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Chemnitzer Heber in souveräner Manier zum Titel

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Bei den Deutschen Meisterschaften der Gewichtheber in Böbingen zeigten Raphael Friedrich, Kurt Perthel und Max Lang Region starke Leistungen. Die Ambitionen für die Zukunft unterscheiden sich.

Böbingen an der Rems.

Sie wurden mit beeindruckenden Auftritten ihren Favoritenrollen gerecht und sicherten sich nach mehreren Triumphen im Nachwuchsbereich bei den Deutschen Titelkämpfen der Gewichtheber in Böbingen an der Rems erstmals Gold bei den Herren: Raphael Friedrich von der TSG Rodewisch und Kurt Perthel vom Chemnitzer AC (CAC). Dass die Premieren erst jetzt gelangen, lag auch daran, dass 2020 und 2021 wegen Corona die Meisterschaften jeweils abgesagt wurden. "Raphael und Kurt haben sich super präsentiert und tolle Auftritte gezeigt. Ich bin insgesamt sehr zufrieden", resümierte Trainer Petr Hruby, der beide Akteure am Bundesstützpunkt in Chemnitz betreut. Max Lang, dessen Familie im erzgebirgischen Drebach wohnt, hatte sich einst in der gleichen Wirkungsstätte zu einem erfolgreichen Heber entwickelt. Er triumphierte zum sechsten Mal auf nationaler Ebene.

Raphael Friedrich

Er hatte erst einmal ein wenig für Verwirrung gesorgt. Denn als es am zweiten Tag zum Wiegen für seine angestammte Klasse bis 89 Kilogramm ging, musste er passen. Mit 1,5 kg Übergewicht konnte er nicht starten, es blieb aber die nächsthöhere Kategorie bis 96 kg. "Das war ein Fehlschlag meinerseits. Ich habe es nicht rechtzeitig geschafft, abzunehmen", zeigte sich Raphael Friedrich selbstkritisch. Erst am Wochenende zuvor hatte der 21-Jährige bei der U-23-EM in Albanien mit Silber (Reißen) und Bronze (Zweikampf) wertvolle internationale Erfolge gefeiert und Bestleistungen aufgestellt.

Zu welch starken Leistungen er nach diesem Höhepunkt fähig war, zeigte er dann als einer der Leichtesten in der Konkurrenz. Mit seiner Zweikampfleistung von 344 kg (Reißen: 155 kg; Stoßen: 189 kg) gewann er letztlich klar vor dem zweiten Sachsen, Eric Ludwig aus Eibau (333 kg). "Es lief sehr gut für mich", meinte Raphael Friedrich, für den es auch jetzt noch keine Verschnaufpause gibt. In zwei Wochen startet er in der Türkei bei einem internationalen Turnier. "Ich muss die Spannung hochhalten, möchte mich dort noch einmal steigern", blickte der Vogtländer, der Olympia 2024 im Visier hat, voraus.

Kurt Perthel

Er nahm bestens gelaunt die Rückreise in Angriff. In der Kategorie bis 102 kg sicherte sich der Chemnitzer mit 342 kg (152, 190) Gold, besaß immerhin 20 kg Vorsprung auf den zweitplatzierten Kevin Schweizer aus Durlach. "Ich kann mich nicht beklagen. Mit so hohen Lasten hatte ich gar nicht geplant, nach der Vorbereitung eher tiefgestapelt", sagte der 24-Jährige, der in der Woche zuvor wegen einer Grippe vier Tage nicht trainieren konnte. "Aber die Atmosphäre hat mich gepusht, es hat Spaß gemacht, wieder bei einer Meisterschaft zu heben", fügte der Kapitän der Bundesligamannschaft des CAC, für die auch Raphael Friedrich hebt, hinzu.

Doch während der Gefährte international weiter durchstarten will, hat der zweifache Bronzemedaillengewinner U 23 von 2019 nach realistischer Einschätzung seiner Möglichkeiten die zunächst für ihn schwere Entscheidung getroffen, seine Prioritäten zu verändern. Seit Oktober studiert er an der Hochschule in Zwickau Kfz-Technik, kann sich so nur noch in den Abendstunden dem Eisen widmen. "Es ist halt schon anstrengend und eine Umstellung für mich", berichtete Kurt Perthel, der auch vom Olympiazweiten Ingo Steinhöfel unterstützt wird. Dennoch verfolgt er weiter ehrgeizige Ziele. Beim Bundesligakampf kurz vor Weihnachten möchte er die Norm für den Kaderstatus knacken.

Max Lang

Er avancierte nicht nur zum überragenden Akteur seiner Klasse bis 81 kg, sondern sicherte sich hinter Nico Müller (Obrigheim, -89 kg; 185 Punkte) in der Relativwertung aller Starter mit 178 Zählern Platz zwei. Als Max Lang jeweils zu seinen ersten Versuchen aufgerufen wurde, hatte die Konkurrenten bereits ihren Wettkampf beendet. Er gewann nach sechs sicheren Auftritten mit 326 kg (145; 181) somit klar vor Lucas Müller aus Meißen (286), der noch der Juniorenklasse angehört. "Es hat sich einfach gut angefühlt", freute sich der 29-Jährige, dass er auch mit Blick auf die WM im Dezember bestens im Plan liegt. In Chemnitz hatte sich Max Lang einst zu einem Spitzenheber entwickelt, ehe er 2013 - wie damals üblich - an den Auswahlstützpunkt nach Leimen gewechselt war.

Dort trainiert er inzwischen unter den Fittichen von Almir Velagic - selbst als Aktiver (u. a. zweimal Olympiaachter, EM-Medaillengewinner) erfolgreich und seit Januar Bundestrainer. "Max hat die Sachen, an denen wir technisch gearbeitet haben, sehr gut umgesetzt. Er hat noch viel Potenzial, ich traue ihm einiges zu", lobte der Coach. Max Lang gab die Komplimente zurück: "Es ist goldwert, dass sich Almir sehr gut in uns reinversetzen kann. Wir sind jetzt eine super Gruppe, pushen uns immer wieder gegenseitig", schwärmte der Europameister von 2019 (Stoßen) und verriet zum Abschied noch ein wunderbares Geheimnis: Seine Freundin erwartet das erste gemeinsame Kind.