bahnhöfen. Spricht über „viele Städte, die völlig verwahrlosen“. Er mahnt: „Das müssen wir ändern.“
Und beteuert, seine Aussage, die von manchen als rassistisch kritisiert wurde, „hatte nichts mit Äußerlichkeiten“ zu tun.
Kanzler will AfD-Regierung verhindern
Ein Mann aus dem Publikum befragte Merz hinsichtlich der Brandmauer zur AfD. Er zeigte sich überzeugt: Deren Wähler seien nicht alle Rechtsextreme. Viel mehr hätten diese sich von anderen Parteien abgewendet „weil sie den Glauben verloren haben, dass dort die Zukunftsprobleme gelöst werden“.
Der Kanzler wolle verhindern, dass hinter der Brandmauer irgendwann „die Mehrheit der Wählerinnen und Wähler steht“. Er betonte abermals: „Ich werde auch mit dieser Partei an keiner Stelle zusammenarbeiten.“ Die AfD sei nur deshalb so groß geworden, „weil wir nicht mehr gut genug waren“. Mit „wir“ meinte Merz nicht nur CDU und CSU, sondern auch die SPD.
Die AfD sei „im Osten ein besonderes Problem“ und Ost-Kollegen sagten ihm: „Wir sind Euch nur fünf Jahre voraus. Wenn Ihr so weitermacht, habt Ihr das Problem im Westen ganz genau so.“ Der Kanzler versprach: „Ich werde alles tun, um zu verhindern, dass diese Partei in Deutschland irgendwo in die Regierungsverantwortung kommt.“
Kritik an Merz‘ Migrations-Aussage
Wie kam der Auftritt des Bundeskanzlers im Netz an? Unter anderem die Passage zur Stadtbild-Aussage wurde rege kommentiert. Merz selbst teilte die Sequenz auf seinem X-Account, notierte dazu: „Wir brauchen Migration und Einwanderung – und wir brauchen wieder sichere, lebenswerte Städte.“
Eine Userin kommentierte: „Wir brauchen keine Migration von Männern, die Frauen und Juden verachten.“ Ein anderer kritisierte: „Wir sind jetzt schon mit der Integration der Einwanderer heillos überfordert, wie soll das gehen, wenn noch mehr kommen?“
Wiederum ein weiterer schrieb: „Wer in 2025 immer noch pauschal sagt: ‚Wir brauchen Migration‘ statt ‚Wir brauchen qualifizierte und integrationswillige Fachkräfte aus dem Ausland‘, hat immer noch nicht verstanden, was die AfD stark macht.“ Für einen User war der Auftritt schlicht ein „Wahlwerbesport der AfD“.
Lob gab es für Merz‘ Stadtbild-Erläuterungen hingegen vom bekannten Mediziner Cihan Çelik: „Vielen Dank für die klarstellenden und selbstkritischen Worte!“ Derweil ging ein anderer den CDU-Kanzler an: „Sie sind eine einzige Enttäuschung.“
Das Netz-Fazit zur Sendung? Die Meinungen gingen wie üblich auseinander. Eine Nutzerin war sich sicher: „Friedrich Merz hat sich gut geschlagen, souveräner Auftritt, wenn man ihn so hört fragt man sich, warum er sich in der Koalition nicht durchsetzt.“
Ein anderer bilanzierte ernüchtert: „Gemischte Fragen, belanglose Antworten, klatschende Moderatoren, die sich kleiden wie Che Guevara.“ (phy)






