Fußball
Glückliche DFB-Fans und starke Zeichen mit Neuer im Tor

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Am Ankunftstag in Winston-Salem zeigen sich die DFB-Stars nahbar. 3.000 Zuschauer sind beim ersten Training. Wichtigste sportliche Nachricht: Manuel Neuer ist mit vollem Torwart-Einsatz dabei.

Winston-Salem.

Es war nur ein lockerer Trainings-Aufgalopp für die Soccer-Fans in Winston-Salem - aber einer mit starken Zeichen. Manuel Neuer stieg sechs Tage vor dem WM-Auftakt gegen Curaçao endlich ins Teamtraining ein. Das war die sportlich bedeutendste Nachricht. Auch alle anderen Akteure waren bei der 45-Minuten-Einheit dabei - ein weiterer erfreulicher Fakt für Bundestrainer Julian Nagelsmann nach dem Ausfall von Lennart Karl, für den der Leipziger Nachrücker Assan Ouédraogo erstmals im Einsatz war.

Nagelsmann war aber vor allem dabei zu beobachten, wie er mit Kapitän Joshua Kimmich im W. Dennie Spry Stadium in ein fast halbstündiges Vier-Augen-Gespräch vertieft war, das sogar noch andauerte, als alle anderen Spieler den Platz längst verlassen hatten und die 3.000 großen und kleinen Fans hinter der Tribüne ausdauernd mit Autogrammen und Selfies glücklich machten.

Die Botschaft hinter Nagelsmanns langem Gespräch mit Kimmich

Der 31-jährige Kimmich, der die Nationalmannschaft bei seiner dritten WM-Teilnahme erstmals als Kapitän anführt, ist der erste Ansprechpartner des Bundestrainers. Was hatten die beiden so ausführlich zu bereden? Taktisches? Die Stimmung im Team? Das Wetter? Die Besonderheit des Teamhotels?

Oder ganz was anderes? Das Gespräch wirkte jedenfalls sehr vertraut. Es wurde auch mal gelacht. Und es wurde - bewusst oder unbewusst - eine Botschaft übermittelt: Der 110-malige Nationalspieler Kimmich steht in der Hierarchie ganz oben.

Fast 30 Minuten im Vier-Augen-Gespräch: Für Bundestrainer Julian Nagelsmann (l) ist Joshua Kimmich sein erster Ansprechpartner im Team.
Fast 30 Minuten im Vier-Augen-Gespräch: Für Bundestrainer Julian Nagelsmann (l) ist Joshua Kimmich sein erster Ansprechpartner im Team. Bild: Federico Gambarini/dpa

Auch wenn der hochdekorierte Teamsenior und Ex-Kapitän Neuer mit 40 Jahren noch einmal in die DFB-Auswahl zurückgekehrt ist, um bei seinem fünften WM-Turnier die Uhr zurückzudrehen. Zwölf Jahre nach dem Titelgewinn in Brasilien soll der ewige Neuer noch einmal zum X-Faktor werden.

23 Tage nach seiner erneuten Blessur an der linken Problemwade am letzten Bundesliga-Spieltag ist der Bayern-Kapitän nach der Ankunft im WM-Camp endlich ins Teamtraining eingestiegen. So wie es von Nagelsmann nach dem 2:1 beim letzten Testspiel gegen die USA angekündigt worden war. 

Nagelsmann: "Manuel umgibt eine Aura"

Neuer absolvierte mit seinen Torwart-Kollegen Oliver Baumann, Alexander Nübel und Jonas Urbig alle Übungen ohne Einschränkungen. Er warf sich nach links und rechts auf den Boden, um Schüsse zu halten. Er fing Bälle in der Luft. Und er schoss sogar mehrfach kräftig mit dem linken Fuß auf das Tor, in dem sein zur Nummer zwei zurückgestufter Platzhalter Baumann stand. 

Die linke Wade von Manuel Neuer scheint wieder voll belastbar.
Die linke Wade von Manuel Neuer scheint wieder voll belastbar. Bild: Federico Gambarini/dpa

Neuers Kaltstart ins Turnier nach immerhin zwei Jahren ohne Länderspiel und teilweise neuen Vorderleuten am Sonntag (19.00 Uhr/ARD und Magenta TV) in Houston scheint in Reichweite. Nagelsmann sieht in der Rückkehr kein Wagnis, er hofft auf den Mythos Neuer. "Manuel umgibt eine Aura. Er hat schon alles erlebt."

Ein zu spätes Einspielen mit der Abwehr? Das Alter als (Verletzungs-)Risiko? Nein, bei solchen Einwänden winkt der Bundestrainer ab. "Wenn ich jetzt einen Torwart hätte, der 22 Jahre alt ist, hätte ich größere Probleme mit der Situation. Aber Manuel hat so viele Spiele schon erlebt und so viele Momente im Training. Er braucht nicht viele Testspiele, um den Rhythmus zu finden", erklärte der 38-Jährige. WM-Neuling Curaçao soll für Neuer ein idealer Warmup-Gegner sein.

Davor aber muss die in diesem Jahr schon dreimal ramponierte linke Wade noch einige Härtetests überstehen. Am Ankunftstag in Winston-Salem aber ging es für die Soccer-Stars aus Germany inklusive Neuer in erster Linie darum, sich beim einzigen öffentlichen Training nahbar zu präsentieren.

Das Motto von Jamal Musiala und Co. am Ankunftstag in Winston-Salem: Nahbar sein.
Das Motto von Jamal Musiala und Co. am Ankunftstag in Winston-Salem: Nahbar sein. Bild: Jan Woitas/dpa

Nach der Landung auf dem Smith Reynolds Airport zur Mittagsstunde (Ortszeit) waren Nagelsmann und seine Spieler nach einer kurzen Busfahrt unter lautem Jubel durch ein Spalier des Personals ins Teamhotel gelaufen. Auf Schildern stand "Viel Erfolg" und "Auf geht's Deutschland". Cheerleader sorgten mit schwarz-rot-goldenen Pompons für eine typisch amerikanische Szenerie. Neuer filmte die Willkommens-Zeremonie sichtlich erfreut mit einem Handy.

Die Sportstätten auf dem Muster-Campus der Wake Forest University und das schlossähnliche Teamhotel The Graylyn Estate sollen im Idealfall knapp sechs Wochen lang die Heimat des DFB-Trosses sein - und eine WM-Titelschmiede. 

DFB-Chef: Winston-Salem war erste Wahl

DFB-Präsident Bernd Neuendorf bekam großen Beifall, als er in seiner auf Englisch vorgetragenen Rede im Stadion ins Mikrofon rief, man sei "überwältigt" vom warmen Empfang. "Winston-Salem war unsere Nummer-eins-Wahl als WM-Camp", verkündete der 64 Jahre alte Verbandschef. 

Das Gesamtpaket sei "einfach das Beste" gewesen. Yeah - das kam bei den Amerikanern natürlich gut an. Innerhalb weniger Minuten waren die 3.000 kostenlosen Trainingstickets vergriffen gewesen. Beim Abschlussspiel am noch warmen Abend (Ortszeit) konnten die Fans, größtenteils in Deutschland-Trikots gekleidet, dann auch noch Tore von Kai Havertz und Deniz Undav bejubeln. (dpa)

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