Sport-Mix
"Möchte mir selbst danken": Andrejewa gewinnt French Open

Freie Presse auf Google News folgen

Die Qualifikantin Maja Chwalinska hält anfangs mit der haushohen Favoritin Mirra Andrejewa mit, verliert dann aber doch klar das Finale in Paris. Für die Siegerin ist es eine Titel-Premiere.

Paris.

In ihrer Aufregung wählte Mirra Andrejewa mit der Suzanne-Lenglen-Trophäe in den Händen zuerst die falsche Position für ihre Siegerrede bei den French Open. Nach einem kurzen Moment der Verwirrung ging die russische Tennisspielerin zur richtigen Stelle - und dankte dann vor allem sich selbst für ihren ersten Grand-Slam-Titel durch den 6:3, 6:2-Finalsieg gegen die polnische Qualifikantin Maja Chwalinska.

"Ich möchte auch mir selbst danken, dass ich an mich selbst glaube, immer hundert Prozent gebe. Dass ich versuche, jeden Tag besser zu werden als Person und Spielerin, auch wenn es hart ist. Und dass ich daran glaube, dass ich es schaffen kann, gegen so viele Dämonen in mir anzukämpfen", sagte die 19-Jährige. "Nur ich weiß, wie schwer es für mich war und wie nervös ich war während der zwei Wochen."

Das hat Rapper Snoop Dogg mit der Rede zu tun

Die Selbst-Danksagung hat sie sich von Rapper Snoop Dogg abgeschaut, der 2018 bei der Aufnahme in den "Hollywood Walk of Fame" mit ähnlichen Worten auch sich selbst gedankt hatte. Andrejewa dankte aber auch ihrer Trainerin Conchita Martínez für "viele Ratschläge", und die frühere Topspielerin aus Spanien formte dafür mit den Händen ein Herz.

Chwalinska hatte sich zuvor leicht geknickt sogar dafür entschuldigt, dass das Finale nicht spannender gewesen war. "Ich habe mein Bestes versucht, Entschuldigung", sagte die 24 Jahre alte Außenseiterin. Ihr Lob an die Siegerin versteckte sie in einer lächelnd vorgetragenen Botschaft: "Du bist so jung und so talentiert - das ist so nervig."

Chwalinska verpasste es, als erst zweite Qualifikantin in der Geschichte einen Grand-Slam-Titel zu gewinnen. Das Kunststück war bislang nur der Britin Emma Raducanu bei den US Open 2021 gelungen. 

Sprung von Weltranglisten-Position 114 auf 21 

Für die Polin war aber schon der Finaleinzug ein Riesenerfolg. Mit den 1,4 Millionen Euro als Belohnung für Platz zwei sammelte sie in Paris doppelt so viel Preisgeld wie in ihrer gesamten Karriere zuvor. Die 114. der Tennis-Welt war die am niedrigsten gelistete French-Open-Finalistin seit Einführung der WTA-Weltrangliste. Nach dem Turnier wird sie auf Platz 21 springen.

Andrejewa ist die jüngste Siegerin von Roland Garros seit Monica Seles, die 1992 als 18-Jährige bereits ihren dritten Gesamtsieg hintereinander in Paris geholt hatte.

Viel Wind, viele Breaks

Die Bedingungen mit dem starken Wind machten beiden Finalistinnen merklich zu schaffen - vor allem bei den eigenen Aufschlagspielen. Chwalinska bereitete mit ihrem ungewöhnlichen Spielstil zunächst auch der großen Favoritin Andrejewa Probleme. Mit hohen Bällen, viel Slice und einigen Stopps variierte die Polin. Ihre Gegnerin stellte sich mit zunehmender Spieldauer aber besser darauf ein und holte sich verdient den ersten Satz.

Chwalinska, die aufgrund der Qualifikation drei Matches mehr als Andrejewa in den Beinen hatte, kam im zweiten Durchgang sichtlich auch körperlich an ihre Grenzen. Auch die Anfeuerungen aus dem Publikum halfen nur wenig. In ihrem Spiel schlichen sich mehr Fehler ein, die nun deutlich dominantere Andrejewa wusste das zu nutzen.

Schon früh ein Tennis-"Wunderkind"

Andrejewa galt schon länger als potenzielle Grand-Slam-Turniergewinnerin. Als Tennis-"Wunderkind" wurde sie schon 2022 gefeiert, als sie im Alter von 15 Jahren ihr Debüt auf der Tour gab. Den Feinschliff erhielt die in Sibirien geborene Russin im französischen Cannes an einer renommierten Trainings-Akademie. 

Ihre Siege bei den Masters-Turnieren in Dubai und Indian Wells im Jahr 2025 weckten Erwartungen, die Andrejewa danach zunächst nicht ganz erfüllen konnte. Mit dem gestiegenen Druck kam die junge Athletin nicht immer klar, ihre Wutausbrüche bei besonders bitteren Rückschlägen sorgten für Schlagzeilen. (dpa)

© Copyright dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH
Das könnte Sie auch interessieren
19:42 Uhr
4 min.
Von Quali ins Finale: Chwalinska lebt einen "Traum" in Paris
Von Quali ins Finale: Chwalinska lebt einen "Traum" in Paris - Von den Gefühlen überwältigt: Maja Chwalinska.
Maja Chwalinska steht nicht in den Top-100 - dafür aber sensationell im Finale der French Open. Dort trifft sie auf die Russin Mirra Andrejewa, die in seinem brisanten Match eine Ukrainerin besiegt.
Jörg Soldwisch, dpa
06.06.2026
1 min.
Weiterer Großmieter öffnet im Chemnitzer Neefepark
Weiterer Großmieter öffnet im Chemnitzer Neefepark - In der Einkaufspassage im Neefepark öffnet ein weiteres Geschäft.
In dem jahrelang von Leerstand gebeutelten Einkaufszentrum zieht wieder Leben ein. Ein neuer Möbelanbieter empfängt ab Samstag Kunden. Die Details.
Benjamin Lummer
18:58 Uhr
2 min.
DFB-Pokal: BVB spielt beim Fünftligisten Hamburg-Eimsbüttel
DFB-Pokal: BVB spielt beim Fünftligisten Hamburg-Eimsbüttel - Die erste Runde im DFB-Pokal ist ausgelost. (Archivbild)
Schiedsrichter Deniz Aytekin beschert Borussia Dortmund ein Erstrundenspiel im Norden. Bundesliga-Aufsteiger Schalke 04 gastiert beim Halleschen FC. Fünftligist St. Tönis empfängt Eintracht Frankfurt.
19:23 Uhr
4 min.
Zverev kurz vor Titel-Krönung - Finalgegner kampflos weiter
Zverev kurz vor Titel-Krönung - Finalgegner kampflos weiter - Jubelt über einen Punktgewinn: Alexander Zverev.
Mit seinem Halbfinalgegner hat Alexander Zverev deutlich weniger Probleme als angenommen. Noch weniger Gegenwehr bekommt sein Finalgegner Flavio Cobolli - denn dessen Landsmann tritt gar nicht an.
Jörg Soldwisch, dpa
06.06.2026
4 min.
„Gelebt wie ein Roboter“: Warum ein Erzgebirger Bodybuilding trotzdem liebt
„Gelebt wie ein Roboter“: Warum ein Erzgebirger Bodybuilding trotzdem liebt - Dies ist eine von nur zwei Pizzen, die Justin Klitzke während der vergangenen acht Monate zu sich genommen hat – als Belohnung für DM-Silber.
Monatelang hat sich Justin Klitzke an strikte Pläne gehalten. Belohnt wurde das mit unerwarteten Erfolgen. Nun könnte es der deutsche Vizemeister ruhig angehen lassen, aber das ist nicht so einfach.
Andreas Bauer
18:54 Uhr
2 min.
FC Bayern in der ersten Pokal-Runde zum VfL Osnabrück
FC Bayern in der ersten Pokal-Runde zum VfL Osnabrück - Der FC Bayern hofft mit Kapitän Manuel Neuer (l) und Torjäger Harry Kane (r) auf eine Wiederholung ihres DFB-Pokal-Erfolgs.
Der abgetretene Bundesliga-Schiedsrichter Deniz Aytekin hat dem FC Bayern ein interessantes Los in der ersten Pokal-Runde beschert. Die Münchener starten später in die Cup-Saison - aus gutem Grund.
Mehr Artikel