Fußball
Enrique führt PSG in den Fußball-Olymp: "Statue in Paris"

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Mit Teamgeist statt Star-Allüren formt Trainer Luis Enrique das beste Team der Welt. Was hinter dem Wandel des Champions-League-Siegers steckt und warum der Rest Europas zittert.

Budapest.

Wie einen unantastbaren König trugen die Champions-League-Sieger von Paris Saint-Germain ihren Erfolgsarchitekten Luis Enrique auf den Schultern. Mit dem silbernen Henkelpott in den Armen ließ sich der Spanier schweißgebadet und losgelöst von seinen Schützlingen und der Weltpresse feiern. An einem an Spannung kaum zu überbietenden Finalabend gelang dem 56-Jährigen das, was vor ihm nur Zinédine Zidane, Pep Guardiola und Carlo Ancelotti schafften: drei Triumphe als Trainer in der Königsklasse. 

"Luis Enrique III. krönt sich mit PSG. Drei Champions-League-Titel bestätigen ihn als einen der größten Trainer der Geschichte und als den derzeit besten", schrieb etwa "Mundo Deportivo". "Marca" ließ den PSG-Coach "in den Olymp" aufsteigen und "Sport" forderte "eine Statue in Paris". 

Macron schwärmt: "Neuer Stern erstrahlt über Paris"

In einem Finale für die Champions-League-Geschichtsbücher zerstörte Titelverteidiger Paris durch ein 4:3 im Elfmeterschießen den Traum des FC Arsenal vom historischen Premierentitel in der Königsklasse Millimeter vor dem Ziel. 

Dabei hatte der deutsche Nationalspieler Kai Havertz die Engländer durch sein Führungstor in der 6. Minute lange träumen lassen. Erst Mitte der zweiten Halbzeit (65.) erzielte Weltfußballer Ousmane Dembélé per Foulelfmeter den Ausgleich und rettete den Favoriten in die Verlängerung.

Als erster Club seit Real Madrid verteidigten die Franzosen ihren Titel. Die Königlichen aus Spanien hatten zwischen 2016 und 2018 sogar dreimal in Folge triumphiert. "Ein neuer Stern erstrahlt über Paris! Glückwunsch an PSG, die ganz Europa zum Träumen bringen. Frankreich ist stolz", meldete sich sogar Frankreichs Präsident Emmanuel Macron. 

Ausschreitungen in Paris

Für Sonntagnachmittag war ein großer Empfang in Paris geplant, nachdem es in der Nacht einmal mehr zu heftigen Ausschreitungen in der französischen Hauptstadt gekommen war. Innenminister Laurent Nuñez erklärte bei einer Pressekonferenz, dass landesweit 416 Menschen festgenommen worden seien, davon 283 allein im Großraum Paris. Zu Zwischenfällen kam es in rund fünfzehn Städten, dazu zählten auch Plünderungen in Rennes, Straßburg, Clermont-Ferrand und Grenoble. Nach Behördenangaben wurden sieben Polizisten verletzt.

Nach dem Finale kommt es in Paris zu Ausschreitungen.
Nach dem Finale kommt es in Paris zu Ausschreitungen. Bild: Julien Mattia/Le Pictorium via ZUMA Press/dpa

Besonders auf den Champs-Élysées eskalierte die Lage: Vermummte Personen und Einsatzkräfte gerieten mehrfach aneinander, Wurfgeschosse und Tränengas wurden eingesetzt. Die Szenen erinnerten an die Ausschreitungen nach dem Champions-League-Triumph im Vorjahr. Damals gab es zwei Tote, knapp 200 Verletzte sowie 559 Festnahmen.

Havertz schreibt deutsche Fußball-Geschichte

Der Sport rückte einmal mehr in den Hintergrund, dabei war der Abend besonders aus deutscher Sicht historisch gewesen. Als erster deutscher Fußballer erzielte Havertz zwei Treffer in zwei unterschiedlichen Champions-League-Endspielen. 2021 hatte der Angreifer schon den FC Chelsea zum Titel geschossen. "Ein top Gefühl, aber trotzdem bringt es mir jetzt nicht sehr viel", sagte Havertz, der den Platz im Rampenlicht für Enrique räumen musste. 

Liebt die große Fußballbühne: Arsenal-Stürmer Kai Havertz.
Liebt die große Fußballbühne: Arsenal-Stürmer Kai Havertz. Bild: Armin Durgut/AP/dpa

Teamplayer statt launische PSG-Stars

Der 56-jährige Spanier, der bereits 2015 mit Barcelona die Champions League gewonnen hatte, übernahm das Pariser Starensemble im Juli 2023. Für viele war PSG ein mit launischen Stars überfluteter Scheichclub, der mit erneuten Misserfolgen auf europäischer Bühne auf sich aufmerksam macht. 

Im gleichen Sommer verabschiedeten sich in Lionel Messi und Neymar zwei der prägendsten Figuren des Clubs. Ein Jahr später folgte Kylian Mbappé. Enrique nutzte den Umbruch für einen Neuanfang: Statt nur auf teure Stars zu setzen, konzentrierte er sich auf Teamplayer mit großem Potenzial. Ousmane Dembélé entwickelte sich unter Enrique zum Weltfußballer.

Hakimi: "Wir sind Familie"

Enriques klare Botschaft: Beim auf Hochglanz polierten Glitzerclub ist niemand größer als der Verein. "Wir folgen ihm, wir vertrauen ihm. Wir sind nicht nur ein Team, wir sind Familie", schwärmte Außenverteidiger Achraf Hakimi. 

Verwandelte seinen Elfmeter: Achraf Hakimi.
Verwandelte seinen Elfmeter: Achraf Hakimi. Bild: Tom Weller/dpa

Enrique selbst wollte sich nicht in den Vordergrund rücken. "Legende? Das interessiert mich nicht", stellte der Südeuropäer klar. Dennoch gab er zu, dass der zweite Triumph mit PSG noch schöner sei als der erste. "Es ist der beste Moment der Saison. Wir sind wieder Champions, zum zweiten Mal in Folge. Das ist unglaublich", sagte Enrique, der in Gedanken bestimmt bei seiner 2019 an Krebs verstorbenen Tochter Xana war. 

Sein Vertrag in Paris läuft bis Sommer 2027. Er sei "etwas ganz, ganz Besonderes – als Trainer, als Mensch, als Persönlichkeit", schwärmte der katarische PSG-Präsident Nasser Al-Khelaifi. Er könne zwar die Frage nach Enriques Zukunft nicht direkt beantworten, aber sei sehr zuversichtlich. "Es geht um das Projekt, und er ist der Beste für dieses Projekt".

Enrique über dritten Titel mit PSG: "Ich hoffe es"

Ein Blick auf die Altersstruktur des Kaders dürfte den Rest Europas zittern lassen. Leistungsträger wie Joao Neves, Bradley Barcola oder Désiré Doué sind alle höchstens Mitte 20. Weltfußballer Dembélé feierte Mitte Mai seinen 29. Geburtstag. Diese Mannschaft könnte in dieser Zusammensetzung noch viele Jahre spielen - und Enrique eine ganze Ära prägen. 

"Dieser Wille, immer mehr zu gewinnen – dafür ist Luis Enrique verantwortlich. Ich hoffe, er treibt uns an, noch mehr zu gewinnen", erklärte Taktgeber Vitinha. Auf die Frage, ob er im kommenden Jahr den dritten Champions-League-Titel mit PSG gewinne, antwortete Enrique lachend: "Ich hoffe es". (dpa)

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