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Bild: IRB Barcelona
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Spanische Forscher lassen Mäusen Haare wachsen: Das Ende der Glatzenbildung?

Die Wahrheit über Haarausfall ist brutal: Es gibt keine Heilung. Haartransplantationen sind teure kosmetische Eingriffe, die den Haarausfall lediglich durch die Verlagerung von Follikeln verbergen. Kahlheit aber ist irreversibel. Doch das könnte sich jetzt ändern. Die gesamte Haartransplantation Industrie zittert. Einem spanischen Forscherteam gelang, was lange unmöglich schien: Sie ließen kahlen Mäusen erfolgreich Haare nachwachsen.

Die bahnbrechende Arbeit stammt von einem Team um den renommierten spanischen Dermatologen Dr. Salvador Aznar-Benitah am Institut für Biomedizinische Forschung (IRB) in Barcelona. Das Kernproblem des anlagebedingten Haarausfalls ist nicht das Fehlen von Haarfollikeln (was der Schwerpunkt von Kliniken ist, wie z. B. Haartransplantation in der Türkei), sondern deren dauerhafter Verbleib in einer Art Schlafzustand, der sogenannten Telogenphase. Die Follikel sind noch vorhanden, aber inaktiv.

Die spanischen Wissenschaftler haben nun einen entscheidenden molekularen Mechanismus entschlüsselt, der die Stammzellen in der Haut daran hindert, neue Haare zu produzieren. Sie identifizierten ein Lipid namens Prostaglandin D2 (PGD2), dessen erhöhte Konzentration in kahlen Bereichen die Stammzellen in ihrer Ruhephase festhält.

Der Clou der Forschung lag darin, dieses Molekül gezielt zu neutralisieren und die Stammzellen künstlich wieder in die aktive Wachstumsphase, die Anagenphase, zu überführen. Mittels einer spezifischen Behandlung, die auf der Hemmung dieses Signalweges beruhte, konnten die Forscher bei den Testobjekten, genetisch kahlen Mäusen, signifikantes Haarwachstum stimulieren.

Im Gegensatz zu den gängigen Behandlungsformen - von topischen Mitteln wie Minoxidil bis hin zur Haarverpflanzung - zielt die spanische Methode auf die biologische Ursache des Stillstands. Man könnte es als einen "chemischen Weckruf" für die schlafenden Follikel bezeichnen.

Das bedeutet, es wäre künftig nicht mehr nötig, Haare vom Hinterkopf zu entnehmen und sie an kahle Stellen zu verpflanzen. Stattdessen würde eine topische Anwendung oder eine simple Injektion genügen, um die vorhandenen, aber inaktiven Follikelstammzellen am Oberkopf wieder zu reaktivieren.

Sollte diese Forschung erfolgreich auf den Menschen übertragen werden, wären die Auswirkungen enorm disruptiv.

Aktuelle Methoden zur Behandlung von Haarausfall, seien es Präparate zur Hemmung des Hormons DHT oder chirurgische Eingriffe, würden in ihrer heutigen Form obsolet. Warum sollte sich ein Patient einer mehrstündigen Operation unterziehen und dafür Tausende von Euro bezahlen, wenn eine nicht-invasive, medizinische Lösung zum Nachwachsen der Haare existiert?

Die etablierte Haartransplantations-Industrie, die in den letzten zwei Jahrzehnten zu einem globalen Medizintourismus-Phänomen herangewachsen ist - mit der Türkei als unangefochtenem Hotspot -, stünde vor dem Zusammenbruch ihres Geschäftsmodells.

Trotz der Euphorie müssen Patienten und die Industrie gleichermaßen einen tiefen Atemzug nehmen. Der Erfolg bei Labormäusen ist nur die erste, wenn auch bahnbrechende, Hürde. Der Weg von der Maus zum Menschen ist in der pharmazeutischen Entwicklung lang und steinig. Zuerst muss die Behandlung an menschlicher Haut getestet werden, um sicherzustellen, dass sie keine unerwünschten Nebenwirkungen hat, insbesondere in Bezug auf die Krebsentwicklung, da Stammzell-Aktivierung in diesem Kontext stets kritisch geprüft wird.

Es folgen die strengen klinischen Phasen I, II und III, die sich über viele Jahre hinziehen können. Hierbei wird die Wirksamkeit, die optimale Dosierung und die Langzeitsicherheit an einer wachsenden Zahl von Probanden getestet. Erst nach erfolgreichem Abschluss dieser Phasen erfolgt die behördliche Zulassung durch Institutionen wie die europäische EMA.

Experten schätzen konservativ, dass es noch mindestens fünf bis zehn Jahre dauern wird, bis eine auf dieser Forschung basierende, zugelassene und großflächig verfügbare Therapie auf den Markt kommt.

Für die Tausenden von deutsche Bürgern, die aktuell unter Haarausfall leiden, bedeutet dies: Die revolutionäre Therapie ist in Sicht, aber noch nicht greifbar. Bis dahin bleiben die klassischen Methoden, die ihre Wirksamkeit über Jahre bewiesen haben - inklusive der hohen Standards etablierter Kliniken, wie etwa der Dr. Serkan Aygin Clinic in Istanbul - die praktikabelste Lösung für schnelle und zuverlässige Ergebnisse. Doch die Zeiten, in denen eine Haarverpflanzung die einzige Option war, könnten bald endgültig vorbei sein.

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