Vier Wochen müssen genügen, um einen per Messenger verschickten Vertrag einzugehen - danach ist das Angebot nicht mehr bindend, wie das Oberlandesgericht Frankfurt am Main entschieden hat.
Vier Wochen müssen genügen, um einen per Messenger verschickten Vertrag einzugehen - danach ist das Angebot nicht mehr bindend, wie das Oberlandesgericht Frankfurt am Main entschieden hat. Bild: Nico Tapia/dpa-tmn
Multimedia
Vertragsangebot per Messenger maximal vier Wochen gültig

Freie Presse auf Google News folgen

Vertragsangebote per Messenger sind nicht ewig gültig: Selbst unter Freunden und selbst, wenn es um richtig viel Geld geht. Das zeigt ein aktuelles Urteil.

Frankfurt/Main.

Ein per Messenger verschicktes Vertragsangebot ist rechtlich als "Antrag unter Abwesenden" zu werten, für das eine Annahmefrist von längstens vier Wochen gilt - ähnlich wie bei Angeboten per E-Mail oder SMS. Das hat das Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt am Main in einem Urteil entschieden. (Az.: 9 U 27/25)

Der Grund: Ein Messenger ermöglicht zwar schnelle Kommunikation, aber niemand muss eine Nachricht darin sofort lesen oder direkt darauf antworten.

Ein verwinkelter Aktien-Deal als Stein des Anstoßes

In dem Fall ging es um den Rückkauf von Aktien im Wert von 150.000 Euro. Kläger und Beklagter waren befreundet. Der Kläger, ein Cafébetreiber, hatte 2020 und 2022 Aktien einer Gesellschaft aus dem Umfeld des Beklagten gekauft - trotz fallender Kurse. Ende 2022 vereinbarten beide, dass diese Aktien gegen andere Aktien des Beklagten getauscht werden.

Der Kläger behauptete später, der Beklagte habe ihm im Oktober 2022 per Whatsapp angeboten, die getauschten Aktien unter bestimmten Bedingungen zurückzukaufen - nämlich falls sich der Kurs negativ entwickelt. Dieses Angebot habe er angenommen und verlangte vom Beklagten vor Gericht 150.000 Euro, Zug um Zug gegen die Rückübertragung der Aktien.

Zu spät ist zu spät - ganz gleich, ob es das Angebot gab oder nicht

Das Landgericht gab dem Kläger zunächst recht. In der Berufung entschied das OLG jedoch anders, wies die Klage ab und klärte ganz bewusst gar nicht erst die Frage, ob der Beklagte überhaupt ein Rückkauf-Angebot per Whatsapp gemacht hatte. Entscheidend war den Richtern zufolge nur: Selbst wenn es ein Angebot gab, habe es der Kläger zu spät angenommen.

Nach Ansicht des OLG hätte der Kläger das mutmaßliche Angebot ohnehin nicht mehr wirksam annehmen können, weil zwischen dem Tag des Angebots (15. Oktober) und dem Tag der Annahme (14. November) 31 Tage lagen.

Zu lang, um noch mit Annahme rechnen zu müssen

Nach dieser Zeit habe der Beklagte nicht mehr mit der Annahme rechnen müssen - und der Kläger trotz der für ihn wirtschaftlichen Tragweite und der Freundschaft mit dem Beklagten nicht mehr rechnen dürfen. Denn höchstrichterlich werde auch bei komplexen Geschäften die Annahmefrist auf vier Wochen begrenzt.

Die verspätete Annahme wertete das Gericht zudem als ein neues Angebot seitens des Klägers. Dieses habe der Beklagte wiederum nicht angenommen. (dpa)

© Copyright dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH
Das könnte Sie auch interessieren
10:42 Uhr
5 min.
Dua Lipa und Callum Turner feiern Hochzeit
Dua Lipa und Callum Turner feiern Hochzeit - Dua Lipa und Callum Turner sind seit 2024 ein Paar. (Archivbild)
Italien ist einiges an Promi-Hochzeiten gewöhnt. Statt in Venedig machen die Sängerin und der Schauspieler aber Party in Palermo - eine Stadt, die viele mit Anderem verbinden. Das sorgt für Ärger.
Christoph Sator, dpa
04.06.2026
3 min.
IBAN in Chat verraten: Hausrat mit Cyber-Schutz zahlt nicht
IBAN in Chat verraten: Hausrat mit Cyber-Schutz zahlt nicht - "Nur kurz die IBAN eingeben" klingt harmlos – kann aber teuer werden. Das Amtsgericht Bernau sagt: Das ist nicht automatisch ein versicherter Phishing-Fall in der Hausratpolice.
Fast 2.000 Euro durch einen Onlinebetrug futsch – doch die Hausratversicherung zahlt trotz Cyberschutzbaustein nicht. Warum? Ein Gerichtsurteil zeigt es anschaulich.
07.06.2026
5 min.
Nach elf Jahren Warten: Vogtländerin erhält eine Spenderniere
Nach elf Jahren Warten: Vogtländerin erhält eine Spenderniere - Ein glücklicher Tag im Jahr 2021: Claudia Hennebach erhält endlich ihre Spenderniere – nach elf Jahren Wartezeit.
Mit 19 erhält Claudia Hennebach eine Diagnose, die alles verändert. Es folgen Dialyse, Arztbesuche und elf Jahre auf der Organspende-Warteliste – bis endlich der Anruf kommt. Warum sie heute positiv zurückblickt.
Louise Wappler
12.05.2026
3 min.
Bauunternehmer klagt gegen Antifa-Verein - BGH kippt Urteil
Bauunternehmer klagt gegen Antifa-Verein - BGH kippt Urteil - Der BGH hatte die Revision des klagenden Geschäftsführers zugelassen. (Archivbild)
Dem Geschäftsführer eines sächsischen Bauunternehmens werden in einem Bericht Verbindungen in die rechte Szene vorgeworfen. Er klagt dagegen - und fährt am Bundesgerichtshof nun einen Erfolg ein.
10:43 Uhr
2 min.
Wahltag in Armenien beginnt mit Festnahmen
Wahltag in Armenien beginnt mit Festnahmen - Bei der Parlamentsswahl in Armenien geht es um den außenpolitischen Kurs des Landes, das zwischen Russland und dem Westen laviert.
In Armenien wird über den künftigen Kurs des Landes abgestimmt. Der zunehmende Druck aus Moskau führt zu einem scharfen Wahlkampf und eskaliert in ersten Festnahmen am Wahltag selbst.
06.06.2026
1 min.
Weiterer Großmieter öffnet im Chemnitzer Neefepark
Weiterer Großmieter öffnet im Chemnitzer Neefepark - In der Einkaufspassage im Neefepark öffnet ein weiteres Geschäft.
In dem jahrelang von Leerstand gebeutelten Einkaufszentrum zieht wieder Leben ein. Ein neuer Möbelanbieter empfängt ab Samstag Kunden. Die Details.
Benjamin Lummer
Mehr Artikel