Sachsens Sportler des Jahres: Premiere und Rekord

Kombinierer Eric Frenzel wurde zum fünften Mal in Folge geehrt, während Wasserspringerin Tina Punzel erstmals als Siegerin der Umfrage hervorging. Ex-Skispringerin Ulrike Gräßler stand gleich zweimal auf der Bühne.

Während Laudator Martin Schulz, als erfolgreicher Para- Triathlet Vierter bei den Herren, den goldenen Umschlag mit dem Umfrageergebnis öffnete, strahlten beide Topkandidatinnen. Wasserspringerin Tina Punzel, die erstmals die wertvolle Krone aus Meißner Porzellan in Empfang nehmen durfte, und auch Kugelstoßerin Christian Schwanitz, die auf Platz drei kam. "Ich hätte dieses Mal nicht gedacht, dass ich bei den megatollen Leistungen vieler anderer so weit vorn bin. Deshalb freue ich mich sehr darüber", meinte die 33-Jährige, der bei der EM mit Silber ein beeindruckendes Comeback nach der Babypause gelungen war. Sie gehörte auch gleich zu den ersten Gratulanten und fügte anerkennend hinzu: "Ich gönne es Tina von Herzen. Dabei finde ich es auch schön, dass es eine Randsportart ganz nach oben geschafft hat."

Die Weltklasseathletinnen kennen sich dabei schon seit einiger Zeit persönlich, tauschen sich aus, verschicken Glückwünsche. Sie haben einen gemeinsamen Sponsor und werden vom gleichen Management, das seinen Sitz in Dresden hat, unterstützt. Da trifft man sich hin und wieder, ist über eine WhatsApp-Gruppe in Kontakt. Tina Punzel selbst spricht voller Hochachtung von Christina Schwanitz. "Wenn ich zwei Kinder hätte, würde ich meine Karriere beenden. Hut ab, wie sie das auch mit der Familie alles meistert. Denn man weiß ja selbst, was an harter Arbeit dahintersteckt", sagte die 23-Jährige nach der Ehrung im Gespräch mit "Freie Presse". Sie erhielt dabei bereits 2011 als beste Nachwuchssportlerin den Preis und kam zufällig bei den Umfrageerfolgen der Welt- und Europameisterin vom LV Erzgebirge 2014 sowie 2015 jeweils auf Rang sieben. "Da habe ich schon hochgeschaut. Deshalb ist es jetzt so cool, dass ich es erreicht habe", gab Tina Punzel Einblicke in ihre Gedankenwelt.

Als einen entscheidenden Grund für die gestiegene Popularität nannte sie die Premiere der European Championships in Glasgow, bei denen mehrere Sportarten gleichzeitig ihre EM austrugen. Die Präsens in den Medien und in der Öffentlichkeit gab auch ihrer Sportart einen Schub. Die Dresdnerin avancierte mit einem kompletten Medaillensatz zur erfolgreichsten deutschen Starterin in Schottland - und erhielt dafür nun in ihrer Heimatstadt die beste Würdigung.

Als die Premierensiegerin zu später Stunde noch als Losfee für die Tombola, die der Nachwuchsförderung zugutekommt - Erlös während der Gala: 10.900 Euro - fungierte, war Christina Schwanitz mit Ehemann Tomas auf der Rückfahrt nach Chemnitz. "Wir können wirklich ganz entspannt den Abend genießen, weil meine liebe Freundin Heike auf unsere Krümel aufpasst. Aber um sechs ist die Nacht vorbei", berichtete die Mutter von eineinhalbjährigen Zwillingen. In der vergangenen Woche weilte sie zu einem Lehrgang in Kienbaum. "Da hielt der Papa die Fahne hoch." Obwohl sie wegen eines Kapselrisses im Fuß über den Jahreswechsel nicht optimal trainieren konnte, startet sie wie geplant am Sonnabend in Chemnitz bei den offenen sächsischen Meisterschaften in die Hallensaison. Sieben Auftritte folgen bis zur abschließenden EM Anfang März in Glasgow.

Mittendrin im Wettkampfgeschehen befindet sich aktuell und wie meist zum Zeitpunkt der Veranstaltung Eric Frenzel. Nur bislang einmal (2016), als Schnee fehlte und Weltcups ausfielen, weilte der Erzgebirger live im Kongress-Center. Seine fünfte Krone in Folge erhielt er deshalb nach der Teamentscheidung in Val die Fiemme, bei der er gemeinsam mit Fabian Rießle Dritter wurde, von Terence Weber, Vereinsgefährte beim SSV Geyer, überreicht. Bei den Herren ist er nunmehr alleiniger Rekordhalter. Auf vier Triumphe brachten es bei der Umfrage seit 1993 Skisprunglegende Jens Weißflog und Diskusrecke Lars Riedel. "Es ist eine große Ehre für mich, dass wieder so viele für mich gestimmt haben", bedankte sich der dreifache Olympiasieger und fünfmalige Gesamtweltcupsieger via Live-Schalte. Mit besonderen Emotionen verfolgten sein Heim- Coach Frank Erlbeck und sein Entdecker Jochen Starke diese Momente im Saal. Letztgenannter simulierte auf der Bühne gleich eine Telemarklandung und hatte die Lacher auf seiner Seite, als er mit seinem ihm eigenen Humor erklärte: "Eric war ein Rohstein wie viele. Aber zum Glück haben wir ihn nicht zum Klöppeln oder Schnitzen geschickt."

Ulrike Gräßler überzeugt in ungewohnter Rolle

Ex-Skispringerin ehrt als Laudatorin die besten Mannschaften und regt zum Nachdenken an

Sie wurde während der Gala gleich zweimal auf die Bühne gerufen: Zunächst gab es für Skispringerin Ulrike Gräßler sowie für Rennrodler Ralf Palik und Kanute Jan Benzien Blumen, da alle drei Asse im vergangenen ihre erfolgreichen Karrieren beendet hatten. Zum Abschluss des offiziellen Teils stand die Eilenburgerin dann am Pult und hielt die Laudatio für die besten Mannschaften des Jahres 2018. Das Bobteam von Francesco Friedrich lag in der Publikums- und Journalistengunst klar vor den Dresdner Volleyballerinnen sowie RB Leipzig.

"Ich war aufgeregt wie früher vor einem Wettkampf", berichtete Ulrike Gräßler nach ihrem Auftritt. Die Nervosität wuchs sogar noch, als sie die Größe des Saales erfasste, denn sie weilte erstmals live bei der Veranstaltung. Im Januar 2010 war die Anreise damals fest eingeplant, da sie als Vizeweltmeisterin sehr gute Chancen besaß. Doch Wetterkapriolen machten damals dem Vorhaben einen Strich durch die Rechnung. Über den für sie überraschenden zweiten Platz freute sie sich dennoch riesig. 2013 belegte sie Rang acht.

Im vergangenen Sommer hatte die Skisprungpionierin, die für den VFC Klingenthal gestartet war, ihre Laufbahn beendet. Für ihre kleine Rede, die sie mit Bravour bewältigte, erhielt die 31-Jährige mehrfach spontan Applaus und insgesamt viel Lob. Denn sie hielt sich nicht nur an die Fakten über die drei besten Teams, sondern regte mit kritischen Worten auch mehrfach zum Nachdenken an. Sie machte beispielsweise ihrem Ärger Luft, dass es für Frauen kaum Teamwettbewerbe, die sie auch als beste Motivation für den Nachwuchs bezeichnete, gibt. Auch würde sie sich wünschen, dass jeder, unabhängig vom Geschlecht, im Sport seine Wahl Akzeptanz findet. "Und dann sollten die Leistungen nicht immer nur auf die Medaillenränge reduziert werden", meinte Ulrike Gräßler, die zwei WM-Plaketten (Silber im Einzel 2009, Bronze im Mixed-Team 2013) gewann, zahlreiche internationale Siege feierte und mehrfache Deutsche Meisterin ist. Nach einen schweren Unfall 2015 kämpfte sie sich in der vergangenen Saison zurück, erhielt aber keinen Kaderstatus mehr.

Inzwischen absolviert die Bundespolizistin in Lübeck eine Ausbildung zur Rettungssanitäterin. Für die WM Ende Februar in Seefeld wird sie für Eurosport als Co-Kommentatorin arbeiten. "Jetzt ist aber noch Wehmut dabei. Es fällt mir schwer, bei den Frauen zuzuschauen", gestand Ulrike Gräßler. mm

Friedrich-Team an der Spitze

Bei den Mannschaften setzte sich das Bobteam von Francesco Friedrich erstmals in der Wertung durch. Da der zweifache Olympiasieger zur gleichen Zeit am Königssee einen weiteren Weltcupsieg sowie EM-Gold im Zweier erkämpfte, konnte er nicht anwesend sein. Anschieber Jannis Bäcker (Foto) nahm die Krone unter dem Jubel einer stimmgewaltigen Fangemeinde in Empfang. Der 34-Jährige gewann mit Friedrich 2013 den ersten WM-Titel. Er gehört aber nicht mehr zum Stammaufgebot, steht aber weiter als Reservist bereit.

Gerd Leopold erhielt die Ehrung als Trainer des Jahres. Der Bob-Coach wurde einige Tage vorher im MDR-Studio mit der Auszeichnung überrascht. "Einen Olympiasieg wollte ich unbedingt noch einmal schaffen. Das war ein Traum von mir", meinte der 60-Jährige, der schon 1994 den Vierer von Harald Czudaj zu Olympiagold geführt hatte. Dieses Team wurde in jenem Jahr als Mannschaft gekürt. Nun lagen zum zweiten Mal in der Geschichte Schützlinge von ihm vorn.

Zwei Ehrenpreise gingen in die Region: Horst Hinze vom AC Werdau, der seit 60 Jahren dem Ringen verbunden ist, arbeitet auch als 83-Jähriger noch als Übungsleiter. Als bester Talentstützpunkt wurden die Chem-Cats aus Chemnitz ausgewählt.

Sylke Otto, Ex-Rennrodlerin vom WSC Oberwiesenthal, bleibt mit insgesamt neun Siegen - zwischen 1998 und 2006 - absolute Rekordhalterin der sächsischen Umfrage. mm

Sportler des Jahres 2018 von Sachsen

Sonderpreise

  • Trainer des Jahres: Gerd Leopold (Bundesstützpunkt Bob)
  • Förderer des Jahres: Obstland Dürrweitzschen AG
  • Lebenswerk: Horst Hinze (AC Werdau, Ringen)

Nachwuchs-Förderpreis:

  • Anastasia Blayvas (KFC Leipzig, Ringen)
  • Lennard Tuchscherer (Leipziger KC, Kanuslalom)
  • Chem-Cats Chemnitz (Basketball)

Modus: Auswahl Sportjournalisten - 50 Prozent Gewichtung

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