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Scherbenhaufen 1860 München: Wie soll's weitergehen?

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Fassungslosigkeit herrscht beim TSV 1860 München. Nach einem Zoff mit ihrem Investor stürzen die "Löwen" ab. Eine Aufbruchstimmung wie beim letzten Zwangsabstieg 2017 gibt es nicht.

München.

Fans des TSV 1860 München kochten vor Wut. "Alle zurücktreten! Sofort raus!", forderten Anhänger der "Löwen" vor der Geschäftsstelle an diesem Schwarzen Mittwoch. Dann schlug die Stimmung in Fassungslosigkeit und Trauer um.

Nach einer verweigerten Zahlung ihres umstrittenen Investors Hasan Ismaik stürzen die "Löwen" wie zuletzt vor neun Jahren in die Regionalliga ab. Der Traditionsverein hätte für die Lizenz für die 3. Fußball-Liga bis 17.00 Uhr am Mittwoch seine Zahlungsfähigkeit beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) nachweisen müssen.

Eine Einigung mit Ismaik scheiterte jedoch. "Sehr, sehr enttäuschend" sei das, räumte Vereinspräsident Gernot Mang auf einer improvisierten Pressekonferenz nach chaotischen Wochen ein. Ismaik meinte: "Dieser Verein ist größer als eine einzelne Saison und größer als jede Krise." Anders als nach dem Absturz 2017 herrscht bei den "Löwen" aber keine Aufbruchstimmung.

Worin unterscheiden sich die beiden Regionalliga-Abstiege?

Am ersten Freitag im Juni 2017 verweigerte Ismaik nach dem Abstieg aus der 2. Bundesliga die für eine Lizenz in der 3. Liga nötige Zahlung von rund 10 Millionen Euro. Der TSV 1860 musste daraufhin in der Regionalliga einen Neuanfang unternehmen.

Hasan Ismaik empfindet nach eigener Aussage "große Traurigkeit". (Archivbild)
Hasan Ismaik empfindet nach eigener Aussage "große Traurigkeit". (Archivbild) Bild: Felix Hörhager/dpa

Die Stimmung war aber eine andere. Die zweite Mannschaft des TSV 1860, die damals als Gerüst diente, war in der Regionalliga Zweiter geworden. Unter Trainer Daniel Bierofka und mit Führungsspielern wie Sascha Mölders und Jan Mauersberger gelang der aufgerüsteten U23 der sofortige Aufstieg. Diesmal ist ein positiver Impuls ganz weit weg.

Was war kurz vor Ablauf der Frist los?

Es war hektisch. Nachdem Ismaik Ende Mai Darlehensverträge gekündigt und dann Forderungen gestellt hatte, die für den Stammverein "aus grundlegenden juristischen und wirtschaftlichen Gründen" nicht als zustimmungsfähig angesehen wurden, fehlten dem Vernehmen nach schließlich 2,7 Millionen Euro für die Lizenz. Am Schluss hätten zwei Vertragswerke vorgelegen: Eines wäre für den e.V., eines für die HAM-Seite akzeptabel gewesen, beides für die KGaA (Kommanditgesellschaft auf Aktien). Eine Einigung scheiterte dennoch.

Ismaiks Unternehmen HAM International Limited und der TSV München von 1860 e. V. sind die Gesellschafter der KGaA. Die Budgethoheit der KGaA liegt seit 2021 ausschließlich beim Aufsichtsrat der Gesellschaft. Hier hat HAM die Stimmenmehrheit. "Fakt ist, dass wir komplett überrascht wurden, dass die Darlehen gekündigt wurden", sagte Mang.

Wie hat Ismaik reagiert?

Der Investor, seit 2011 bei den "Löwen" engagiert, hatte mit der Kündigung bestehender Darlehensverträge, wogegen die Geschäftsführung juristisch vorgeht, die Situation eskalieren lassen. "Das grundlegende Problem ist seit vielen Jahren bekannt: wiederkehrende finanzielle Defizite, die daraus entstehen, dass die Ausgaben die tatsächlichen Möglichkeiten des Vereins übersteigen. Jahr für Jahr mussten zusätzliche Mittel bereitgestellt werden, um diese Lücke zu schließen", erläuterte der Jordanier seinen Schritt.

Nach den gescheiterten Verhandlungen äußerte er "große Traurigkeit". Er hoffe nun von Herzen, "dass dieser schwierige Moment der Ausgangspunkt für eine ehrliche Bestandsaufnahme und eine bessere Zukunft sein wird".

Wie lange will Ismaik noch Teil der Zukunft sein? 

HAM hält 60 Prozent der Kommanditgesellschafts-Anteile. Und nachdem Ismaik seit seinem Einstieg nach eigenen Angaben fast 80 Millionen Euro in den Verein gepumpt hat, ohne dass sich Erfolge eingestellt haben, will er eigentlich verkaufen. Ein Deal mit einem Schweizer Unternehmer im Sommer 2025 platzte. Zuletzt hatte der frühere Nationalspieler Thomas Hitzlsperger Interesse bekundet.

Was bedeutet der "Löwen"-Absturz für die 3. Liga?

Durch das Aus für den TSV 1860 München wird ein Platz frei. Diesen würde gern der TSV Havelse im Falle einer Lizenzerteilung einnehmen. Als bestplatzierter Verein der vier Drittliga-Absteiger steht den Niedersachsen den Regularien zufolge dieser Platz auch zu. Havelse hat dafür nach eigenen Angaben auch die Lizenzunterlagen eingereicht. 

Wie bewertet der Bayerische Fußball-Verband (BFV) die Lage für die Regionalliga?

Die "Löwen" haben im April das reguläre Zulassungsverfahren für die Regionalliga Bayern 2026/27 erfolgreich durchlaufen und einen positiven Bescheid bekommen. Sollte der TSV 1860 München kommende Saison seinen Platz auch in Anspruch nehmen, würde die Regionalliga Bayern mit 19 statt 18 Vereinen starten.

Gibt es Zweifel am Regionalliga-Start der "Löwen"?

Der TSV 1860 München will in der 4. Liga starten. Die Frage ist aber, ob Ismaik seinen Anteil an der Finanzierung leistet. Von rund einer Million Euro für die Regionalliga ist die Rede. Sonst droht der KGaA die Insolvenz.

Hauptsponsor "Die Bayerische" hat schon mal von seinem vertraglich vorgesehenen Sonderkündigungsrecht Gebrauch gemacht. Damit bricht der KGaA ihre wichtigste Einnahmequelle weg - vorerst. 

Der "Löwen"-Kader wird ein anderes Gesicht bekommen. (Archivbild)
Der "Löwen"-Kader wird ein anderes Gesicht bekommen. (Archivbild) Bild: Peter Kneffel/dpa

Wie wird der Kader aussehen und was passiert auf der Trainerbank?

Nur acht Spieler haben nach Informationen der "Bild" einen Vertrag für die Regionalliga, die schon Ende Juli beginnt. Die Mannschaft um klangvolle Namen wie Kevin Volland, Florian Niederlechner oder Toptorschütze Sigurd Haugen wird auseinanderbrechen. Personell dürfte einiges von der zweiten Mannschaft abhängen. Die U21 schloss die Saison in der 5. Liga immerhin als Spitzenreiter ab. Trainer Alper Kayabunar wird schon als Nachfolger von Markus Kauczinski gehandelt, sollte dieser nicht den Weg in die Viertklassigkeit antreten wollen. (dpa)

© Copyright dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH
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