Medaille für Chemnitz

Nach dem Zittern kamen die Freudentränen: Die Chemnitzerin Sophie Scheder hat gestern in Rio sensationell Bronze am Stufenbarren gewonnen und damit die tollen Auftritte der deutschen Turner veredelt. In der letzten Übung kam es sogar zu einem deutschen Duell, als nur noch Teamkollegin Elisabeth Seitz Scheder vom dritten Rang verdrängen konnte. Sie blieb in der Wertung hauchdünn dahinter - nach dem Zittern kamen Tränen der Enttäuschung. Freud und Leid liegen bei Olympia eng beieinander.

Der große Augenblick gestern Nacht: 100-Meter-Sprint der Männer. Oder die Frage: Wer holt Usain Bolt ein? Antwort: Keiner. Bolt wurde gefeiert und behält nach der Blitzlichtorgie der Fotografen hoffentlich sein Sehvermögen. Dopingsünder und Zweiter Justin Gatlin hingegen wurde ausgebuht. Wer einmal dopt, dem glaubt man nicht. Lange glauben wird man hoffentlich Wayde van Niekerk, dem Historisches gelang: Er verbesserte den 17 Jahre alten 400-Meter-Weltrekord von Michael Johnson. Die Goldmedaille war da fast Nebensache.

Für die Hitchcock-Gedächtnismedaille nominiere ich die deutschen Hockeyherren. Nach 0:2-Rückstand im Viertelfinale gegen Neuseeland erzielen sie in letzter Minute durch Strafecken-Gott Moritz Fürste den Ausgleich. Und in letzter Nanosekunde irgendwie die 3:2-Führung. Schluss - Halbfinale! Ekstase beim deutschen Team. Zusammensacken bei Neuseeland. Freud und Leid eben. Bevor Sie sich das Video ansehen, sprechen Sie sich bitte mit Ihrem Kardiologen ab. Die Hitchcock-Medaille in Silber gibt's übrigens für das Tischtennis-Team der deutschen Frauen, die sich ins Finale gekämpft haben.

Dass Olympia auch ein Stück weit Familientreffen ist, wissen wir in Rio spätestens seit den Harting-Brüdern. Beim gestrigen Marathon der Frauen wurde das auf die Spitze getrieben. Die Deutschen Lisa und Anna Hahner kamen tatsächlich als 81. und 82. ins Ziel - Hand in Hand, fast ein wenig kitschig. Das schnellste Zwillingspaar dieses Laufs waren sie damit dennoch nicht.

Nach Sophie Scheder eine weitere Medaille für Chemnitz? Vielleicht gelingt das Dreisprung-Europameister Max Heß vom LAC Erdgas. Heute startet er in die Qualifikation. Zudem ist Fahnenträger Timo Boll nochmal zu sehen: Im Einzel früh ausgeschieden, steht er heute mit dem Team im Halbfinale. Eine Medaille für ihn zum Schluss, das würde ich ihm gönnen.

Das erwartet Sachsens Athleten heute:

14.25 Uhr: Kanurennsport Frauen, Kajak Zweiter Vorrunde-Halbfinale (mit Tina Dietze)
14.30 Uhr: Dreisprung Männer, Qualifikation (mit Max Heß)
20.15 Uhr: Wasserspringen Männer, 3 Meter Vorkampf (mit Stephan Feck)
1.40 Uhr: 110 Meter Hürden Männer, Vorlauf (mit Alexander John)

Außerdem:

20 Uhr: Tischtennis Männer, Mannschaft Halbfinale Deutschland-Japan
u.a.
 

 

 

 

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