"Integration durch Sport funktioniert"

Melanie Wotsch kümmert sich beim Kreissportbund Mittelsachsen seit zwei Jahren um Menschen mit Migrationshintergrund. Auch beim DOSB berichtete die Integrationslotsin über ihre Arbeit.

Freiberg.

Als Melanie Wotsch 2011 nach dem Abitur nach Chemnitz gezogen ist, war für die Profi-Radsportlerin, die gerade noch bei der Europa- und Weltmeisterschaft startete, sicher, dass sie dem Sport treu bleiben will. Acht Jahre später ist die 27-Jährige weiterhin im Radsport aktiv, studiert Prävention, Rehabilitation und Fitnesssport an der TU Chemnitz und arbeitet als Integrationslotsin für den Kreissportbund Mittelsachsen (KSB).

"Ich bin sehr glücklich, dass ich diese Chance erhalten habe. Wir sind ein gut funktionierendes Team, in dem alle füreinander da sind", schwärmt Wotsch über ihre Arbeitsstelle in Freiberg. Seit knapp zwei Jahren hilft sie in Mittelsachsen mit, Vorurteile und Ängste gegenüber fremden Kulturen abzubauen. In Zusammenarbeit mit den Vereinen der Region unterstützt sie Geflüchtete, über den Sport in Deutschland Fuß zu fassen. "Integration funktioniert durch Sport am besten", sagt Melanie Wotsch. Die Flüchtlinge erhalten direkten Kontakt zu einer breiten Masse, "mit denen sie eine sportliche Gemeinsamkeit teilen".

Ihre Aufgabe ist es, zwischen den Vereinen und Menschen mit Migrationshintergrund zu vermitteln. Dies geschehe anfangs über das Migrationsnetzwerk des KSB, erklärt die 27-Jährige. Sobald sich Interessierte melden, beginnt sie, Schnupperkurse und Infotreffen zu organisieren. "Wir können die Leute aber natürlich niemanden aufzwingen, die Vereine müssen auch von sich aus wollen", sagt die gebürtige Nürnbergerin. Aber das klappe in Mittelsachsen bisher sehr gut.

Kürzlich reiste Melanie Wotsch auch zu einer Veranstaltung des Deutschen Olympischen Sportbundes nach Frankfurt und hielt dort einen Vortrag über ihre Arbeit in Mittelsachsen. Ein Jahr lang hat sie in Zusammenarbeit mit der Kreissportjugend Fäden gezogen und ein Netzwerk zu Hunderten Vereinen und Sportlern aufgebaut. In ihrem zweiten Jahr beim KSB kümmert sie sich nun um die Umsetzung. Das nächste Großprojekt ist auch schon geplant: Vom 5. bis 9. August organisiert sie eine Ferienfreizeit, eine sportliche Erlebnis-Tour für 20 Kinder mit Migrationshintergrund und sozial Benachteiligte. Übernachten sollen die 12- bis 15- Jährigen in einer Jugendherberge in Kriebstein, und die Tage sollen mit Gruppenaktionen wie Bogenschießen, Kanufahren, Klettern oder auch Bubble-Ball interessant gestaltet werden. "Das Ziel ist es, den Kindern neue Sportarten zu zeigen, die im ländlichen Raum möglich sind. Dafür müssen sie nicht ans Meer oder in die Alpen fahren", erklärt Wotsch. Wichtig ist, dass die Kinder Spaß und Freude am Ausflug haben, das habe für sie den größten Mehrwert.

Als Radsportlerin saß Melanie Wotsch für mehrere Bundesliga-Teams im Sattel. Derzeit tritt die Sprinterin für das Team Maxx-Solar Lindig in die Pedale. Nebenbei trainiert sie die Nachwuchsfahrer des RSV Chemnitz.

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