Fußball
Oranje spürt Druck: Enttäuschter van Dijk fordert zwei Siege

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Die Niederlande trauern dem verpassten Sieg gegen Japan hinterher. Der Kapitän spricht Klartext. Und sein Trainer klagt über die hohen Erwartungen in der Heimat.

Arlington.

Als Virgil van Dijk den Preis für den Spieler des Spiels entgegennahm, schaute er für das obligatorische Foto leicht grimmig in die Kamera. Die Wahl fiel verdient auf den Kapitän, Abwehrchef und Torschützen der Niederländer - doch das war ihm in dem Moment völlig egal. Van Dijk ärgerte sich über den verpassten Sieg beim 2:2 (0:0) zum WM-Auftakt gegen Japan und macht daraus auch verbal keinen Hehl. 

"Es war ein wichtiger Türöffner", sagte der 34-Jährige über seinen Kopfballtreffer zum 1:0, "aber wir bekommen zu schnell den Ausgleich. Und das ist etwas, mit dem ich nicht glücklich bin." Es sei insgesamt "enttäuschend", dass seinem Team auch eine zweimalige Führung nicht für den Startsieg reichte: "Wir hätten es besser machen können. Aber Tatsache ist, dass wir einen Punkt geholt haben. Und jetzt müssen wir weitermachen."

Van Dijks Forderung: Zwei Siege in den nächsten zwei Spielen

Im zweiten Gruppenspiel am Samstag wartet Schweden als nächster unangenehmer Gegner für die Elftal. Um kein Zitterfinale zum Gruppenabschluss gegen Tunesien zu haben, schärfte van Dijk die Sinne seiner Mitspieler: "Wenn wir etwas Besonderes erreichen wollen, dann müssen wir unsere nächsten zwei Spiele gewinnen."

Braucht es dafür eine stabilere Abwehr? Generelle Kritik am Defensivverhalten ließ van Dijk nicht gelten. Man habe insgesamt "sehr kompakt verteidigt" und "nicht viele Chancen zugelassen". Dennoch konnten der Ex-Frankfurter Daichi Kamada (89. Minute) und Keito Nakamura (57.) die Führungen der Niederländer durch van Dijk (50.) und Crysencio Summerville (64.) jeweils ausgleichen. 

Koeman klagt über hohe Erwartungen

Vor allem der späte Gegentreffer von Kamada war ein heftiger Stimmungs-Dämpfer für die Oranje-Party, die im Dallas-Stadion und schon vor dem Anpfiff auch auf den Straßen stattgefunden hatte. 

Nationaltrainer Ronald Koeman wollte hinterher dennoch "nicht alles so negativ" sehen. Der Ex-Profi klagte über die seiner Meinung nach zu hohen Erwartungen in der Heimat. "Oft höre ich: Aber wir sind die Niederlande, wir werden Ballbesitz haben, wir werden jeden Gegner dominieren, gegen den wir spielen - aber das ist nicht wahr", meinte Koeman.

Jetzt gegen Schwedens Super-Sturm 

In der auf dem Papier sehr ausgeglichenen Gruppe wäre ein Sieg zum Start besonders viel Wert gewesen. Und beim nächsten Gegner Schweden könnten die Topstürmer Viktor Gyökeres und Alexander Isak auch jede Nachlässigkeit in der Oranje-Defensive ausnutzen. 

"Ich werde gegen einen Angreifer spielen, den ich sehr gut kenne", sagte van Dijk mit Blick auf seinen Liverpooler Clubkollegen Isak, "und auf einen anderen Stürmer, der eine sehr gute Saison gespielt hat". Er selbst zeigte im Saisonverlauf im Liverpool-Trikot die ein oder andere Schwäche, aber beim WM-Auftakt war auf ihn Verlass. Als zweikampfstarker Dirigent der Abwehr, als treffsicherer Kopfballspieler, als wortstarker Anführer.

Koeman schwärmt über seinen Kapitän

Für Koeman ist van Dijk eine "starke Persönlichkeit", und als Trainer wünsche man sich "immer einen Kapitän, der eine wichtige Figur auf und neben dem Platz" sei. Angesichts des fortgeschrittenen Alters seines Führungsspielers mutmaßte Koeman, dass es "sehr wahrscheinlich seine letzte WM" sein werde. "Also hoffen wir, dass es für ihn ein unvergessenes Erlebnis wird." Dann wird van Dijk auch wieder freundlicher dreinblicken. (dpa)

© Copyright dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH
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