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Wissenschaftler empfehlen dritte Impfdosis für Senioren im Herbst

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53 Prozent der Deutschen haben ihre Erst-Impfung gegen Covid-19. 34 Prozent sind zweit- und damit durchgeimpft. Inzwischen rät man zur Auffrischung.

Chemnitz.

Während aktuell 44 Millionen Menschen in Deutschland ihre erste und über 28 Millionen auch die zweite Impfung gegen das Virus Sars-Cov-2 erhalten haben, denken Wissenschaftler nun über dritte Impfungen nach. Ein halbes Jahr nach Start der Impfkampagne am 27. Dezember empfehlen Experten für Herbst Auffrischung des Impfschutzes bei Senioren und Menschen mit Immunschwäche.

"Ich gehe davon aus, dass wir bei älteren Menschen, die zu Beginn dieses Jahres ihre Erst- und Zweitimpfung erhalten haben, eine nachlassende Immunantwort sehen", sagt Leif Erik Sander, Infektionsimmunologe an der Berliner Charité. Er halte für möglich, dass es ohne sogenannte "Booster"-Impfungen im Winterhalbjahr in Pflegeeinrichtungen zu weiteren Infektionen komme. Auch für Menschen mit geschwächtem Immunsystem sei eine Auffrischung im Oktober sinnvoll.

In der englischen Universitätsstadt Cambridge läuft seit zwei Wochen ein Versuch, der sieben der verfügbaren Vakzine auf ihre Eignung als Booster für die jeweils anderen Impfstoffe überprüft.

Bis zur möglichen Auffrischung im Oktober soll in Deutschland aber zunächst der kompletten impffähigen und impfwilligen Bevölkerung ein vollständiger Impfschutz angeboten werden. Laut Bundesgesundheitsministerin Jens Spahn (CDU) will man das Ziel bei Erwachsenen bis Ende Juli erreichen, bei zwölf- bis 16-Jährigen bis Ende August. Die Impfbereitschaft sei hoch, betont der Leiter des Robert-Koch-Instituts, Lothar Wieler. Laut aktuellen Befragungen wollen sich über 80 Prozent der Menschen impfen lassen.

Besonders wichtig scheint der vollständige Impfschutz, für den bei den meisten Vakzinen zwei Dosen nötig sind, angesichts zunehmender Verbreitung der Delta-Variante des Virus. Es sei "nicht die Frage ob, sondern nur wann" Delta wie bereits in Großbritannien auch in Deutschland die noch dominierende Alpha-Variante ablöse, sagte Wieler am Freitag in Berlin. Die zunächst in Indien entdeckte Delta-Variante gilt als sehr ansteckend. Laut RKI macht sie auch rund doppelt so viele Klinikeinweisungen nötig wie Erkrankungen mit der Alpha-Form. Laut Wieler landen aktuell elf Prozent der Delta-Infizierten in Kliniken. Besonders ausgeprägt sei dies bei Menschen zwischen 15 und 34 Jahren.

Auch im bereits zu über 55 Prozent durchgeimpften Israel wurden am Montag erstmals seit April wieder mehr als 100 Neuinfektionen an einem Tag nachgewiesen, die meisten in Verbindung mit der Delta-Variante. Unter den Neuinfizierten sind auch in Israel viele jüngere Menschen und geimpfte Personen.

Selbst wenn bisher zugelassene Impfstoffe eine Delta-Infektion nicht immer zu verhindern scheinen, senken sie nach bisheriger Erkenntnis doch das Risiko eines schweren bis tödlichen Verlaufs - doch scheint dabei vollständiger Impfschutz wichtig. Angesichts dessen gibt es eine Diskussion um Verkürzung der Abstände zwischen den beiden Termine einer Zweifach-Impfung. Es gebe Argumente dafür und dagegen, sagt der Leiter der Ständigen Impfkommission (Stiko), Thomas Mertens. Die Stiko empfiehlt bislang längere Zeitabstände, als gemäß Zulassung der Impfstoffe möglich. Ein Grund: Bei Astrazeneca etwa steigt bei längerem Abstand die Wirksamkeit. Bisher forderte auch die Knappheit an Impfstoffen, zunächst möglichst viele mit einer Erstimpfung zu versorgen. mit dpa

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