Immer leisten, bis plötzlich nichts mehr geht: Hinter einem Burn-out steckt meist eine Erschöpfungsdepression.
Immer leisten, bis plötzlich nichts mehr geht: Hinter einem Burn-out steckt meist eine Erschöpfungsdepression. Bild: Christin Klose/dpa Themendienst/dpa-tmn
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Burn-out schleicht sich an? Diese Warnsignale gibt es

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Plötzlich ständig gereizt, Schlafprobleme oder keine Lust mehr auf den Job? Warum Warnzeichen für Burn-outs oft übersehen werden – und wie Betroffene Hilfe finden.

Bad Bramstedt.

"Du landest noch im Burn-out, wenn du so weitermachst": Viele kennen den Begriff Burn-out als Folge von Stress und Überlastung. Aber was steckt eigentlich hinter diesem Ausgebranntsein? Und wie kann man Warnzeichen erkennen?

Burn-out an sich ist keine eigenständige psychische Erkrankung, sondern ein Syndrom. Eine Gruppe von Symptomen, die häufig zusammen auftreten und den Gesundheitszustand beeinflussen.

Burn-out entwickelt sich in der Regel schleichend, oft über mehrere Jahre. "Es gibt den Burn-out-Prozess und das Burn-out-Syndrom", sagt Gernot Langs, Facharzt für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatische Medizin. "Der Prozess umfasst je nach Einteilung fünf bis zehn Stufen."

Laut Langs ist das Burn-out-Syndrom "im Prinzip eine Erschöpfungsdepression". Tatsächlich können sich beide Zustände stark ähneln und ineinandergreifen, hinter einem Burn-out kann sich auch eine Depression verstecken. Burn-out ist dabei jedoch zunächst an äußere Belastungen geknüpft, während eine Depression auch ohne solche Auslöser entstehen kann. Medizinisch gilt Burn-out weiterhin als Zusatzdiagnose, keine eigenständige psychiatrische Kategorie, ist aber etwa in der Reha durchaus anerkannt.

Woran merkt man, dass man betroffen ist? 

Nicht jede anstrengende Phase im Leben muss gleich ein Burn-out sein. Gewisser Stress sei normal und sogar notwendig, sagt Langs, Ärztlicher Direktor der Schön Klinik Bad Bramstedt. 

Es gibt aber Warnsignale, die Betroffene ernst nehmen sollten: "Die Einschränkung der Lebensqualität ist immer der entscheidende Faktor. Wenn sie dauerhaft vorhanden ist, muss man etwas tun", sagt Langs.

Das Problem: Betroffene erkennen meist nur schwer, wie ausgebrannt sie womöglich schon sind. Typische Warnsignale - seien es psychische oder körperliche Stresssymptome - werden lange ignoriert oder nicht als solche akzeptiert. Oft ist es daher das Umfeld, dem Veränderungen auffallen. "Die Umgebung merkt es zuerst, wenn jemand immer reizbarer wird – die Lunte wird kürzer", so der Facharzt.

Welche Anzeichen für ein Burn-out sprechen

Die Reaktionen auf Überlastung können dabei individuell verschieden sein:

  • Erschöpfung: Betroffene schildern, dass ihnen die Energie fehlt, dass sie sich müde, überfordert und ausgelaugt fühlen, schreibt das Portal "gesundheitsinformation.de".
  • Manche verlieren den Appetit, andere flüchten gerade ins Essen. Einige schlafen zu viel – "Decke drüber, ich will nichts mehr hören und sehen" –, andere hingegen leiden unter massiven Schlafstörungen, so Langs.
  • Oft kommen körperliche Stresssymptome dazu: Rückenschmerzen, Kopfschmerzen, Tinnitus, Verdauungsstörungen oder Herzrasen bis hin zu Angstzuständen.
  • Entfremdung von der (beruflichen) Tätigkeit: Betroffene gehen innerlich auf Abstand, empfinden keine Freude mehr an ihren (beruflichen) Tätigkeiten. Oft entwickeln sie eine zynische Haltung.
  • Verringerte Leistungsfähigkeit: Betroffenen fällt es schwer, sich zu konzentrieren oder nachzudenken. Ihre alltägliche Leistung leidet - das kann für den Beruf ebenso wie für den Haushalt gelten.

Ein weit verbreiteter Irrtum: Burn-out sei allein ein Problem der Arbeitswelt. "Burn-out hat nicht nur mit dem Beruf zu tun", stellt Langs klar. Als Beispiel nennt er alleinerziehende Mütter und Väter: "Sie wollen gute Eltern sein, wollen gute Arbeit machen, schlafen zu wenig – und irgendwann geht es einfach nicht mehr." Verstärkt werde das Risiko durch einen hohen Anspruch an sich selbst sowie großen gesellschaftlichen Druck.

"Manchmal muss es erst richtig knallen"

Der Weg zur Diagnose ist allerdings häufig nicht einfach. Denn: Menschen, die zum Burn-out neigen, akzeptieren oft lange nicht, dass es ihnen schlecht geht. "Es darf einem nicht schlechtgehen, weil man ja leistungsfähig sein muss", beschreibt Langs typische Gedankenmuster. "Hilfe holen ist ohnehin schwierig – weil es als Schwäche gilt. Manchmal muss es erst richtig knallen, bis endlich Hilfe geholt wird."

Am Anfang jeder Genesung steht für Langs deshalb eine simple, aber oft schwere Erkenntnis: "Man muss sich eingestehen, dass es zu viel ist – und dass es auch in Ordnung ist, dass es zu viel ist." Wer das geschafft hat, hat den entscheidenden Schritt getan.

Erste Schritte: Was tun, wenn man nicht mehr kann?

Und wie geht es dann weiter? Langs empfiehlt ein schrittweises Vorgehen: Hat der Burn-out nicht nur berufliche Auslöser, empfiehlt Langs zum Beispiel in der Familie zu besprechen, was die Ursachen für die hohe Belastung sind und ob sich Aufgaben besser aufteilen lassen: "Muss der Rasen immer perfekt gemäht sein? Wenn ja, kann das nicht jemand anderes machen? Es sind oft Kleinigkeiten, die schon entlasten."

Daneben ist die Hausarztpraxis die passende Anlaufstelle. Für eine erste Einschätzung und auch, um mögliche körperliche Ursachen abzuklären. Bei ausgeprägter Erschöpfungsdepression können Betroffene sich dort eine Arbeitsunfähigkeit bescheinigen lassen. Auch ein Blick auf den Schlaf kann hilfreich sein. Unter Umständen können schlafanstoßende Medikamente Betroffenen wieder zu besserem Schlaf verhelfen, so Langs.

Eine psychotherapeutische Behandlung sei ebenfalls sinnvoll und hilfreich, auch wenn die Wartezeiten hier oft lang sind. Bei der Art der Therapie gilt es aber auch die individuellen Lebensumstände zu berücksichtigen. Wer zum Beispiel familiär ohnehin schon voll eingespannt ist, fühle sich unter Umständen durch eine ambulante Therapie noch mehr belastet, gibt Langs zu bedenken.

Etwa, weil Hin- und Rückfahrt sowie die Sitzungen an sich zusätzlich viel Zeit kosten. "Manchmal ist eine stationäre Auszeit sinnvoller. Dann wirklich aus dem Alltag herausgehen – und nach außen signalisieren: Ich brauche jetzt eine Auszeit", so der Facharzt. (dpa)

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