Fußball
Schmerz und spannende Fragen: Wie geht's in Freiburg weiter?

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Tränen, Transfergerüchte, neue Ziele: Nach dem verlorenen Europa-League-Endspiel drohen dem SC Freiburg Abgänge von Schlüsselspielern. Eine wichtige Entscheidung steht womöglich kurz bevor.

Istanbul.

Die Tränen des SC Freiburg waren nach der Bauchlandung am Bosporus wieder getrocknet. Auch der vom 0:3 im Europa-League-Finale gegen Aston Villa schwer mitgenommene Trainer Julian Schuster konnte wieder lächeln. Bei einer Party im Istanbuler Club Oligark feierte der SC-Tross bis in die Morgenstunden seine märchenhafte Europa-Reise. Aber auch der Schmerz über deren Ende und den chancenlosen Auftritt im wichtigsten Spiel der Vereinsgeschichte begleitete den Fußball-Bundesligisten zurück in die Heimat.

"Es braucht ein bisschen, bis es vom Kopf im Herzen ankommt, dass es eine ganz außergewöhnliche Saison war. Das war es ohne Zweifel", sagte Sportvorstand Jochen Saier. Auch Bundestrainer Julian Nagelsmann und die Deutsche Fußball-Liga gratulierten zu einer "herausragenden" Europapokal-Saison, auch wenn der erste bedeutsame Titel des SC weiter warten muss.

Sichtlich gezeichnet von der Finalniederlage: Abwehrchef Matthias Ginter.
Sichtlich gezeichnet von der Finalniederlage: Abwehrchef Matthias Ginter. Bild: Robert Michael/dpa

"Es ist sehr bitter", bilanzierte Abwehrchef Matthias Ginter. "Es wäre das i-Tüpfelchen" gewesen. Erst mit Abstand könne man wahrscheinlich stolz sein.

Spannende Personalfragen

Dass die Freiburger um die Kaderplaner Saier und Klemens Hartenbach bei ihrer Party zwischenzeitlich unter Schirme oder in den überdachten Teil der Location fliehen mussten, um nicht im zu Regen zu stehen, passte sinnbildlich zum Endspiel. Nicht aber zum Erfolgsweg des Sport-Clubs, bei dem nun allerdings wieder spannende Fragen aufkommen.

Verlassen Leistungsträger wie Torhüter Noah Atubolu und Mittelfeldspieler Johan Manzambi den Bundesliga-Siebten? Wie wirkt sich die Conference-League- statt Champions-League-Teilnahme auf Vertragsverhandlungen aus? Es gehört zu Freiburg dazu, dass sich Protagonisten verabschieden. Trotz des größten internationalen Erfolgs der Clubhistorie dürfte jetzt das Geschick der Bosse einmal mehr gefragt sein, Schlüsselpositionen neu zu besetzen.

Atubolu-Entscheidung rückt näher

Offenbar stehen die Entscheidungen auf der Torhüter-Position kurz bevor. Ein Abgang von Atubolu wird womöglich schnell vollzogen. Als Ersatz sollen sich die Südbadener bereits mit U21-Nationaltorwart Mio Backhaus vom SV Werder Bremen geeinigt haben. Wie die "Bild" berichtete, soll der 21-Jährige für eine Sockelablöse von 15 Millionen Euro von der Weser an die Dreisam umziehen.

Und sich Atubolu demnach für eine größere Aufgabe entschieden haben? Schuster schob die Frage kurz nach dem Finale erst einmal beiseite. "Das ist jetzt völlig der falsche Moment, darüber zu sprechen", stellte der Coach klar. 

"Was ich sagen kann, ist, dass Atu eine sensationelle Saison gespielt hat, den nächsten Schritt getan hat. Und wir werden in den nächsten Tagen die Zeit haben, über die Zukunft zu sprechen." Für die kommenden Tage soll bereits eine offizielle Bestätigung des Transfers von Backhaus zu erwarten sein. 

Conference League nur ein kleines Trostpflaster

Auch ein Abgang von Senkrechtstarter Manzambi wäre keine Überraschung mehr. Der Schweizer Nationalspieler kann in den kommenden Wochen bei der anstehenden WM in den USA, Kanada und Mexiko weiter reichlich Eigenwerbung betreiben. Dass er mit dem SC nun in der nächsten Saison in der Conference League spielen würde, statt mit Europas Club-Elite in der Champions League mitzumischen, könnte Wechselabsichten beschleunigen. 

Wie in der vergangenen Saison als Bundesliga-Fünfter verpassten die Breisgauer die Königsklasse nur um einen Sieg. Zunächst muss der Sport-Club die Playoffs überstehen, um in der Conference League angreifen zu können.

Istanbul wieder ein Ziel

Doch dann dürften die Auftritte im drittklassigen internationalen Wettbewerb abseits des großen Rampenlichts nur ein schwacher Trost sein. Nicht nur der finanzielle, sondern auch der sportliche Anreiz ist deutlich geringer. Auf den SC warten nicht mögliche Duelle mit Weltstars vom FC Barcelona, vom FC Arsenal oder von Paris Saint-Germain, sondern weit weniger bekannte Gegner.

"Es ist erstaunlich und nicht hoch genug anzurechnen, dass wir den siebten Platz geschafft haben", stellte Schuster dennoch klar. Es sei gleich wieder "die nächste Chance und die nächste Aussicht" und eine "große Motivation". Die Trophäe der Conference League wird 2027 in Istanbul vergeben. Für den Sport-Club kann dies ein Anreiz sein, sich wieder einen Trip an den Bosporus zum Ziel zu setzen. "Wenn die Tränen getrocknet sind", wie Schuster meinte. (dpa)

© Copyright dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH
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