Fußball
Vier Tore für ein gutes WM-Gefühl - Undav trifft doppelt

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Vor dem Abflug in die USA weckt die DFB-Elf Lust auf die WM. Das 4:0 gegen Finnland verlängert die Siegesserie. Der Bundestrainer zeigt in Mainz auch Mut mit zwei Jungstars.

Mainz.

Als die Pflicht getan war, klatschte Bundestrainer Julian Nagelsmann seine Spieler lächelnd ab. Froh waren auch die Fußballfans in Mainz, die das DFB-Team nach dem lockeren 4:0 (1:0) gegen Finnland mit viel Applaus in Richtung USA verabschiedeten. Zwei Wochen vor dem WM-Ernstfall gegen Curaçao haben Doppelpacker Deniz Undav und seine Offensivkollegen Vorfreude auf das Turnier in Amerika entfacht. 

"Zehn-von-zehn-Abend", urteilte Undav, der zudem ein Tor vorlegte, im ZDF. "Das Wichtigste ist, wir haben das Spiel gewonnen. Ich habe drei Scorer gemacht. Besser hätte es nicht laufen können." Der leicht angeschlagene Stuttgarter Stürmer gab Entwarnung nach seiner Auswechslung: "Bisschen Schmerzen, aber nix Wildes, alles entspannt." Und gefragt nach WM-Zielen, antwortete Undav gewohnt keck: "Wenn wir das Ding gewinnen. Dann wäre es ein Erfolg."

"Was wir auf den Platz bringen wollten, haben wir gebracht"

Die 25.122 Zuschauer in der ausverkauften Mainzer Arena waren positiv angetan vom engagierten Testspiel-Auftritt und der kleinen Torgala. "Wir haben gute Chancen kreiert", meinte Jamal Musiala. "Was wir auf den Platz bringen wollten, haben wir gebracht."

Verzichten mussten die vielen in Deutschland-Trikots gekleideten Anhänger allerdings noch auf das Comeback von Manuel Neuer im DFB-Tor. Der 40-Jährige befindet sich nach einer Wadenverhärtung noch im Aufbautraining. Auch Champions-League-Finalist Kai Havertz fehlte in der von Bundestrainer Nagelsmann weitgehend aufgebotenen Wunschelf. 

DFB-Offensive überzeugt nach Anlaufzeit

Nach einer gewissen Anlaufzeit sorgten Undav (34./57. Minute), Florian Wirtz (48.) und der emsige Musiala (63.) bei seinem Länderspiel-Comeback nach 14 Monaten für reichlich Torjubel. Das Selbstvertrauen wächst nach dem achten Sieg in Serie. Gerade offensiv scheint vieles möglich in Kanada, Mexiko und den USA. Der Torbann musste aber erst gebrochen werden, Undav etwa scheiterte vor seinen Länderspieltoren fünf und sechs zunächst zweimal an Finnlands Torwart Lukas Hradecky (8./27.).

Durfte bei seinem DFB-Comeback ein Tor bejubeln: Jamal Musiala.
Durfte bei seinem DFB-Comeback ein Tor bejubeln: Jamal Musiala. Bild: Federico Gambarini/dpa

Nagelsmann bot zwei Tage vor dem Abflug nach Chicago, wo am kommenden Samstag (20.30 Uhr/RTL) die Turnier-Generalprobe gegen die USA stattfinden wird, eine Mannschaft auf, wie sie größtenteils auch gegen den WM-Neuling Curaçao am 14. Juni beginnen dürfte. 

Nach über einem Jahr waren dabei auch Musiala und Wirtz mal wieder als Offensiv-Wirbler vereint. In mehreren Momenten war zu erahnen, was mit "Wusiala" beim Turnier möglich werden könnte.

Karl und Brown mit starken Szenen

Der Bundestrainer zeigte zudem Mut zur jugendlichen Unbekümmertheit. Nathaniel Brown schickt sich mit seiner Technik und Dynamik auf der Position des linken Außenverteidigers an, Leipzigs Kapitän David Raum zu verdrängen. Der 22 Jahre alte Frankfurter hatte gerade offensiv einige gute Szenen. 

Und auf dem rechten Flügel macht Lennart Karl Dampf. "Er hat jugendliche Frische", begründete Nagelsmann im ZDF den ersten Startelfeinsatz des 18-Jährigen. Karl dribbelte, Karl passte, Karl traf den Außenpfosten (55.). Und er arbeitete auch fleißig mit nach hinten. Der Jüngste im deutschen WM-Kader versuchte viel - und er liegt im Konkurrenzkampf vor dem erfahrenen, aber in seinen Leistungen zu stark schwankenden Galatasaray-Profi Leroy Sané. 

Lennart Karl bot eine überzeugende Vorstellung.
Lennart Karl bot eine überzeugende Vorstellung. Bild: Federico Gambarini/dpa

Im Tor durfte sich noch einmal der zur Nummer zwei zurückgestufte Oliver Baumann zeigen. Nagelsmann nannte das zwölfte Länderspiel des Hoffenheimers kurz vor Baumanns 36. Geburtstag "eine Belohnung". Er stellte aber auch klar, dass der 40-jährige Neuer beim Turnier in Amerika die Nummer eins sein wird. "Wir brauchen kein Risiko einzugehen", sagte der Bundestrainer zur Schonung des noch angeschlagenen Neuer, der entspannt im Stadion zuschaute.

Defensive kaum gefordert

Der Weltmeister von 2014 bekam ein typisches Testspiel zu sehen. Die ganz große WM-Anspannung fehlte noch. Die Finnen waren kein echter Prüfstein. Offensiv traten sie kaum in Erscheinung, Kapitän Joshua Kimmich musste einmal einen Schuss vor der Linie blocken (29.). 

Lächelnder Zuschauer im Mainzer Stadion: Manuel Neuer.
Lächelnder Zuschauer im Mainzer Stadion: Manuel Neuer. Bild: Tom Weller/dpa

Die deutsche Elf war im Dauer-Vorwärtsgang. Nach einer kurz ausgeführten Ecke führte eine Kimmich-Flanke zum ersten Kopfballtor von Undav im DFB-Trikot. Der Stuttgarter zeigte, dass er mehr als ein Joker sein kann. Tor Nummer zwei von Wirtz erarbeitete er mit einer starken Pressing-Aktion. Beim 3:0 vollendete Undav nach einem feinen Solo und Pass von Karl. Nach seinem zweiten Tor wurde er behandelt und leicht angeschlagen ausgewechselt.

Besonders wertvoll war dann, dass Musiala Selbstvertrauen mit seinem neunten Länderspieltor schöpfte. Am Ende wechselte Nagelsmann noch fleißig und brachte unter anderem den Mainzer Nadiem Amiri unter dem Applaus der Fans. (dpa)

© Copyright dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH
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